Sunday 01. January 2017

Zu Besuch in der Schweiz

Eine Gruppe von Lehrkräften der Tsung Tsin Mission aus Hongkong hat Anregungen an Schweizer Schulen gesammelt. Was sie an Eindrücken mitnehmen und wie der Schulalltag bei ihnen aussieht, berichteten die Gäste am 31. Januar im Missionshaus in Basel.

Hongkong ist top, was die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesekompetenz betrifft - in der Pisa Studie 2016 erreichten Hongkongs Schulen Platz zwei. Trotzdem scheint die Schweiz für Lehrkräfte aus Hongkong ein Vorbild zu sein: Eine Gruppe der Tsung Tsin Mission (TTM) weilte im Januar in der Schweiz, um einen Einblick in das Schweizer Schulsystem zu erhalten. Die Tsung Tsin Mission ist eine Partnerorganisation von Mission 21.

Auf der Exkursionsliste der Besucherinnen und Besucher standen Schulen und Kindergärten. Die Reise führte die Lehrerinnen und Lehrer nach Zürich, Basel und auch ins grenznahe Südwestdeutschland. «Unsere Regierung arbeitet an Reformen, dafür wollen wir uns Ideen holen», erzählt ein junger Lehrer aus Hongkong, der an der Sekundarschule unterrichtet. Insbesondere in den Bereichen Technik, Information und Wissenschaft sollen die Kinder gefördert werden. Ein grosses Augenmerk liegt dabei auf dem IT-Bereich. «Allen Kindern einen Laptop oder ein iPad zur Verfügung zu stellen, ist aber zu teuer», weiss der Lehrer von seiner Schule. Die Reformen sehen unter anderem auch weniger Prüfungen vor. Stattdessen soll die persönliche Entwicklung des einzelnen Kindes mehr Aufmerksamkeit erhalten und Moral- und Wertvorstellungen und Gemeinschaftsbewusstsein gefördert werden.

Lebenslanges Lernen

«Die Schüler sollen mit lebenslangen Lernerfahrungen ausgestattet werden», erzählt eine Lehrerin, die an einer Primarschule der TTM unterrichtet. Dies ist Ausdruck einer kompetitiven Gesellschaft, in der sich ein Individuum stets fortzubilden hat. «Die Kinder gehen in Hongkong bereits mit zwei Jahren in den Kindergarten», erzählt Kindergärtnerin Vicky, die ebenfalls für die TTM arbeitet. Dort lernen die Kinder bereits Schreiben und Rechnen. «Wir an der TTM fördern die Interessen der Kinder und versuchen, diesen Druck etwas abzuschwächen», sagt Vicky. Kinder werden ermutigt, Fragen zu stellen und diesen nachzugehen. So gab es im Rahmen des Projektes «I love China» beispielsweise Forschungsgruppen zu Architektur, Kleidung oder Essen. Speziell ist bei der TTM, dass im Zentrum des Curriculums des Kindergartens die Bibel und die Liebe stehen. «Damit schaffen wir ein sicheres und vertrauensvolles Umfeld, das Lernen fördert.»

Parallelen der Schulsysteme

«In der Schweiz variieren die Schulsysteme von Kanton zu Kanton», ist eine Erkenntnis des Lehrers, der von seinen Erfahrungen berichtet. «Ich habe deshalb lange gebraucht, um das System zu verstehen», erzählt er. Bei seinen Kolleginnen und Kollegen löst dies Heiterkeit aus. Anscheinend ist es nicht nur ihm so ergangen. Fremd war auch das Konzept eines Waldkindergartens. Dass Kinder ihre Zeit fast ausschliesslich draussen und mit Spielen verbringen, ist für die Gäste aus Hongkong schon alleine wegen der Grosststadt, in der fast 7,5 Millionen Menschen auf engstem Raum zusammenleben, unvorstellbar. Es finden sich aber auch Parallelen zwischen den Schulsystemen. Gemeinsam ist den beiden, dass sie die Eltern in schulische Aktivitäten wie Projektarbeiten oder Ausflüge einbinden. Und in beiden Ländern verbringen die Kinder etwa zwischen 700 und 800 Stunden pro Jahr in der Schule. Dagegen scheint der Waldkindergarten wirklich ein schöner Zufluchtsort zu sein

Autorin: Lea Wirz, Team Öffentlichkeitsarbeit

 
 
Kontakt

Christoph Rácz
Medienbeauftragter
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +41 61 260 22 49
» E-Mail