Wednesday 05. November 2014

«Lusubilo» heisst Hoffnung

«Positiv leben!»: Claudia Zeising lancierte ein Buchprojekt mit HIV-positiven Menschen in Tansania.

Melania Mrema Kyando, Pfarrerin der Herrnhuter Kirche im südlichen Tansania, erfuhr erst nach dem Tod ihres Mannes, dass er an Aids gestorben war. Als es auch ihr körperlich schlecht ging, liess sie sich testen: HIV-positiv. Die Diagnose muss heute kein Todesurteil mehr sein, es gibt Medikamente, die ein ziemlich normales Leben ermöglichen - doch sozial bedeutet sie oft den Tod. Damals, 2004, noch mehr als heute. Menschen werden aus ihren Familien ausgestossen, weil die Virus-Infektion mit Sünde gleichgesetzt wird. Deshalb gibt es immer noch viele Menschen, die lieber sterben, als sich testen zu lassen.

Mut zur Offenheit
Melania behielt ihre Erkrankung zunächst für sich, auch sie hatte Angst. Würde sie ihren Job behalten dürfen? Angeregt durch die Begegnung mit einer HIV-positiven Frau fasste sie Mut und redete mit ihren Vorgesetzten darüber. Sie bat darum, offen über ihre Krankheit sprechen zu dürfen. Sie tat dies erst in der Andacht für Mitarbeitende, dann von der Kanzel des Gottesdienstes aus, sie besuchte andere Kirchen und Gemeinden und organisierte schliesslich grosse Kampagnen auf Marktplätzen mit Chören und Theatergruppen. Viele Menschen fanden den Mut, sich testen zu lassen und das Gespräch mit ihr zu suchen. Eine Selbsthilfegruppe entstand, die heute über 40 Mitglieder hat. Sie heisst «Lusubilo», Hoffnung.

Claudia Zeising, ökumenische Mitarbeiterin in Tansania, war von Melanias «Mut und Kraft» begeistert und unterstütze sie in ihrer Arbeit. Auch die Menschen der Selbsthilfegruppe und deren Geschichten berührten sie. Das Stigma, das mit «HIV-positiv» verbunden ist, kann überwunden werden, ist sie überzeugt. Die Menschen können auch im wörtlichen Sinne ein «positives» Leben führen.

Bewegende Porträts
So wuchs die Idee, ein Buch herauszugeben. Kein Sachbuch über HIV/Aids, sondern ein Band mit Porträts in Bild und Text von aussergewöhnlichen Menschen. 12 Mitglieder der Gruppe, darunter ein Kind, sowie die Gründerin und Leiterin Melania Mrema Kyando erzählen darin ihre Geschichte. Trotz sehr viel erlittenem Leid, vielen Todesfällen in der Familie, Verstossenwerden durch die Eltern, trotz eines harten Lebens, in dem die Menschen mit körperlicher Arbeit einen sehr bescheidenen Unterhalt verdienen müssen, äussern sie Dankbarkeit. Dafür, dass sie leben dürfen. Dass sie die Gruppe gefunden haben. «Dass Gott mir geholfen hat, mich zu öffnen», schreibt Mary Mahenge. Und die Fotos von Regina Mariola-Sagan unterstreichen den Buchtitel: «positiv leben!» - Komme, was wolle.

Dorothee Adrian, Team Öffentlichkeitsarbeit

«positiv leben!» - «The joy of being alive» ist in Deutsch, Englisch und Suaheli erschienen. Neben den Porträts beinhaltet es Texte über die heutige Situation von HIV/Aids, ein Interview mit der Leiterin der Waisenkinderarbeit der Herrnhuter der Südprovinz und eines mit der Ärztin, die die Lusubilo-Gruppe betreut. Es kostet 25 CHF, wovon 7 Franken direkt an die Selbsthilfegruppe gehen.

» Buch bestellen

» Zum Projekt

 
Flash ist Pflicht!
 
Kontakt

Johannes Klemm
Programmverantwortlicher
Tansania & Palästina
Tel: +41 (0)61 260 23 04
» E-Mail