Wednesday 25. March 2015

Konflikte friedlich lösen: Dazu tragen auch Religionen bei

Religionen haben friedensstiftendes Potenzial. Wie dieses genutzt werden kann, vertiefte die Fachtagung von Mission 21 am 23. März. Vier Referierende beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Amira Hafner-Al Jabaji: Identität als Schweizer Muslimin

Soziologie-Professor Jörg Stolz relativiert das Friedenspotenzial von Religionen

Podium: Genia Findeisen, Jörg Stolz, Tagungsleiter Detlef Lienau (Mission 21), Amira Hafner, Markus Weingardt

Ein engagiertes Publikum hat am letzten Montag im Missionshaus in Basel an der Tagung diskutiert, wie sehr «Religionen als Ressource für den gesellschaftlichen Frieden» dienen können. Rund 50 Fachpersonen, vor allem aus der evangelisch-reformierten Kirche, aber auch ein christkatholischer Kirchenratspräsident sowie ein muslimischer Imam nahmen die Anregungen aus den Referaten auf und suchten in Workshops sowie im abschliessenden Podium nach Wegen, wie das friedensstiftende Potenzial nutzbar gemacht werden kann.

Konfliktforscher Weingardt: Religionsvertreter wirken glaubwürdig

Friedens- und Konfliktforscher Markus Weingardt aus Tübingen postulierte gleich in seinem Eingangsreferat, dass jede Religion auch friedensstiftende Elemente habe, dass es auf die Interpretation ankomme, die den Fokus auf gewaltfreie Prinzipien zur Konfliktlösung legt.

Weingardt brachte aus der neueren Geschichte einige Beispiele, in welchen mutige Angehörige verschiedener Religionen in geduldigem Einsatz an gewaltfreien Lösungen arbeiteten. Ihre Erfolge erzielten sie, weil sie Vertrauen weckten, weil sie den Konflikt gut kannten, aber nicht als Interessensvertreter wahrgenommen wurden und darum glaubwürdig wirkten, so Weingardts Analyse.

Persönliche Erfahrungen einer Schweizer Muslimin

Als Referentin zur Frage der Identität einer Schweizer Muslimin war kurzfristig Amira Hafner-Al Jabaji eingesprungen. Sie war für Publikum und Organisatoren glücklicherweise ein gleichwertiger Ersatz für Islamwissenschaftlerin Dilek Ucak-Ekinci, die wegen eines Krankheitsfalls absagen musste.

Amira Hafner liess in ihrer Biographie in verschiedenen Stationen Revue passieren, wie sich ihre Identität formte, als Kind irakisch-deutscher Eltern in Bern aufgewachsen und auf verschiedenen Ebenen immer wieder mit der Erfahrung von Fremdheit konfrontiert. Hafner, die selbst als Journalistin arbeitet - als «Sternstunde-Religion»-Moderatorin bei SRF - kritisierte auch die Fokussierung etlicher Medien auf die Konflikte zwischen den Religionen. Es sei wichtig, sich von Klischees zu emanzipieren und im Kleinen an der interreligiösen Verständigung zu arbeiten - jedes kleine Projekt dabei sei wichtig.

Soziologe Stolz relativiert friedensstiftende Rolle der Religion

Nachdenklich stimmte das Referat des Lausanner Soziologie-Professors Jörg Stolz. Er ging die Frage, ob Religion die Integration fördert, grundsätzlich an und legte dar, dass weder «Religion» noch «Integration» per se gut oder schlecht seien. Religionen könnten auch Hass und Gewalt befördern. Und zu viel Integration könne auch desintegrierend wirken, resp. zu Diskriminierung führen.

Geschichtslektion Indonesien: Politik gefährdet multireligiöses Prinzip

Politikwissenschaftlerin Genia Findeisen aus Köln führte im Abschlussreferat mit dem Beispiel Indonesien konkret vor Augen, dass auch Frieden zwischen den Religionen immer wieder neu erarbeitet werden müsse. Das Religions-tolerante Prinzip «Pancasila» wurde im Verlauf der Jahre durch handfeste Interessenskonflikte und von aussen durch neue Einflüsse aus dem Nahen Osten abgeschwächt.

Podium zeigt Lösungswege und -grenzen

Das abschliessende Podium zeigte auf, dass verschiedene Akteure an der friedlichen Lösung von Konflikten beteiligt sein sollten. Die Arbeit müsse im Kleinen beginnen, also in Verständigungsprojekten zwischen religiösen Gruppen. Medien sollten mehr über Erfolge in der Verständigung zwischen Religionen berichten und nicht nur über Konflikte, denn dies verzerre das Bild. Und es brauche auf allen Seiten Geduld, führte Jörg Stolz aus. Immerhin habe es in der Schweiz viele Jahre demokratischer Alltagsarbeit gebraucht, um zu lernen, innere Konflikte auf friedliche Weise zu lösen.

Text und Fotos: Christoph Rácz

» Referat Amira Hafner-Al Jabaji: «Schweizer Muslimin oder Muslimische Schweizerin?»
» Referat Jörg Stolz: Religion und Integration
» Referat Jörg Stolz: Image der Religionen (Hintergrundmaterial)

 
 
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