Peru: Alphabetisierungsprogramm

Es ist eine wunderschöne, aber karge und arme Gegend: die Hochebene der südperuanischen Anden. Viele Frauen hier können weder lesen noch schreiben. Die Sonne strahlt auf etwa 3900 Höhenmetern intensiv, weshalb die Menschen Hüte tragen. In den Weilern Arapa und Chupa, die zum Department Puno gehören, leben sie in selbst gebauten Lehmhäusern. Sie haben ein kleines Stück Land und ein paar Tiere. «Wie gerne hätte ich einen anderen Beruf erlernt!» , sagt die indigene Kleinbäuerin Francisca Itusaca de Mullisaca. «Aber dazu gab es keine Möglichkeit.» Ihre sechs Kinder gehen zur Schule. Sie selbst hatte diese Möglichkeit nicht. So ging es in dieser Region fast allen Frauen ihrer Generation. Sie wurden als Arbeitskräfte zu Hause und auf dem Feld gebraucht.

Eine Frage des Selbstbewusstseins

Weil sie weder lesen noch schreiben und sich auf Spanisch nur schlecht ausdrücken können, fühlen sich viele Frauen minderwertig. Der Evangelische Entwicklungsdienst Alfalit, Partnerorganisation von Mission 21, hat für diese Frauen ein Bildungsprogramm entwickelt: Sie lernen in ihrer Muttersprache Quechua und auf Spanisch Lesen und Schreiben, aber auch Fertigkeiten für Haus und Hof. Und sie lernen die Gesetze und ihre Bürgerrechte kennen. «Wir wissen jetzt, dass wir genauso viel wert sind wie die Männer!», sagt Nila Condori stolz. «Durch Alfalit sind wir selbstsicherer geworden.» 

Die Frauen, die regelmässig zu den Kursen von Alfalit gehen, wirken tatsächlich stolz, froh, in sich ruhend. An Wegrändern und auf Plätzen finden sich auch Frauen, die einen gänzlich anderen Eindruck vermitteln. Sie kauern am Boden und senken den Blick, wenn man sie als Ausländerin anschaut. «Dank Alfalit haben wir unsere Angst verloren» , so María Marlen. Für die 37-jährige Mutter ist es wichtig, den Lernstoff ihrer fünf Kinder mitverfolgen oder ihnen etwas vorlesen zu können. Die Frauen lernen nicht nur Lesen und Schreiben, sondern eignen sich Wissen für alle Lebensbereiche an.

Quinoa: Kleines Korn, viele Vitamine

Auf dem Lehrplan stehen auch Themen wie Umweltschutz, Hygiene, Viehzucht und Ernährung. «Früher verkaufte ich Quinoa, um dann Nudeln für meine Familie zu kaufen», erzählt Juana Mamani Mullisaca. Bei Alfalit habe sie gelernt, dass dieses Getreide einen sehr hohen Nährwert hat. Nun kommt es bei ihrer Familie immer öfter auf den Tisch. Auch Rezeptideen erhält sie in den Kursen. «Vieles hat sich bei uns geändert, seitdem meine Frau zu Alfalit geht», sagt ihr Ehemann. Auch die Rollenverteilung werde diskutiert, er übernehme nun einen Teil der Hausarbeit. Und könne sich jetzt besser mit seiner Frau austauschen.

Die indigene Kultur wertschätzen

16 Lerngruppen gibt es in dieser Region. «Besser leben» ist ein Wunsch vieler Menschen. «Ein Schlüssel dazu ist Bildung», ist Dora Peña überzeugt, die die Lehrmaterialien entwickelt. «Viele Frauen machen enorme Fortschritte und können sich immer besser ausdrücken.» Sie und ihr Kollege Bernabé Quispe sprechen voller Wertschätzung von den Teilnehmerinnen und ihrer indigenen Kultur. «Wenn ich mit den Menschen auf Quechua spreche», erklärt Quispe, Lehrer und Sohn einer Kleinbauernfamilie, «erfahre ich viel darüber, was sie zutiefst bewegt.»

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