Aktuelles aus dem Archiv

Denken in Bildern

Die Ethnologin Barbara Frey Näf hat das Online-Archiv der Basler Mission mit aufgebaut und weiss Bescheid über 30'000 Bilder der Missionsgeschichte. Nun wird die langjährige Mitarbeiterin von mission 21 pensioniert. 

Von Katrin Pilling, Team Öffentlichkeitsarbeit

Der direkteste Zugang zur Welt von Barbara Frey Näf führt über das historische Bildarchiv der Basler Mission. Es ist eine leise Welt voller stummer Zeitzeugen, die dennoch viel zu «erzählen» haben: über die unterschiedlichsten Kulturen, über die frühen Missionare, ihre Begegnungen mit den Einheimischen und über den «Blick auf das Fremde».            

Es ist kein Zufall, dass Barbara Frey gerade diesen Weg eingeschlagen hat, der die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und dem Medium Fotografie miteinander verbindet. Im Missionshaus heisst es, die Ethnologin aus Basel kenne jedes Bild bis 1945 auswendig. Sie selbst meint: «Ich kann über ein Bild fast immer sagen, ob wir es bei uns im Archiv haben oder nicht.» 30’000 Bilder im Kopf speichern - wie ist das möglich? «Ich bin überhaupt kein auditiver Mensch, gewisse Tonhöhen kann ich nicht hören», erklärt Barbara Frey. Der Zugang zu Musik sei für sie immer schwierig gewesen und Sprachen lerne sie visuell, nicht übers Ohr: «Ein Sprachlabor war für mich immer ein Graus.»

Sagenhaftes visuelles Gedächtnis
Barbara Frey hat ein sagenhaftes visuelles Gedächtnis. Kein Wunder also, dass Fragen zu ihrer Person immer wieder ins Bildarchiv führen. Ihr fotografisches Erinnerungsvermögen in Kombination mit ihrem ethnologischen, kritischen Blick auf die Missionsfotografie und  -geschichte haben ihr das optimale Rüstzeug für ihre Arbeit gegeben. Als Ethnologin im Missionswerk, wie passt das zusammen? Für die langjährige Mitarbeiterin von mission 21 gibt es durchaus einen Zusammenhang: «Die Missionare waren schon unterwegs, als die wissenschaftlichen Vorfahren der Ethnologen noch überwiegend am Schreibtisch gearbeitet haben», erzählt sie. «Oftmals blieben sie im Gegensatz zu Kolonialbeamten sehr lange an einem Ort und waren gut integriert, bevor Fotografie ein Thema wurde.»

Pioniere der Alltagsfotografie
Sie ist zum Beispiel beeindruckt vom Missionar Ramseier, der 1864 nach Ghana kam, aber erst über 20 Jahre später das erste Mal einen Fotoapparat mitnahm. Für die Ethnologin wäre es falsch, die Bilder auf den Aspekt der Missionsarbeit zu reduzieren: «Die Missionare hatten oftmals grosse Achtung und Interesse für die jeweilige Kultur, stellten die Menschen in den Mittelpunkt und dokumentierten viel Alltagsleben. Diesen Respekt kann man den Bildern anmerken.»            

Barbara Frey ist neben ihrer Tätigkeit als Kuratorin für das Online Bildarchiv auch Dozentin für das Modul Fotografie im Nachdiplomstudiengang «Papierkurator/in» an der Universität Basel. Für sie ist vital, hier ihr Wissen über Bilder weitergeben zu können: «Wir werden permanent mit grossen Mengen von Bildern bombardiert», sagt sie. Es sei wichtig, dass wir uns der Wirkungsweisen von Bildern und der dazugehörigen Kommentare bewusst sind.

Abspringen und innehalten
Die Frage, welches ihr Lieblingsbild im Archiv ist, kann sie nicht sofort beantworten. «Das liegt vielleicht daran, dass ich ständig von so vielen Bildern überrollt bin», erklärt sie. In der frühen Projektphase des Online-Bildarchivs, als Barbara Frey täglich Hunderte von Fotografien sichtete, sei sie einmal an einer Vorlesung gewesen, wo eine Stunde lang über ein einziges Bild gesprochen wurde. «Das war ein echtes Aha-Erlebnis!», meint Barbara Frey. «Es war, als würde ich von einem fahrenden Zug abspringen.»  



Die Ethnologin Barbara Frey Näf, geb. 1949 in Basel, leitete von 1990–2003 zusammen mit Paul Jenkins das Projekt «Erhaltung und Veröffentlichung der historischen Bildersammlung der Basler Mission». 2003 ging das Fotoarchiv mit 30’000 Bildern von 1850–1945 online (www.bmpix.org). Seit 2003 ist Frey Kuratorin für das Fotoarchiv und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Im Dezember tritt sie in den Ruhestand.

Die Kapelle wird zum Lesesaal

An der Gönnerclub-Veranstaltung des Archivs im September 2011 drehte sich alles um seine Nutzung.

Von Anne Beutter, Archivassistentin

Die Kapelle im Missionshaus ist an diesem Tag besonders bestückt: Vorne sind die gewohnten Sitzreihen, aber dahinter stehen drei grosse Ausstellungsinseln bereit, um die Friends of the Archives in den Alltag der Archivnutzung mitzunehmen. Der inszenierte Lesesaal lädt ein, den spannenden Archivalltag, den Forschungsprozess und seine Früchte hautnah kennen zu lernen. Alles ist da: vom Essverbotsschild über das aufgeschlagene Findbuch bis zu den Archivalien. Und auch der Leihschein, der Fotoapparat und der Laptop fehlen nicht.

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Dr. Guy Thomas
Leiter des Archivs
Tel. +41 (0)61 260 22 45/42
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