Saturday 23. September 2017

Informatives Podium zur gespannten Lage in Kamerun

Wie beunruhigend ist die Lage in Kamerun? Was bedeutet der andauernde Konflikt für die Projekte von Mission 21 dort? Antworten auf diese Fragen bot Mission 21 an einem öffentlichen Podium, das auf lebhaftes Interesse stiess.

Über 70 Interessierte nahmen am Podiumsgespräch teil. (Foto: Hans Peter Straumann)

Celestine und Elvis, Gäste aus Kamerun, waren beeindruckt von den engagierten Zuhörerinnen und Zuhörern. (Foto: Hans Peter Straumann)

Über 70 Interessierte liessen sich am Samstag, 23. September, im Missionshaus in Basel zur Situation in Kamerun informieren. Die zunehmenden Spannungen im westafrikanischen Land lösten bei den Anwesenden spürbar Sorgen aus. Erst kürzlich explodierte in Bamenda und in Douala je eine Bombe und mehrere Menschen wurden verletzt.

Historische Wurzeln des aktuellen Konflikts
Seit Oktober 2016 streiken im englischsprachigen Westen Kameruns die Lehrerinnen und Lehrer sowie das Personal des Justizwesens. Auslöser sind die stetig zunehmenden Repressionen der anglophonen Minderheit durch die Zentralregierung im französischsprachigen Yaoundé.

Im ersten Teil des Podiums im Missionshaus referierten vier Fachleute über die historischen Ursachen für den Konflikt. Kafui Afanou, Programmverantwortliche von Mission 21 für Kamerun, zeichnete kompakt auf, wie die Kolonialgeschichte ab 1919 zur Bildung eines englisch- und eines französischsprachigen Kameruns führte. Die unterschiedlichen Kolonialmächte prägten die Bevölkerung. Es entwickelten sich politische, administrative und kulturelle Unterschiede. Hans Knöpfli war von 1956 bis 1993 als ökumenischer Mitarbeitender für das Basler Werk in Kamerun. Gemeinsam mit Peter Binder, Mitarbeiter in den 1970er-Jahren, fokussierte er politische Wendepunkte, bei denen frankophone Politiker den anglophonen Landesteil immer stärker benachteiligten, so dass heute von einer Unterdrückung der englischsprachigen Minderheit gesprochen werden kann.

Die schwierige Frage nach dem «Wie weiter?»
Streiks, wöchentliche Boykotttage («Ghost Town») und staatliche Gegenmassnahmen (Verhaftungen) seit letztem Jahr bringen die Bevölkerung immer mehr in Bedrängnis. Welche Auswege es hier geben könnte, darüber unterhielt sich das Podium in der zweiten Hälfte der Veranstaltung. Neben Kafui Afanou gaben nun Rainer Hettenbach (in den 1980ern in Kamerun) sowie der aktuelle ökumenische Mitarbeiter Martin Witmer Auskunft. Moderator Christoph Rácz wollte zuerst wissen, welche konkreten Folgen in den Projekten zu spüren seien. Im Gesundheitswesen etwa gingen die Zahlen der Patientinnen und Patienten stark zurück. Die Menschen würden Krankheiten später behandeln lassen, weil sie kein Einkommen hätten, erklärte Martin Witmer. Das Spital Manyemen funktionere zwar gut, aber die Gesundheit der Bevölkerung leide unter der Wirtschaftslage. Problematisch sei auch die Reaktion des Militärs auf den Streik der Lehrpersonen. Schülerinnen und Schüler würden zwangsweise zum Schulbesuch «abgeführt», um den Streik zu brechen.

Rainer Hettenbach nannte die Korruption als wichtigen Teil des Problems, doch diesen «Berg» abzutragen sei sehr schwierig. Hauptteil des Problems sei zudem der seit 35 Jahren regierende Präsident Paul Biya, der sich an das Amt klammere und sich dort wohl selbst bereichere.

Für Kafui Afanou ist es ein Hoffnungszeichen, dass die drei grossen Kirchen, die Römisch-Katholische, die Baptisten sowie die Presbyterianische PCC (Partnerkirche von Mission 21), gemeinsam Stellung nehmen. Wenn zudem in Europa für Kamerun gebetet werde, sei dies ein ermutigendes Signal.

Einig war man sich auf dem Podium auch zum Thema Unterstützung: Grundsätzlich sei es sehr wichtig, die Projekte im Land weiter mitzutragen. Denn gerade die Hilfe durch Mission 21 stärke die Kirchen vor Ort und komme der Bevölkerung direkt zugute.

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Text: Christoph Rácz, Fotos: Hans Peter Straumann

 
 
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