Friday 01. September 2017

«Von Gerechtigkeit träumen ist politisch!»

Ungerechtigkeiten sind in Lateinamerika allgegenwärtig. Verstärkt werden sie durch das neoliberale System. Das Ökumenische Forschungs-und Ausbildungszentrum DEI in Costa Rica vernetzt Aktivistinnen und Aktivisten und fördert den Widerstand.

«Heutzutage ist es in Lateinamerika eine politische Haltung, zu träumen», sagt Silvia Regina de Lima Silva, Leiterin des «Departamento Ecuménico de Investigaciones» (DEI). «Wir sind erschrocken über die ungerechten Zustände, die auf unserem Kontinent herrschen», sagt sie. «Aber wir geben uns nicht geschlagen. Wir träumen von mehr Gerechtigkeit und halten diesen Traum in anderen Menschen wach.»

Die Institution ist eine Besonderheit. Sie zieht unterschiedlichste Menschen aus dem ganzen Kontinent an und bringt diese zusammen: junge Erwachsene ebenso wie Senioren, Akademikerinnen und Landlose, Indigene, die in abgelegenen Regionen leben genauso wie Städter, Menschen verschiedener Glaubensrichtungen. Während der Kurse, die zwischen einer und acht Wochen dauern, leben sie zusammen und teilen sich Sechsbettzimmer. Die Kursthemen sind breit und behandeln Fragestellungen aus Theologie, Ökonomie, Ökologie und Sozialwissenschaften. Der Ökumene-Begriff wird weit gefasst, er schliesst auch indigene Spiritualität mit ein.

Dieser Aspekt fasziniert Iván Mora Villalta. Der 32-jährige Agrarökologe und Soziologe ist einer der Forschungs-Stipendiaten des DEI. Iván war in der Protestbewegung gegen genetisch veränderten Mais aktiv. Er erforscht jetzt an diesem Beispiel, wodurch soziale Bewegungen erfolgreich werden. Das DEI publiziert solche Forschungsarbeiten, um sie anderen sozialen Bewegungen zur Verfügung zu stellen. Im hauseigenen Verlag erscheinen neben der Forschungszeitschrift «pasos» (Schritte) auch Bücher. «Für mich war es schlichtweg Glück, das DEI gefunden zu haben» sagt der freundliche junge Mann. «Ich kann vor meinem akademischen Hintergrund direkt mit indigenen Gemeinschaften zusammen arbeiten – so eine Chance gibt es sonst nirgends.»

Wie die Bibel mobil macht
Anfang des Jahres wird eine in Lateinamerika entstandene Methode angewandt: Die populäre Bibellektüre. Diese geht zunächst von der eigenen Realität aus, betrachtet dann den Kontext des Bibel-Textes und fragt schliesslich nach dem konkreten Handeln im Hier und Jetzt. «Oft lesen und lesen wir die Bibel, aber handeln nicht danach!», sagt der 20-jährige Anderson Lázaro, der in einer katholischen Basisgemeinde arbeitet und sich für Benachteiligte einsetzt. «Ich bin hier, um besser zu verstehen, wie wir vom Lesen zum Handeln kommen. Denn darum geht es doch: dass wir uns engagieren.»

» Lesen Sie hier den ganzen Artikel als PDF, erschienen in den Nachrichten 3/17

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Kontakt

Hansueli Meier
Programmverantwortlicher
Chile & Kontinentalprogramme
Lateinamerika
Tel.: +41 (0)61 260 22 69 
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