Tuesday 06. December 2016

Ein Generator für den Gottesdienst

Wie prägen Islam und Christentum in Malaysia die Identität der Menschen? Von den Einwirkungen verschiedener Religionen auf den Alltag berichtete am 2. Dezember Daniel Gloor, ökumenischer Mitarbeiter von Mission 21 in der malaysischen Provinz Sabah.

Daniel Gloor, Dozent am Theologischen Seminar in Sabah, Malaysia (Foto: Miriam Glass/Mission 21)

In seiner ersten Zeit in Sabah konnte es Daniel Gloor passieren, dass er laut wurde. Oder streng, wenn es ihm den Studierenden gegenüber angebracht schien. Wie ein normaler Lehrer eben, dachte der Schweizer damals. Heute, nach 13 Jahren in Malaysia, weiss er: Ein Lehrer hebt dort niemals seine Stimme. Harte, laute Worte zu gebrauchen, gilt als Zeichen der Schwäche. Sanftheit und Geduld führen eher zum Ziel.

Daniel Gloor ist Dozent für biblische Fächer am Theologischen Seminar (STS) in Sabah, Ostmalaysia. Anlässlich eines Aufenthalts in der Schweiz berichtete Gloor am Freitag, den 2. Dezember im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Dialog international» über den Alltag in Malaysia.  

Religiöse Fragen entzweien ganze Dörfer

Die Anekdote über die Sanftheit war eine von zahlreichen Geschichten, mit denen Gloor dem Publikum Einblicke in das Leben in Sabah gab. In seiner südostasiatischen Wahlheimat verhärten sich seit einigen Jahren die religiösen und ethnischen Grenzen.  

Gloor schilderte anschaulich den Alltag von Christen im muslimischen Kontext Malaysias. Mit seinen Studierenden hat er viel über die Herausforderungen gesprochen, die das Nebeneinander der Religionen für das Zusammenleben bedeutet und wo es zu Konflikten führt.

Manche religiösen Fragen entzweien ganze Dörfer: Wenn sich zum Beispiel muslimische Familien nicht am Vorbereiten von Hochzeiten beteiligen, weil ein Wildschwein als Festschmaus vorgesehen ist. «Früher galt in den Dörfern: Lieber keine Hochzeit als eine ohne Wildschwein», sagte Gloor. «Für die Vorbereitung waren einst alle gemeinsam zuständig.» Dies sei heute nicht mehr möglich. Denn in den Dörfern, in denen früher animistische Religionen gepflegt wurden, leben heute Christen und Muslime miteinander.  

Schlagzeug statt Gong, E-Gitarre statt Xylophon

Für die Christen in Malaysia sei die Vormachtstellung des Islams auf politischer und alltäglicher Ebene manchmal problematisch, so Gloor. Er beschrieb aber auch, wie ein evangelikales Christentum US-amerikanischer Prägung die Identität einheimischer Christen destabilisieren kann. Zum Beispiel, wenn traditionelle Instrumente wie Xylophon oder Gong nicht mehr für den Gottesdienst verwendet werden. «Die malaysischen Christen haben Angst, dass diese Instrumente zu sehr in Zusammenhang mit animistischen Riten stehen und nicht zum «richtigen» Christentum passen», erklärte Gloor. «Zum Gottesdienst gehören hier deshalb Schlagzeug und E-Gitarre. Sogar im Urwald, wo es keinen Strom gibt – da läuft einmal die Woche zur Messe ein Generator.»  

Am STS vermitteln die Dozenten den Studierenden den Wert der einheimischen Traditionen und zeigen, dass diese nicht im Widerspruch zum Christentum stehen müssen. «Unsere Studierenden sollen ihren eigenen Glauben und ihre Identität kennen», sagt Gloor. «Wer selbst gefestigt ist, kann dem Anderen begegnen, ohne es als Bedrohung wahrzunehmen.»    

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