Thursday 02. July 2015

Bildung und Akzeptanz als Schlüssel zum erfolgreichen interreligiösen Dialog

Interreligiöser Dialog ist wichtiger denn je. Das zeigen die nicht enden wollenden Schreckensmeldungen aus dem Nordosten Nigerias. Aber auch in der Schweiz scheint es manchmal an Verständnis und Kooperation zwischen Religionsgemeinschaften zu mangeln – wenn auch auf anderer Ebene. Wie realistische Lösungen in beiden Ländern aussehen könnten, war Thema am «Dialog International» von Mission 21 am 30. Juni.

Adama Ousmanou über die Lage in Nigeria

Heidi Rudolf (links) im Interview mit Magdalena Zimmermann. Rudolf ist seit bald 30 Jahren im interreligiösen Bereich engagiert.

Eine von vielen Voten aus dem Publikum während dieses Abends

Mit der Veranstaltungsreihe «Dialog International» fördert Mission 21 den Austausch zwischen Nord und Süd.

«Interreligiöser Dialog zwischen Enthusiasmus und Resignation»: Der Titel der Veranstaltung in der Reihe «Dialog International» nahm vorweg, was während des Abends deutlich wurde: Rasche oder Patentlösungen gibt es nicht. Vielerorts macht sich gar Ernüchterung breit. Dennoch versuchten Heidi Rudolf vom interreligiös ausgerichteten Katharina-Werk und der Historiker Adama Ousmanou aus Nigeria, mögliche Wege aufzuzeigen.

Konflikt in Nigeria nicht allein religiöser Natur

Der aktuelle Konflikt in Nigeria sei nicht ausschliesslich religiös motiviert, betonte Ousmanou in seinem Vortrag mehrmals. «Soziale, ökonomische und politische Faktoren spielen eine ebenso starke Rolle», so der Konfliktforscher, der zurzeit an der Universität Basel tätig ist. Die steigende Kluft zwischen Arm und Reich oder die hohe Jugendarbeitslosigkeit würden vermehrt zu Frustration in der Bevölkerung führen und das Konfliktrisiko erhöhen. Die enge Koppelung der religiösen Problematik mit anderen Krisenfaktoren führe dazu, dass Religion für Machtkämpfe missbraucht werde. Ousmanou kritisierte darum die Haltung der einzelnen Religionsgemeinschaften in Nigeria: «Jeder möchte die eigene Position in der Gesellschaft stärken, anstatt den Dialog mit anderen zu suchen».

Mit Bildung aus der Krise

Im zweiten Teil wurde Heidi Rudolf von Magdalena Zimmermann, Leiterin der Abteilung Bildung, Austausch, Forschung bei Mission 21, interviewt. Es sei schwierig, die aktuellen Herausforderungen des interreligiösen Dialogs in der Schweiz zu benennen, meinte Rudolf, denn: «Die Situation der Religionsgemeinschaften in der Schweiz ist nicht genau genug erfasst. Wir müssen besser hinhören, um ihre Bedürfnisse näher kennen zu lernen.» Dies auch deshalb, weil der interreligiöse Dialog in der Schweiz um einiges vielschichtiger sei als noch vor einigen Jahrzehnten, so Rudolf.

Damit war die Diskussion der beiden Gäste mit dem Publikum über mögliche Lösungen in Nigeria und in der Schweiz eröffnet. Adama Ousmanou hob die elementare Bedeutung der Bildung hervor: «Das religiöse Problem in Nigeria kann nur durch Bildung gelöst werden. Muslime müssen mehr über Christen erfahren und umgekehrt. Nur so kann Akzeptanz und Wertschätzung der jeweils anderen Religion entstehen und wachsen.» Auch Heidi Rudolf wies der Bildung eine tragende Rolle im interreligiösen Prozess in der Schweiz zu: Die Religionsgemeinschaften sollten die Möglichkeit haben, ihre Verantwortungsträger weiterzubilden und sie so zu professionalisieren.

Dialog auf Augenhöhe

«Wichtig sei aber auch», fuhr Rudolf fort, «dass etwa muslimische Gruppen in der Schweiz aufgrund der aktuellen Geschehnisse nicht ständig gezwungen werden, sich zu distanzieren.» Eine solche Abwehrhaltung sei Gift für einen konstruktiven Dialog zwischen religiösen Gruppierungen. Es gelte, die Verschiedenheit zu akzeptieren und einander zuzuhören. Nur dann sei ein gemeinsamer Dialog auf Augenhöhe möglich.

Text und Fotos: Michael Schlickenrieder

 
 
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