Wednesday 19. July 2017

Zwischen Hoffnung und Realität

Alessia Gianetti (26) arbeitet seit sieben Monaten für Mission 21 in der Flüchtlingsberatung in Hongkong. In der Riesenstadt anzukommen, sei eine Herausforderung gewesen, sagt sie – doch im ihrem Arbeitsumfeld fühlte sie sich von Anfang an gut aufgehoben.

Alessia Gianetti auf der Dachterrasse ihres Wohnhauses in Hongkong.

«Mein erster Eindruck von Hongkong war: Das ist wie New York auf asiatisch. Es ist überfüllt, es ist immer etwas los und grundsätzlich ist alles möglich. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass viele Sachen kompliziert sind, wenn man kein kantonesisch spricht.

In Gebieten wie an meinem Wohnort, wo es keine Touristen gibt, ist die Kontaktaufnahme mit den «Locals» nicht gerade einfach. Trotzdem fühle ich mich wohl hier. Das hat vor allem mit den Menschen an meinem Arbeitsort zu tun.

Beratungen in familiärer Atmosphäre

Im «Centre for Refugees» hat man mich sehr herzlich aufgenommen und ich war von Anfang an Teil der kleinen Familie dort. Morgens fahre ich mit der Metro zur Arbeit. Das «Centre» ist ein Angebot für Flüchtlinge und Asylbewerber von Christian Action, einer Partnerorganisation von Mission 21.

Morgens frühstücken wir gemeinsam und besprechen den Tagesablauf. Ich betreue Menschen aus der ganzen Welt. Bei den Beratungen geht es um rechtliche Fragen, um die Vorbereitung von Terminen bei den Einwanderungsbehörden, aber auch um ganz persönliche Themen.

Wir erhalten die Hoffnung aufrecht

Viele Migranten und Migrantinnen warten jahrelang auf Antworten zu ihrem Asylantrag. Manche kommen täglich, andere wöchentlich. Es ist ein Spagat, ihnen Mut zu machen und Hoffnung zu geben, ihnen aber auch die Realität vor Augen zu führen. Asylbewerber haben in Hongkong nur sehr geringe Chancen, ihren Status zu legalisieren.

Gerade heute war ein Mann bei mir, dessen Antrag nach langem Warten abgelehnt wurde. Das ist hart. Wir schauen nun, welche Möglichkeiten es für ihn noch gibt.

Frauen blühen auf

Neben den Beratungen bin ich für verschiedene Aktivitäten zuständig. Zum Beispiel leite ich eine wöchentliche Frauengruppe. Das ist sehr spannend. Sobald die Frauen unter sich sind, blühen sie auf und öffnen sich. So erfahre ich viel über ihre Lebensgeschichten. Jede bringt den anderen bei, was sie besonders gut kann, zum Beispiel hatten wir kürzlich einen Häkelkurs. Da lerne ich auch selber viel.

Auch Abgrenzung ist wichtig

Um 18 Uhr schliesst das Zentrum. Wir bleiben meistens noch, um administrative Aufgaben zu erledigen. Oft gehe ich abends noch mit dem Team essen. Manchmal kontaktieren mich die Klienten privat. Da ist es wichtig, sich abzugrenzen. Doch viele von ihnen sind inzwischen zu Freundinnen und Freunden geworden. Denn die Art der Beratung ist ganz anders als in der Schweiz. In der Schweiz kommt man zu einem Berater, bringt sein Anliegen vor, erhält eine Antwort und geht wieder. Im «Centre for Refugees» sitzen die Leute manchmal auch einfach für einen persönlichen Austausch bei mir. Wenn man den Namen von jemandem nicht kennt, sagt man «brother» und «sister», das ist völlig normal. Für mich war es aber komplett neu, und es sind auch dieses Details, die meinen Aufenthalt hier so wertvoll machen.»

» mehr Informationen zum PEP!-Angebot von Mission 21, zu dem der Aufenthalt von Alessia Gianetti in Hongkong gehört.

 
 
Kontakt

Christoph Rácz
Medienbeauftragter
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