Friday 08. September 2017

Agents of Change – Menschen verändern die Welt

Wer sind die Menschen, die heute die Welt verändern? Wir haben uns in den Partnerländern von Mission 21 umgeschaut. Und wir fanden Personen, deren Engagement uns begeistert.

Bahati Mshani, Tansania

Alex Ip Hon Ho, Hongkong

Suzan Mark, Nigeria

Solidaritätsaktion "I walk with..." im Rahmen der Kampagne

Die Welt braucht Wandel. Das zeigt der Blick auf schlimme Kriege und ein ausbeuterisches Wirtschaftssystem. Die gute Nachricht: Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die ihre Gesellschaft von unten verändern. Die theologischen Bildungsprogramme von Mission 21 regen zum gesellschaftlichen Engagement an. Deshalb beleuchtet unsere Kampagne 2017 kleine Menschen mit grosser Wirkung aus den Partnerländern, unsere «Agents of Change».

Zum Beispiel Alex Ip Hon Ho: Tag für Tag hetzte er zur Universität in Hongkong. Vorbei an immer derselben alten Dame, einer obdachlosen Altpapiersammlerin, wie es so viele gibt in der Millionenstadt. «Ich bot ihr eines Tages Geld an», erzählt er. Aber noch bevor er die Almosen aus der Tasche gezogen hatte, lehnte sie ab und sagte: «Junger Mann, ich habe, was ich brauche.»

Harter Boden, harte Blicke
Für Alex war es ein höchst peinlicher Moment. «Ich fühlte, welch riesige Distanz mich und diese Frau trennte, obwohl ich direkt vor ihr stand.» Im Gespräch mit der Papiersammlerin verstand Alex, dass es mehr braucht als Geld, um etwas zu verbessern: «Es geht darum, Menschen so zu unterstützen, dass ihre Würde bewahrt bleibt.»

Alex setzte seine Anteilnahme in konkrete Taten um: Er gründete ein Angebot für Schulen, das Begegnungen zwischen Schülern und Obdachlosen ermöglicht. Die Aktivitäten kommen spielerisch daher, doch sie führen nah an die Realität der Obdachlosen heran. Schülerinnen suchen in Abfalleimern nach Essen oder richten sich einen Schlafplatz auf der Strasse ein. Sie merken, wie hart sich der Untergrund und die Blicke der Passanten dabei anfühlen. Durch Erfahrung und Begegnung lernen sie Dinge, die jahrelanger intellektueller Unterricht nicht vermitteln kann.

Waisenkinder unterstützen in Tansania
Ganz anders sieht das Engagement von Bahati Mshani aus: Sie setzt sich mit vollem Herzblut für Waisenkinder ein. Die Tansanierin kam in einem sehr abgelegenen Dorf als Tochter einer alleinerziehenden Mutter zur Welt. Diese starb, als sie 14 war. Das bedeutete für die aufgeweckte Schülerin fast das Aus ihrer Grundbildung. Für Bahati wandte sich die Geschichte zum Guten: Sie erhielt ein Stipendium von Mission 21 und somit die Chance, einen richtigen Bachelorabschluss in Theologie zu machen.

Nach dem Studium übernahm Bahati in der Stadt Mbeya die Leitung des Waisenkinderdepartements der Herrnhuter Brüdergemeine, Partnerkirche von Mission 21. Die zahlreichen Waisenkinder der Region sind die Hauptzielgruppe des Projekts, das Bahati leitet. Sie ermutigt die Zivilbevölkerung, Verantwortung für Waisenkinder zu übernehmen. Denn die Problematik könne nicht innerhalb der Kirche oder von europäischen Geldgebern gelöst werden. Das Thema gehe alle etwas an: «Wenn wir die Waisenkinder heute nicht fallen lassen, haben wir morgen eine bessere Gesellschaft.» Sie zeigt den Kindern, dass sie sich nicht schämen müssen, Hilfe anzunehmen, und dass sie eine von ihnen ist.


Vom einzigen Mädchen auf dem Schulhof zur Frauenpionierin
Auch bei Suzan Mark aus Nigeria gibt es einen Zusammenhang zwischen ihrer Kindheit und ihrem jetzigen Engagement: Als sie ein kleines Mädchen war, gingen nur die Jungen aus dem Dorf zur Schule. Ihr Vater war der erste, der mit der Tradition brach, indem er sie zur Schule schickte. An der Universität musste sich Suzan wieder durchkämpfen, um zum Theologiestudium zugelassen zu werden.

Schliesslich studierte sie bis zum Master-Abschluss und leitet heute die Frauenarbeit der Kirche der Geschwister in Nigeria (EYN), Partnerkirche von Mission 21. Somit hat sie eine grosse Aufgabe: Die Situation der Frauen in ihrem Heimatland hat sich zwar verbessert. Aber die Gleichberechtigung von Männern und Frauen bleibt ein weit entferntes Ziel.

Frauenarbeit zu Zeiten des Terrors
Vor allem der Nordosten Nigerias leidet noch immer unter dem Terror der bewaffneten Miliz Boko Haram. Zahlreiche Menschen sind auf der Flucht. Viele konnten zwar in ihre Dörfer zurückkehren, stehen dort aber vor dem Nichts. «Frauen sind vom Konflikt besonders betroffen, da sie die Verantwortung für die Kinder tragen. Zudem sind viele Männer im Konflikt gefallen, die Witwen sind völlig auf sich alleine gestellt.»

Eines der wichtigsten Ziele der Frauenarbeit ist es deshalb, die vertriebenen Witwen zu stärken. Neben den Grundbedürfnissen sei der Zugang zu Bildung unbedingt nötig: «Ich sage immer: Bilde eine Frau aus, und du bildest die ganze Nation aus.» Denn wenn eine Frau gebildet sei, gebe sie ihr Wissen weiter, vor allem an ihre Kinder. Das ist zurzeit enorm wertvoll, denn die Grundbildung der nigerianischen Kinder in der Konfliktregion kann nicht immer gewährleistet werden.

Das Engagement geht weiter - mit Ihnen?
Die Beispiele von Alex, Bahati und Suzan machen deutlich: Die Verbindung von theologischer Bildung und gesellschaftlichem Engagement setzt enorme Kräfte frei. Unsere Partnerorganisationen bewirken, dass Menschen aktiv werden, sich einsetzen für ein Leben in Würde. Dass sie ihre Gesellschaft ein stückweit gerechter machen. Sie sind deshalb unsere «Agents of Change».

Was in den unterschiedlichen Beispielen deutlich wird: Oft stehen am Anfang des Engagements persönliche Erlebnisse. Geschichten, die den Menschen entweder selbst widerfahren oder sie tief berühren. Sei es bei Bahati und Suzan, die sich durchsetzen mussten, und sich nun für Benachteiligte einsetzen. Oder bei Alex, dem im kapitalistischen Hongkong ein Schlüsselerlebnis die Augen öffnete. Echte Anteilnahme macht handlungsfähig und gibt den Menschen Energie. Deshalb möchten wir auch Sie mit der Begeisterung über Menschen wie Alex, Bahati und Yaneth anstecken. Denn jeder hat das Potential, ein «Agent of Change» zu sein: Unterstützen Sie unsere diesjährige Kampagne mit einer Aktion oder Spende. Und fördern Sie den Wandel zum Guten in Ihrem eigenen Umfeld!

Miriam Glass, Mara Wirthlin

 
 
Kontakt

Christoph Rácz
Medienbeauftragter
Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +41 61 260 22 49
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