Hoffnung dank Ihrer Unterstützung

Vielen Menschen in den Entwicklungsländern ist ein würdevolles Leben verwehrt. Dennoch gibt es Hoffnung. Zusammen mit lokalen Organisationen und Kirchen kämpft mission 21 gegen Armut, Unterdrückung und Ausbeutung. Weltweit profitieren über 13 Millionen Menschen direkt und indirekt von unserer Arbeit. So können Sie mitwirken:

  • in Form einer Spende
  • in Form eines Legats
  • durch ehrenamtliche Mitarbeit
  • in Gedanken und Gebet

Danke, dass Sie mission 21 Ihr Vertrauen schenken. Mit Ihrer Unterstützung kann Menschen ein Leben in Würde ermöglicht werden!

Projekt des Monats Februar: Gemeinsam am Frieden bauen in Nigeria

Yakubu Joseph ist Soziologe und Friedensforscher. Er berät das interreligiöse Friedensprogramm von mission 21 in Nigeria. Zur Zeit promoviert er an der Universität Tübingen.

Im Interview spricht der Friedensforscher über den Anschlag auf eine Kirche in Madalla am Weihnachtstag und seine Hoffnung auf Versöhnung in Nigeria.

 

Yakubu Joseph, mit dem blutigen Anschlag auf die Sankt Teresa-Kirche in Madalla nördlich der nigerianischen Hauptstadt Abuja am 25. Dezember 2011 löste Boko Haram weltweit Entsetzen aus. Auch in Jos im östlichen Zentralnigeria, wo Sie sich momentan befinden, haben die Extremisten eine Kirche und Christen angegriffen. Wie ist die Situation vor Ort? 
Wir rechneten zwar mit Anschlägen am Weihnachtstag. Trotzdem ist diese Bluttat besonders verstörend. Wir verbrachten Weihnachten in Angst und spüren noch immer das Nachbeben. Die Menschen trauen sich nicht, nach draussen zu gehen und sich frei zu bewegen. Der Präsident des Dachverbands der Kirchen in Nigeria, Ayo Oritsejafo, soll muslimische Führer und traditionelle Herrscher pauschal für die Anschläge an Weihnachten mitverantwortlich gemacht haben. Sie würden den Terror nicht scharf genug verurteilen, wird Oritsejafo, der Gründer einer Pfingstkirche, zitiert.

Hat es nach den Anschlägen von Boko Haram von christlich-fundamentalistischer Seite Racheakte gegeben?
Nein, im Gegenteil: In der zerbombten Kirche in Madalla hat ein Gottesdienst mit viel Prominenz stattgefunden, darunter der Sultan von Sokoto, Mohammed Saad Abubakar (der geistliche Führer der Muslime in Nigeria, Anm. d. Red.), der Senats-Präsident David Mark und auch der frühere nigerianische Präsident Olusegun Obansanjo. Sie bezeugen mit ihre Teilnahme an der Feier: Dies ist ein Krieg, den die Verfechter einer terroristischen Ideologie gegen Nigeria führen und wir Christen und Muslime müssen uns dagegen zusammentun. Boko Haram darf uns nicht gegeneinander aufstacheln. Der Sultan von Sokoto soll nach einem längeren Gespräch mit dem nigerianischen Präsidenten Jonathan Goodluck gesagt haben: Es gehe nicht um einen «Konflikt zwischen Muslimen und Christen», sondern zwischen «bösen und guten Menschen». Ich kann nichts mit der Vorstellung anfangen, dass es gute und böse Menschen geben soll. Aber unschuldige Menschen angreifen, bombardieren und töten ist inakzeptabel. Denn jedes Menschenleben ist heilig. Doch dies bedeutet Boko Haram nichts, eine Gruppe von Leuten, die Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ideologie anwenden. Ich glaube allerdings nicht, dass sie damit bei der Bevölkerung punkten. In Madalla wurden ganze Familien ausgelöscht, niemand wird das akzeptieren.

Spielt es eine Rolle, dass der nigerianische Präsident aus dem mehrheitlich christlichen Süden stammt und gleichzeitig der oberste Befehlshaber von Armee und Polizei ist?
Wir haben keine Sicherheitskräfte, die im Namen eines christlichen Präsidenten handeln. In Polizei und Armee gibt es Christen und Muslime. Sie handeln auf staatliches Geheiss und haben eine äusserst schwierige Aufgabe. Sie vergelten Gewalt mit Gegengewalt und sind dabei nicht sonderlich erfolgreich. Wir haben es mit einer asymmetrischen Kriegsführung zu tun. Boko Haram unterwandert das Land wie in einem Guerillakrieg. Es gibt Stimmen, die sagen, das Vorgehen der Sicherheitskräfte untergrabe die Position des Präsidenten und dass dabei wichtig sei, dass er Christ ist. Nach meiner Beobachtung versucht er zu fördern, dass Christen und Muslime zusammenfinden.

Sie beraten die Partnerkirche von mission 21 im Norden des Landes, die Kirche der Geschwister in Nigeria, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzt. Ist diese Arbeit gefährdet?
Wie gesagt: Unsere Leute haben Angst. Aber wenn die politischen und religiösen Führer wie in Madalla zusammenstehen, gibt mir das Hoffnung. Gleichzeitig stelle ich fest: Armut und die allgemeine Unsicherheit im Land sowie der anhaltende Terror durch Boko Haram beunruhigen viele Menschen. Und so fällen sie denn leicht Pauschalurteile: Was Boko Haram tut, ist der Islam. Sie werfen alle Muslime in einen Topf. Deshalb ist es ja so wichtig, dass Muslime und Christen, die an den Frieden glauben, öffentlich dagegen zusammenstehen und sagen: Was Boko Haram anrichtet, ist gegen alle Religionen und alle Menschen im Land. Es gibt keine Alternative, als die Anderen anzunehmen.

Interview: Anna Wegelin, Januar 2012

Gemeinsam am Frieden bauen: Die Kirche der Geschwister (EYN) setzt sich für eine nachhaltige Friedens- und Versöhnungsarbeit in Nigeria ein.