Friday 03. March 2017

Stricken für ein besseres Leben

Das Leben in der bolivianischen Gemeinde Ayata ist nicht einfach. Armut und Mangelernährung machen den Bewohnern zu schaffen. Dass stricken dagegen helfen könnte, konnten einige zu Beginn kaum glauben. Inzwischen aber erzielen viele Frauen mit Strickarbeiten einen Zusatzverdienst.

«Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal stricken würde», sagt Juana Quispe, «und schon gar nicht, dass mich eine fremde Frau jemals fragen würde, ob ich ihr einen Pullover mache!». Die 42-jährige lacht. Sie hat das Stricken vor zwei Jahren im Handwerkzentrum Vitocota in der Gemeinde Ayata nahe der Stadt La Paz gelernt. Das Zentrum wird von der bolivianischen Stiftung Machaqa Amawta geführt. Diese unterstützt vor allem die indigene Bevölkerung und fördert insbesondere die Frauen.

Die Menschen in Ayata leben in Armut und sind oft mangelernährt. Die Bedingungen für die Landwirtschaft sind zwar nicht allzu schlecht, doch die Produktivität ist gering. Dies aus verschiedenen Gründen, wie dem Klimawandel, Bodenerosionen und mangelndem technischen Wissen. Das erhöht den Leidensdruck auf die Bevölkerung und macht alternative Einkommensquellen nötig. Und diese gibt es: Die Gemeinde verfügt über grosses Potential im Bereich des textilen Kunsthandwerks mit farbenfrohen Motiven aus der andinen Kultur.

Preisgekrönte Partnerin

Die Partnerorganisation von Mission 21, Machaqa Amawta, knüpft an dieses Potential an. Neben Bildungsangeboten im Gemüseanbau für Familien und Schulen hat die Stiftung das Handwerkszentrum «Centro Artesanal Vitocota» ins Leben gerufen. Dieses wurde für viele Frauen in Ayata zu einem ganz besonderen Ort: Dort lernen sie stricken und nähen und erhalten Begleitung und Beratung beim Verkauf ihrer Handarbeiten.

Viele indigene Einwohner in der Region um Ayata haben nur die Grundschule besucht. Da das Stricken weder lesen noch schreiben erfordert, ist es eine gute Möglichkeit, das Einkommen der indigenen Bevölkerung zu verbessern. Das Zentrum ist zudem ein Ort, wo Beziehungen geknüpft werden und man sich gegenseitig unterstützt. Für ihr Engagement in der interkulturellen Bildung wurde Machaqa Amawta vor einem Jahr von der internationalen «Stars Foundation» für ihr Engagement ausgezeichnet. Die Stiftung lobte besonders den respektvollen Umgang mit den indigenen Bevölkerungsgruppen der Aymaras und Urus. Machaqa Amawta ist weltweit gut vernetzt und kann auf einen grossen Erfahrungsschatz zugreifen.

Die schwierigen Lebensbedingungen in der Gegend haben auch soziale Folgen. So suchen die Männer oft in der Stadt oder im Bergwerk Arbeit. Dies führt zu familiären Spannungen. Für die Frauen steigt die Arbeitsbelastung stark. Neben familiären Aufgaben müssen sie sich um die Landwirtschaft und das Familieneinkommen kümmern. «Neben dem Haushalt und den Kindern halten wir Tiere und pflanzen Gemüse für den Eigenbedarf an», erzählt zum Beispiel Maxima Condori Maynaza. Ihr Mann ist nicht weggezogen, er spielt aber Trompete und ist oft mit seiner Band unterwegs.

Schicksalsschlag

Maxima strickt schon länger im Handwerkszentrum und weiss dieses seit einem schweren Schicksalsschlag noch mehr zu schätzen: Nach einem schlimmen Unfall hat die 35-jährige zwei Finger ihrer rechten Hand verloren. «Ich habe mich unfähig und abhängig gefühlt», erinnert sich Maxima. «Ich konnte weder meine Haare flechten noch mich selber anziehen»....

Autorin: Lea Wirz

Dieser Bericht erschien im Magazin «Nachrichten», das vier mal jährlich über die Arbeit von Mission 21 berichtet. Lesen Sie hier den ungekürzten Bericht! (PDF-Download)

 
 
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