Tuesday 22. November 2016

Porträt Fabienne Reber

Menschen helfen in einer Millionenmetropole

«Sie ist gleich alt, hört die gleiche Musik und hat einen ähnlichen Kleidergeschmack wie ich, aber unsere Lebenssituation könnte anders nicht sein», erzählt Fabienne Reber über Dulali, die sie im Rahmen ihrer Arbeit lange begleitet hat. Die Hausangestellte aus Bangladesch werde von ihrem Arbeitgeber und ihrer Familie unter grossen Druck gesetzt und ihr Leben sei bereits vorgezeichnet - «mir hingegen stehen viele Wege offen», so die 26-Jährige.

Die Bernerin ist im Rahmen eines PEP!-Einsatzes von Mission 21 für ein Jahr in Hongkong und arbeitet im Projekt, welches ausländische Hausangestellte und Industriearbeiter unterstützt. Bei Problemen mit Arbeitgebern oder im Fall einer Kündigung berät sie Hausangestellte und klärt sie über ihre Rechte auf. Dabei hilft es ihr, dass sie sich bereits während ihrem Master in «Weltgesellschaft und Weltpolitik» an der Universität Luzern mit Arbeitsmigration in den Philippinen beschäftigt hat und die Thematik kennt.

Gutes Essen in schwierigen Zeiten

Die Schicksale der Frauen, die in die Beratungsstelle kommen, beschäftigen Reber. Sie ist aber auch beeindruckt vom Mut der Betroffenen, die sich ins Ungewisse begeben, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. Oft leben sie in prekären Verhältnissen, was sie überall zu spüren bekommen: «Wenn ich mich in der Metro setzen möchte, machen mir die Leute Platz», so Reber. «Wenn sich die Migrantinnen setzten möchten, halten sich manche sogar die Nase zu.»

Trotz der schwierigen Umstände bewahren die Frauen ihre Fröhlichkeit. «Sie kochen für uns oder bringen uns frische Früchte, obwohl sie kein Geld haben», erzählt Reber, «denn gesundes Essen bedeutet ein gutes Leben und gibt ihnen Halt.» Viele von ihnen werden ausgenutzt und erfahren physische und psychische Gewalt. Fabienne Reber kann sich trotz dem Leid von dieser Lockerheit anstecken lassen und sich ihren Traum von der weiten Welt erfüllen. Sie geniesst das bunte, geschäftige Treiben der Metropole: «Die Stadt ist laut und eng, aber trotzdem schön.»

Ende Jahr beendet Reber ihren Einsatz. Sie freut sich auf ihre Familie und Freunde in der Schweiz. Und auf «Brot, Käse und Schoggi». Nicht vermissen wird sie gebratene Hühnerfüsse, eine Hongkonger Spezialität. Die kulinarischen Erfahrungen sind aber eher nebensächlich. Vielmehr wird Reber in ihrem Einsatz bestärkt, sich auch zukünftig im interkulturellen Migrationsbereich einzusetzen. Der PEP!-Einsatz ist für sie wie Hongkong selbst: Manchmal bedrückend, meistens aber lebendig und beeindruckend.

Autorin: Lea Wirz, Team Öffentlichkeitsarbeit

Das Weiterbildungsangebot «Professionals Exposure Program» (PEP!) ermöglicht jungen Erwachsenen im Alter von 22 bis 30 Jahren 6-12-monatige Arbeitsaufenthalte in einem unserer Partnerländer.

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Kontakt

Christoph Rácz
Medienbeauftragter
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
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