Thursday 29. September 2016

Solidarität und Verantwortung auf dem Prüfstand

Wie geht es weiter mit der Entwicklungspolitik angesichts wachsender Probleme weltweit und Spardruck in den reichen Ländern? Die OeME-Herbsttagung am 29. Oktober 2016 brachte wichtige Informationen, Plädoyers und Impulse aus christlicher Sicht.

Rund 70 Interessierte trafen sich zur OeME-Herbsttagung in Bern.

Yakubu Joseph (Mission 21, Nigeria) hielt ein Plädoyer für Solidarität.

«Die Entwicklungspolitik der Schweiz steht im Gegenwind», fasste Alliance Sud-Geschäftsleiter Mark Herkenrath die Situation zusammen. In seinem Eingangsreferat zeigte er Fakten auf. Im nationalen Parlament machen Politiker, vor allem von rechts, stetig Druck, die Beiträge für Entwicklungs-Zusammenarbeit (EZA) zu kürzen. Zudem werden 14 Prozent des EZA-Geldes für das Asylwesen in der Schweiz ausgegeben, fliessen also gar nicht mehr in die Länder, die es nötig hätten. In vielen Medien sei die EZA nur Thema, wenn etwas schlecht laufe - positive Meldungen gebe es leider kaum. Auch kursierten verschiedene Vorurteile über angebliche Wirkungslosigkeit, bedauert Herkenrath. Dabei sei belegt, dass die EZA in vielen Ländern tatsächlich wirksam gegen Armut vorgehe, dass im Kampf gegen die Korruption Fortschritte sichtbar würden und dass die Frauenförderung ebenfalls zunehme.

Internationale Solidarität

Als zweiter Hauptredner zeigte der Soziologe Dr. Yakubu Joseph aus der Perspektive eines Nehmerlandes Unterschiede in der Unterstützung auf. Joseph ist für Mission 21 in Nigeria als Regionalkoordinator angestellt. Aus nigerianischer Sicht sei die EZA dann richtig, wenn sie solidarisch erfolge, wenn die Unterstützten in ihrer Würde respektiert würden. Und sie sollte darauf abzielen, Menschen zur Selbstständigkeit zu begleiten, schloss Yakubu Joseph sein energisches Plädoyer.

Kirche und Entwicklungszusammenarbeit

Am Nachmittag boten verschiedene Workshops die Möglichkeit, Themen zu Kirche und EZA zu vertiefen. Gedankenanstösse aus christlich-feministischer Sicht brachte die brasilianische Theologin Elaine Leuenfeldt mit ihren knapp formulierten «Zwischenrufen» ein. Und das Duo Kala Jula setzte mit Gitarrenmusik aus Mali einen angenehmen Akzent in die dichten Wortbeiträge.

Mit wichtigen Fakten zur Entwicklungspolitik in der Schweiz und weltweit, mit Plädoyers für eine solidarische Haltung und mit Impulsen aus christlicher Perspektive für ein Miteinander über Grenzen hinweg, bot die OeME-Herbsttagung 2016 eine motivierende Mischung im Einsatz für eine gerechtere Welt.

Text: Christoph Rácz, Mission 21
Fotos: Mathias Tanner (refbejuso)

 
 
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