Wednesday 14. June 2017

Ein Frosch in der Wasserleitung

Anina Koch unterstützt seit September 2016 die Waisenkinderarbeit von Mission 21 in Tansania. In ihrem neusten Brief erzählt sie vom Einsatz in einem zweiten Projekt, von Abenteuern mit Kleintieren und weiteren Erlebnissen aus ihrem Alltag.

Anina Koch. (Foto Lea Wirz)

Bananenstauden werden gepflanzt. (Foto A. Koch)

Bei dieser Aussicht darf das Warten auf den neuen Pneu ruhig etwas dauern. (Foto A. Koch)

Zicklein zu Besuch. (Foto A. Koch)

Keep calm and love Africa... (Foto A. Koch)

Ich bin inzwischen seit neun Monaten in Tansania. Nachdem ich in der Regel in Rungwe für das Waisenkinderprojekt arbeite, schreibe ich heute aus Matema. Dies ist ein kleiner, wunderschöner Ort am Malawisee.

Hier mache ich nicht Ferien, sondern ich arbeite für zwei Wochen bei der Huruma Group. Die Organisation unterstützt Waisen, indem sie die Kosten für die Ausbildung übernimmt. Falls nötig, werden die Familien auch mit Nahrungsmitteln unterstützt. Denn mit hungrigem Bauch lässt sich nicht gut lernen. Die Huruma Group gehört nicht direkt zur Moravian Church (Herrnhuter Brüdergemeine, die Partnerkirche von Mission 21 in Tansania), ist aber mit ihr verbunden und wird unter anderem von Mission 21 unterstützt.

Arbeit mit Herzblut

Es ist sehr spannend, einen tieferen Einblick in ein anderes Projekt zu erhalten. Michael, der Leiter der Huruma Gruppe, ist ein engagierter und intelligenter Mann, der viele tolle Ideen hat und mit Herzblut arbeitet. Die Huruma Group wurde von seiner Mutter gegründet und von ihr finanziell stark unterstützt.

Michael will das Erbe seiner Mutter unbedingt aufrechterhalten und arbeitet dafür hart. Um der Gruppe ein stabiles finanzielles Fundament zu erbauen, führt er mit einem kleinen Team einkommensgenerierende Aktivitäten durch. So wurden zwei Schweinefarmen mit je etwa sieben Mutterschweinen etabliert. Einige der Ferkel werden an die unterstützten Familien abgegeben, damit diese ebenfalls ein einkommensgenerierendes Projekt starten können, der Rest wird verkauft. Zudem hat Michael angefangen, Bananenstauden und Kakaobäume anzubauen. Vom gesamten Erlös fliessen 80 Prozent ins Projekt für die Waisen, 20 Prozent werden als Lohn unter den Mitgliedern des Teams aufgeteilt.

50 Bananenstauden an einem Tag

Ich bin beeindruckt davon, was Michael alles macht und bereits erreicht hat. Nicht nur erledigt er im Moment alleine die ganze administrative Arbeit, sondern auch die Besuche der Kinder zu Hause und in den Schulen, und alles andere, was anfällt. Zudem hilft er tatkräftig bei der Farmarbeit mit.

Auch ich habe auf der Farm mitgearbeitet: Wir haben an dem Tag 50 Bananenstauden gepflanzt (ich immerhin vier davon), ich habe aber auch gelernt, wie Kakao aussieht, wie es zu Kakaopulver verarbeitet wird und wie es schmeckt, eine Kakaobohne abzulutschen (sehr lecker, aber gar nicht kakaoig).

Eine Autopanne und ihre Folgen

An einem Tag in Matema musste Michael für einen Termin nach Tukuyu. Um kurz vor 9 Uhr, etwa eine halbe Stunde von Tukuyu entfernt, hörten wir ein Zischgeräusch: Platten. Um 9 Uhr sollten wir in Tukuyu sein. «Kein Problem», dachte ich, «Michael weiss bestimmt, wie man einen Reifen wechselt und in 15 Minuten fahren wir weiter». Michael weiss natürlich wie man einen Reifen wechselt. Aber er konnte sein Wissen nicht anwenden, da kein Ersatzreifen vorhanden war. Zudem funktionierte die Hebebühne nicht richtig, weshalb es ein ziemlicher Kampf war und zusätzliche Steine benötigt wurden, um das Auto so weit anzuheben, dass der defekte Reifen entfernt werden konnte.

