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«Mission» auf gutem Weg, aber noch lange nicht erfüllt
Karrierefrauen aus Wirtschaft, Kirche und Politik haben am Abend des 4. November in Basel vor rund hundert Podiumsgästen über die Frage diskutiert: Hat die Frauenbewegung ihre Ziele erreicht? Die Antwort war Jein: Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern ist zwar auf dem Papier erreicht, doch mit der Umsetzung hapert es bisweilen gewaltig.
Die Frage, ob die Ziele der Frauenbewegung 40 Jahre nach Einführung des Frauenstimm- und wahlrechts in der Schweiz erreicht sind, stösst immer noch auf grosses Interesse: Rund hundert Personen sind heute Abend ins hotel bildungszentrum 21 gekommen, um der Diskussion unter dem Titel «Mission erfüllt?» beizuwohnen. Auf dem Podium sassen vier prominente Fachfrauen aus Wirtschaft, Kirche und Politik: die Gewerkschafterin Rita Schiavi, die Pfarrerinnen Ivana Bendik und Caroline Schröder Field und die Politikerin Barbara Schneider. Sie stellten sich den spannenden Fragen der Radiojournalistin Odette Frey mit Verve. Die Veranstaltung ist eine gemeinsame Initiative von mission 21 mit dem Tagungsort Leuenberg der reformierten Kirche Baselland im Rahmen der Herbstkampagne «Frauen mit einer Mission!».
Theoretisch Ja, aber in der Praxis…
Als Diskussionsgrundlage diente ein Impulsreferat der Historikerin und Genderfachfrau Esther Füller, die wenig ermunternde Fakten und Zahlen zum aktuellen Stand der Gleichstellung der Geschlechter in den Bereichen Bildung, bezahlte und unbezahlte Arbeit sowie Politik lieferte. Ihr Fazit: Die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern sei «grösstenteils erreicht». Doch die tatsächliche Gleichstellung weise vor allem wegen der traditionellen Rollenzuweisungen und der damit zusammenhängenden Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern «grosse Lücken» auf, so Füller. In der anschliessenden Diskussion ging es um die persönliche «Mission» der Podiumsgäste, um Gleichstellung in der Kirche, Frauen im Chefsessel und um die Frage, ob die «weibliche Perspektive» die Welt vor dem Untergang (Klimawandel, Bevölkerungsexplosion u.ä.) retten kann.
Bewusstsein unter Beobachtung
Ihre «Sendung» als Pfarrerin sei, Gottes Wort zu verkündigen, sagte die neue und erste Pfarrerin am Basler Münster, Caroline Schröder Field. Dass sie dies als Frau tue, sei ihr erst bewusst, seitdem sie ihr neues Amt angetreten habe und «unter Beobachtung» stehe, so Schröder Field. Das Evangelium bedeute für sie Freiheit, die Genderfrage sei eine Frage der Gerechtigkeit, meinte ihre Berufskollegin Ivana Bendik, die bis 2009 Seelsorgerin am Unispital Basel war und heute als Beauftragte für Theologie beim Evangelischen Kirchenbund in Bern arbeitet. 2 Rita Schiavi, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft Unia Schweiz, beschrieb ihren langen «Kampf», bis die 30-Prozent-Frauenquote in den eigenen Reihen erreicht worden sei. Barbara Schneider, 1997−2009 Mitglied des baselstädtischen Regierungsrates und ehemalige Vorsteherin des Baudepartements, berichtete über das zwiespältige Echo auf ihren «weiblichen Führungsstil»: positiv, weil sie dem zwischenmenschliche Klima Beachtung schenke und die übergreifende Zusammenarbeit in Teams eingeführt habe; negativ, weil sie im Konflikt- oder Kündigungsfall zu wenig «weiblich» oder sanft gewesen sei. Hier helfe nur die Abkehr von den stereotypischen Rollenbildern, forderte Bendik. Dank der feministischen Theologie könne Gott, der in der Tradition als männlich gelte, heute auch «mütterliche» Qualitäten haben, so die Pfarrerin.
Immer neue Baustellen
Und wie steht es jetzt mit der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Schweiz? Barbara Schneider sieht das halbvolle Glas und plädiert für die «gelebte Überzeugung», dass sich die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Frauen und Männern lohnt. Ivana Bendik meint, immerhin sei die rechtliche Gleichstellung geschaffen, jetzt müsse sie nur noch angewandt werden. Es sei einiges gegangen in den letzten 40 Jahren und Frauen könnten heute Verträge unterschreiben, so Rita Schiavi, die vor der Gefahr des Rückschritts warnte. Und Caroline Schröder Field meinte verglich die Genderdebatte mit ihrem neuen Arbeitsort, das Basler Münster: Sobald es an einer Stelle renoviert sei, bröckle es anderswo.


