Sunday 19. March 2017

Frau Wang und die alte Mädchenschule

Das Erbe der Basler Mission ist in China bis heute sichtbar. Zum Beispiel anhand der vor 125 Jahren gegründeten Mädchenschule in Longheu. Inzwischen ist dort ein kommunales Kulturzentrum entstanden. Eine multimediale Ausstellung, zu der auch ein Dokumentarfilm gehört, erzählt die Geschichte der Schule und ihrer Gründerinnen. Im Zentrum des Films steht eine interessierte chinesische Beamtin, die den Spuren des alten, leerstehenden Gebäudes bis nach Basel folgte.

Shenzhen ist eine Stadt ganz im Süden Chinas, direkt an die Grenze zu Hongkong gebaut. Vor 35 Jahren war Shenzhen noch ein kleines Dorf, das von Ackerbau und Fischerei lebte. Keines der Häuser hatte mehr als vier Stockwerke. Heute ist Shenzhen eine Stadt mit 10 Millionen oder mehr Einwohnern - niemand weiss das so genau - mit unzähligen Wolkenkratzern.

Alles an Shenzhen ist neu. Doch halt, da, mittendrin in Shenzhen steht ein altes Haus, vielleicht eines der ältesten Häuser dieser Stadt. Es ist die ehemalige Mädchenschule der Ortschaft Longheu, die heute einen Stadtteil Shenzhens bildet.

Die Schule Fromm und Rein, wie man den wohltönenden chinesischen Schulnamen übersetzen könnte, wurde vor 125 Jahren von der Basler Mission gegründet. Die Mädchenschule in Longheu war zu ihrer Zeit Pionierin in Sachen Mädchenbildung, steht aber seit vielen Jahren leer. Nur noch das Gebäude steht, denn die Schule ist gewachsen und in grössere Räumlichkeiten weitergezogen.

Dass die alte Schule nicht dem Abbruchwahn des modernen Chinas zum Opfer gefallen ist, ist einer aufmerksamen und interessierten Beamtin des städtischen Kulturdepartements zu verdanken: Wang Yan Xia fand Gefallen an dieser Schule, begann, Recherchen über ihre Geschichte anzustellen und reiste dafür sogar ins Archiv der Basler Mission, von wo sie fasziniert und begeistert zurückkehrte.

Nicht nur konnte sie ihre Vorgesetzten davon überzeugen, die für eine aufwändige Renovation notwendigen Gelder freizugeben. Inspiriert von dem, was sie über die frühen Missionare hörte und las, hat sie auch begonnen, sich mit der Geschichte der christlichen Mission in China zu beschäftigen.

Dieser Text erschien ursprünglich in voller Länge im Jubiläumsmagazin der Basler Mission 21. Autor: Tobias Brandner

 
 
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