Friday 03. March 2017

Halbzeit in Hongkong

Seit September ist Immo Finze mit dem PEP!-Programm von Mission 21 in Hongkong und arbeitet im Center for Refugees, einem Aufnahmezentrum für Flüchtlinge von der Partnerorganisation Christian Action. Es ist beinahe Halbzeit seines Einsatzes, Zeit für eine Zwischenbilanz. Immo Finze erzählt.

«Normalerweise stehe ich um 6.30 Uhr auf, gehe ins Fitnessstudio und beginne um 9 Uhr zu arbeiten. In der Regel arbeiten wir länger als bis 18 Uhr, da wir oft keine Zeit haben, alles in der regulären Arbeitszeit zu erledigen. Ich wurde von meinen Arbeitskollegen sehr herzlich empfangen und der Zusammenhalt im Team ist gross. Deshalb unternehmen wir abends öfters etwas, bevor ich in mein Apartment im obersten Stock eines Hochhauses zurückkehre. Obwohl mein Studio klein ist, würde es hier in Hongkong einer vier- bis fünfköpfigen Familie reichen.

Hongkong ist eine riesige Stadt und hat viele Facetten. Es gibt unterschiedliche Kulturen und Menschen, eine riesige kulinarische Vielfalt und die Landschaft ist sehr vielseitig mit Strand und vielen grünen Hügeln. Ich erlebe viel, will alles Mögliche versuchen und habe schon typische Hongkonger Spezialitäten wie Hühnerfüsse, Entenzunge und Entenhals probiert. Was mich aber am meisten beeindruckt, sind die Hintergründe der Klientinnen und Klienten, was Menschen anderen antun und wie hilfsbereit viele von den Klienten und den freiwilligen Mitarbeitern im Centre for Refugees sind.

Fähigkeiten einsetzen

Das Centre for Refugees ist das einzige Drop-in Zentrum für Asylbewerber und Flüchtlinge in Hongkong. Das Hauptziel besteht darin, die Lebenssituation von Asylbewerbern in Hongkong zu verbessern oder zumindest erträglicher zu machen. Es ist sechs Tage in der Woche geöffnet und bietet grundsätzlich jeder Person Zutritt. Um Hilfe zu erhalten, muss ein Asylbewerber jedoch als Klient registriert werden. Die Asylbewerber werden nach ihren Fluchtgründen, Plänen und aktuellen Bedürfnissen befragt. Das Zentrum hat klare Kriterien, welche ein Asylbewerber erfüllen muss, um als Klient registriert zu werden.

Als Case Worker betreue ich hauptsächlich Klientinnen und Klienten. Zur Zeit sind das etwa 70 Personen. Ich befrage Neuankömmlinge zu Personalien und Fluchtgründen und gebe erste Informationen über unsere Dienste und das Asylverfahren in Hongkong ab. Daneben kümmere ich mich auch um Personen, die schon lange bei uns registriert sind. Bei ihnen geht es eher darum, psychosoziale Bedürfnisse zu befriedigen. Ich helfe beim Kontakt mit Anwälten, den International Social Services und anderen Organisationen. Ich führe Beratungsgespräche, kommuniziere im Namen von anerkannten Flüchtlingen mit der UNHCR, organisiere Freizeitaktivitäten und vermittle gesundheitliche und psychologische Betreuung. Wegen meiner Ausbildung im medizinischen Bereich als Fachmann Gesundheit übernehme ich hier eine führende Rolle.

Ich leite das «Mental Health Programm». Dazu gehört die Rekrutierung von Beratern, Psychologen und Psychiatern. Ich informiere Klienten über Angebote und weise sie Therapeuten zu. Zudem bin ich mitverantwortlich für das medizinische Programm. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen bieten wir regelmässige Informationsanlässe und Gesundheits-Check-Ups an. Ich helfe bei der Organisation und führe Gesundheitsbefragungen durch. Bei schwierigen Fällen haben wir vereinzelt die Möglichkeit, Spezialisten beizuziehen.

Fussball verbindet

Halbzeit gibt es nicht nur in Hinblick auf meinen Einsatz in Hongkong, sondern auch auf dem Fussballfeld. Das Center for Refugees bildet eine Fussballmannschaft, welche jungen Männern Abwechslung, aber auch Integration und Austausch ermöglicht. Zusammen mit einer Fussballschule koordiniere ich das Team, helfe mit, Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten zu organisieren und betreue zeitweise das Team bei Turnieren. Das macht mir viel Spass! Mein Leben hier passt also alles in allem gut in das turbulente Leben von Hongkong, wo immer etwas los ist. Dabei fehlen mir aber ab und zu ruhige Momente und ich suche immer noch einen stillen Ort in der Nähe. Im Moment sind der Strand und die Natur Ruhepole, diese liegen aber nicht in unmittelbarer Nähe. Trotzdem kann ich dort Kraft tanken, um danach wieder voller Energie in das Stadtleben und die Arbeit einzutauchen.»

Protokoll: Lea Wirz, Team Öffentlichkeitsarbeit 

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