Dieser ging dann mit einem Pikipiki (einem Motorradtaxi), das Michael angehalten hatte, zum nächsten Mechaniker, der ihn flicken und mit demselben Pikipiki zurückschicken sollte. Nach einer Stunde wurde Michael nervös. Schliesslich erreichte er den Mechaniker, der ihm sagte, er hätte ein Loch geflickt, aber es gebe noch einen langen Schlitz, den er nicht flicken könne, da ihm die Materialien fehlten. Ausserdem sei kein Strom da, wodurch er den Pneu nicht aufpumpen könne. Nach einer weiteren Stunde kam das Pikipiki mit dem immer noch defekten Pneu zurück und fuhr zu einem anderen Mechaniker.

Etwa um 13.00 Uhr konnten wir schliesslich weiterfahren, den Termin verpassten wir trotzdem. Auf dem Rückweg hatten wir wieder einen Platten auf demselben Pneu. Dieses Mal wurde der Ersatzreifen rasch gebracht. Dennoch verbrachten wir an diesem Tag etwa 5 Stunden damit, am Strassenrand zu warten. Erstaunlicherweise verging die Zeit aber relativ schnell und ich war nie so gelangweilt, dass ich genervt war.

Die Spinnen mit den Punkten 

Einer der Gründe, weshalb ich mich sehr wohl fühle hier in Matema, ist das Klima. Am Tag ist es immer angenehm warm. In Rungwe hatten wir in den letzten Wochen nach wie vor viel Regen. Es ist eigentlich alles ständig feucht und ich verlasse das Haus meist mit Gummistiefeln.

Aufgrund des vielen Wassers gibt es auch relativ viele Moskitos. Glücklicherweise gibt es in Rungwe keine Malaria-Übertragungen, da es zu hoch liegt. Dennoch sind die kleinen Viecher nervig. Neben den Moskitos teile ich mein Haus mit diversen Spinnen. Meist können wir recht gut nebeneinander leben, indem wir einander in Ruhe lassen. Manchmal geht das aber nicht, da sie zum Beispiel direkt vor der Toilette sitzen und ich sie deshalb wegscheuchen muss.

Einige der Spinnen hier haben einen Durchmesser von 10 cm und dicke, haarige Beine. Zum Teil sind sie schwarz-weiss gepunktet, was nicht gerade vertrauenserweckend ist. Interessanterweise scheinen diese Spinnen aber fast immer am gleichen Ort zu sein und keine Netze zu spinnen. Eine ist beispielsweise neben dem Kühlschrank, eine andere in der Nähe der Eingangstür, früher war eine immer in der Nähe der Toilette und eine andere im Schlafzimmer. Die sind jetzt aber weg. Vielleicht haben sie einen Weg unter dem Moskitonetz hindurch gefunden und ich habe sie im Schlaf gegessen, wer weiss.

Der Frosch in der Leitung

Frösche und Kröten haben es glücklicherweise bisher noch nicht in mein Haus geschafft. Jedoch hat sich schon mal ein Frosch in meine Wasserleitung verirrt und ist da verendet. Das führte zu extrem niedrigem Wasserdruck in meinem Haus, wodurch ich nicht mehr duschen konnte. Herausgefunden habe ich das natürlich erst, nachdem ich meine Zähne etwa zweimal mit dem Wasser geputzt habe, dass an einem toten Frosch vorbei gedrückt wurde...

Manchmal habe ich aber auch Besuch von «richtigen Haustieren».  Als ich nach einer Woche Urlaub nach Hause kam, lagen doch tatsächlich vier Ziegen auf meiner Veranda vor der Haustür. Zwei Mütter mit ihren Zicklein. Das war anfangs echt süss, der Spass hörte aber auf, als sie sich immer wieder in mein Haus reinschlichen, wenn ich nicht aufpasste.

So, nun gehe ich wieder das schöne Wetter in Matema und das Rauschen des Sees geniessen, so lange ich noch kann. Ich wünsche euch einen schönen Sommer.

Liebe Grüsse,

Anina

 
 
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