Tuesday 22. November 2016

Politische Unruhen in Kamerun

Die anglophone Minderheit in Kamerun wehrt sich gegen die Vormachtstellung der französischsprachigen Mehrheit. Angestossen wurden die Unruhen durch Streiks von Lehrern und Anwälten.

Seit November 2016 gibt es im anglophonen Teil Kameruns, insbesondere im Nordwesten des Landes (Bamenda), politische Unruhen. Damit ist zugleich auch das Kerngebiet unserer Partnerkirche betroffen, der Presbyterian Church in Cameroon (PCC).

Der Nachrichtensender BBC News publizierte am 8. Dezember einen kurzen Bericht eines Betroffenen (zum anschauen Bild anklicken):

Der Protest wurde durch die Berufsgruppen von Anwälten und Lehrern angestossen: Im Oktober begannen die Anwälte mit einem friedlichen Streik, da ihre Forderungen nach mehr englischsprachigem Personal und der Übersetzung wichtiger Grundlagendokumente auf Englisch lange Zeit ignoriert worden waren. 

Erste Unruhen bei Lehrerstreik
Am 21. November startete eine Vereinigung von Lehrern einen Streik mit unterschiedlichen Forderungen, welche die Gleichwertigkeit der beiden Sprachen im Schulwesen anstreben. Als die Diskussion einmal angestossen war, mischten auch unterschiedliche politische Parteien mit sowie Gruppierungen, welche die Unabhängigkeit des englischsprachigen Kameruns wollen.  

In fast allen englischsprachigen Teilen Kameruns fand der Lehrerstreik trotz der politischen Brisanz friedlich statt. In Bamenda allerdings kam es zu Unruhen, bei denen etwa 3 Personen starben. Am 8. Dezember gab es dort eine weitere Eskalation: Mitglieder der politischen Partei «Cameroon People's Democratic Movement» wurden vor einer Kundgebung von der Zivilbevölkerung angegriffen. Hohe Politiker dieser Partei hatten zuvor gesagt, dass es gar kein Problem für die anglophone Bevölkerungsminderheit gebe, was Zorn auslöste. Es starben etwa 13 Menschen, auch in anderen Städten wie Kumba folgten Proteste mit mehreren Todesfällen.

Nicht nur ein «anglophones Problem»
Laut Kafui Afanou, Programmverantworliche bei Mission 21, und Lumumba Mukong, Landeskoordinator für Kamerun, erklärt die Marginalisierung der englischsprachigen Minderheit die politischen Unruhen nur teilweise. Es sei auch die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung über mangelnde Jobs, schlechte Infrastruktur und eine träge Regierung, welche sich in der aktuellen Situation entlädt: «Es gibt in Kamerun kaum eine Bevölkerungsgruppe, welche nicht manchmal unzufrieden ist mit der Art, wie die Dinge im Land geregelt werden», schreiben Afanou und Mukong in einer ausführlichen Analyse der aktuellen Situation (auf Englisch).

Mittlerweile wurde das «anglophone Problem» vom kamerunischen Premierminister anerkannt, welcher sich in Bamenda mit traditionellen Führern und Politikern traf. Das ist ein Meilenstein: Es ist das erste Mal in der Geschichte Kameruns, dass ein hoher Regierungsbeamter das Problem der anglophonen Minderheit anerkennt. Allerdings zeigte diese erste Dialogbereitschaft seitens der Regierung noch keine konkreten Resultate: Die Lehrer sowie die Anwälte haben den Streik noch nicht beendet, da sie mit dem Angebot der Regierung nicht zufrieden sind.

Öffentliche Diskussion über politische Probleme ist wichtig
Afanou und Mukong halten in ihrem Bericht fest, dass eine transparente und offene Kommunikation nun sehr wichtig sei. Nur so könne ein tolerante politische Stimmung entstehen, welche hoffentlich bis zu den im Jahr 2018 stattfindenden Wahlen anhalte.

Zum Schluss heisst es im Bericht von Mission 21: «Zumindest haben in den vergangenen Wochen viele öffentliche Diskussionen über das Problem der anglophonen Minderheit und andere politische Themen stattgefunden.» Dies könne als Schritt in die richtige Richtung angesehen werden – «aber es benötigt die richtige Koordination und Toleranz seitens der Regierung.» 

» Lesen Sie den ausführlichen Bericht zur aktuellen Lage (auf Englisch, pdf Download)

 
 
Kontakt

Kafui Sandra Afanou
Programmverantwortliche Kamerun
Tel.: +41 (0)61 260 22 58 
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