Tuesday 21. February 2017

Gefährliche Spannungen in Kamerun

Die Probleme im anglophonen Teil Kameruns haben seit Oktober 2016 zu Streiks, Protestdemonstrationen und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den staatlichen Sicherheitskräften geführt. Verhandlungen zwischen der Regierung und zivilgesellschaftlichen Gruppen sind bisher erfolglos geblieben. Repressive Massnahmen der Regierung vergrössern die Unzufriedenheit der anglophonen Bevölkerung.

Die politischen Probleme und Unruhen im anglophonen Teil Kameruns wurden in den Zeitungen, im Radio und Fernsehen und in den Social Media ausführlich behandelt und zum Teil kontrovers diskutiert. Auch im Ausland fand das Problem zunehmend Beachtung und löste einige Befürchtungen aus. Die Regierung begann im Januar 2017, ihre Informationstätigkeit zu verstärken. In regelmässigen Pressekonferenzen informiert sie die nationalen und internationalen Medien über ihre Sicht der Dinge und über ihre Massnahmen im Zusammenhang mit dem «anglophonen Problem».

Einschränkungen der Kommunikation
Kamerun machte in den vergangenen Jahren im Hinblick auf die Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit grosse Fortschritte. Die Medienfreiheit und die Publikation unterschiedlicher Die Partner von Mission 21 sind von den Unruhen betroffen. (Symbolbild, Heiner Heine für Mission 21)Ansichten galten als wichtig und nützlich für die Meinungsbildung der Öffentlichkeit. Bezüglich der Streiks, Demonstrationen und Unruhen wurden in den sozialen Medien manchmal fast im Minutentakt Nachrichten über Protestkundgebungen, polizeiliche und militärische Aktivitäten, wichtige Sitzungen usw. verbreitet, darunter jedoch auch solche, die zu gewaltsamen Handlungen anregten.

Die Regierung drohte daraufhin im Januar 2017 allen Medienschaffenden mit einem Berufsverbot, wenn sie falsche Informationen publizieren oder Themen behandeln, welche die kamerunische Staatsstruktur gefährden könnten. Das Ministerium für Post und Telekommunikation warnte zudem alle Handy-Besitzer per SMS, dass die Verbreitung falscher Informationen bestraft werde, und zwar mit bis zu sechs Monaten Gefängnis oder hohen Geldstrafen. Schliesslich sperrte die Regierung am 18. Januar 2017 im anglophonen Teil Kameruns den Zugang zum Internet. Seither ist die Kommunikation per Internet nicht mehr möglich. Dies hat auf das soziale und wirtschaftliche Leben in der Region enorme negative Auswirkungen und vergrössert die Probleme, mit denen die anglophone Bevölkerung wegen der Streiks und der Unruhen ohnehin schon konfrontiert ist. Insbesondere in den Städten sind viele Geschäfte, Die Partner von Mission 21 sind von den Unruhen betroffen. (Symbolbild, Heiner Heine für Mission 21)Amtsstellen, Banken usw. auf die Benutzung des Internet angewiesen. Je länger der Unterbruch dauert, desto grösser werden die wirtschaftlichen Schäden und die Empörung der Bevölkerung.

Zurzeit ist völlig offen, wie lange diese Situation noch andauern wird, die auch die Entwicklungsarbeit der Partner von Mission 21 erheblich beeinträchtigt. Sowohl politische als auch kirchliche Kreise bemühen sich sehr, eine weitere Eskalation der Probleme zu vermeiden und konstruktive Lösungen zu suchen. Es bleibt zu hoffen, dass die grosse Unsicherheit und die gefährlichen Spannungen bald abgebaut werden können.

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Kontakt

Kafui Sandra Afanou
Programmverantwortliche Kamerun
Tel.: +41 (0)61 260 22 58 
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