Partnerorganisationen in Hongkong

Tsung Tsin Mission of Hong Kong (TTM)

Sitz: Hongkong SAR
Gegründet: 1847
Trägerverein: Basler Mission
Projekt: 222.1005: Soziale Gerechtigkeit für Migrantinnen und Industriearbeiter

Ursprünglich hiess die Tsung Tsin Mission of Hong Kong (TTM) «Basler Kirche». Sie wurde durch die Missionare Theodore Hamberg und Rudolph Lechner der Basler Mission 1847 in Zusammenarbeit mit deutschen Kirchen gegründet. Dadurch ist ihr theologischer und kirchlicher Hintergrund sowohl lutherischer als auch reformierter Tradition. Sie konzentrierten ihre Tätigkeit auf die Hakka, eine chinesische Volksgruppe mit eigenem Dialekt, die in verschiedenen Gebieten Südchinas siedelt. Die Missionare waren in den ersten Jahren hauptsächlich in Hongkong und in näher gelegenen Festlandgebieten tätig. Später dehnten sie ihren Wirkungsbereich auf mehrere Bezirke im Osten der Provinz Guangdong (Südchina) aus. Die Hakka-Kirche im Guangdong wuchs in den folgenden Jahren. 1924 trat die erste Synode zusammen. Die Basler Kirche wurde in «Tsun Tsin» Mission umbenannt. «Tsun Tsin» heisst in etwa «den wahren Gott ehren» oder «die Wahrheit unterstützen». Schon vor der Selbständigkeit der Tsung Tsin Kirche in der Guangdong Provinz wurde die Kirche in Hongkong selbständig.
Als 1949 die Volksrepublik China gegründet wurde, konnte die Kirche in Hongkong keine Verbindung mehr mit der Kirche in der Volksrepublik pflegen. In China entstand die «Drei-Selbst-Bewegung», die später zur Gründung des Chinesischen Christenrates (CCC) führte. So konnte sich die TTM lediglich in Hongkong weiter entwickeln und wurde dort eine unabhängige Kirchenorganisation. Sie versteht das Ankunftsjahr 1847 der beiden Missionare Hamberg und Lechler als Gründungsjahr ihrer Kirche. Seit der Öffnung zu China im Jahre 1997 hat Hongkong die Kontakte zu den früheren Hakka-Kirchen wieder aufgenommen. Sie unterstützt dort unter anderem den Wiederaufbau der Kirchen.
Die TTM zählt heute über 10'000 Mitglieder in 26 Gemeinden. Sie führt sechs Mittelschulen, vier Primarschulen sowie sechs Kindergärten. Sie unterhält sieben Kindertagesheime, ein Jugendzentrum, ein Altersheim und zwei Tageszentren für Betagte.
Die Arbeit der TTM wird von Mission 21 durch die Entsendung eines ökumenischen Mitarbeitenden unterstützt. Dieser unterrichtet als Dozent für Europäische Kirchengeschichte und Ökumene an der Divinity School of Chung Chi College, die Teil der Chinese University of Hong Kong ist. Seine frühere Arbeit in der Gefängnisseelsorge führt er nebenbei fort, auch nimmt er Studierende mit ins Gefängnis, um sie mit dieser Form der Seelsorge vertraut zu machen. Von 2001 bis 2012 hat die TTM ihrerseits einen Pfarrer in die Schweiz entsandt. Er war einerseits in der Gemeindearbeit von verschiedenen chinesischsprachigen Gemeinden in der Schweiz tätig gewesen und wirkt ebenfalls in der Bildungsarbeit von Mission 21 mit.
Gemeinsam mit der TTM und Christian Action (CA) unterhält Mission 21 zudem einen Beratungs- und Unterstützungsdienst für indonesische Migrantinnen, die als Hausangestellte in Hong Kong arbeiten und häufig ausgebeutet oder sexuell missbraucht werden. Sie erhalten rechtliche und moralische Hilfe, können bei Bedarf in einem Notaufnahmezentrum Zuflucht finden und ihre Fähigkeiten durch Sprach- und Computerkurse verbessern.

Christian Action (CA)

Sitz: Hongkong SAR
Gegründet: 1985
Projekt: 222.1005: Soziale Gerechtigkeit für Migrantinnen und Industriearbeiter

Christian Action (CA) ist eine in Hongkong registrierte Nichtregierungsorganisation, die im Jahr 1985 gegründet wurde. Sie setzt sich in Hongkong und Festlandchina ein für Bedürftige, Marginalisierte, Arme und Vertriebene unabhängig ihres Alters, Nationalität, Religion und Gender. Gemeinsam mit der Tsung Tsin Mission of Hongkong (TTM) und mit Unterstützung von Mission 21 unterhält CA seit über 15 Jahren ein Beratungs- und Unterstützungsdienst für indonesische Migrantinnen, die als Hausangestellte in Hong Kong arbeiten und häufig ausgebeutet oder sexuell missbraucht werden. Sie erhalten rechtliche und moralische Hilfe, können bei Bedarf in einem Notaufnahmezentrum Zuflucht finden und ihre Fähigkeiten durch Sprach- und Computerkurse verbessern. Neben dem Beratungsdienst hat es sich Christian Action (CA) zur Aufgabe gemacht ein breites Netzwerk aufzubauen. Es wird beispielsweise immer wieder mit relevanten Ministerien Hongkongs zusammengearbeitet, um die Migrantinnen darauf aufmerksam zu machen, welche Ministerien wofür zuständig sind und welche ihnen in bestimmten Situationen helfen können. Ausserdem wurden in diesem Zusammenhang Workshops zu "Diskriminierung und wie man sich davor schützen kann" angeboten. CA ist auch mit den Konsulaten, mit anderen NGOs sowie Kirchen gut vernetzt. Beispielsweise bezahlt das indonesische Konsulat mittlerweile einen beträchtlichen Teil der Flugkosten für den Fall, wenn eine indonesische Hausangestellte nach Indonesien ausreisen muss. Zukünftig wird auch eine engere Zusammenarbeit mit indonesischen Institutionen angestrebt, um die indonesischen Migrantinnen vor und nach der Ausreise besser zu unterstützen.

Hongkong Christian Industrial Committee (CIC)

Sitz: Hongkong SAR
Gegründet: 1959
Projekt: 222.1005: Soziale Gerechtigkeit für Migrantinnen und Industriearbeiter

Das Hongkong Christian Industrial Committee (CIC) besteht seit 1959 und arbeitete 30 Jahre lang als ein Hilfswerk unter dem Schirm des Hongkong Christian Councils. Im Jahr 2006 initiierte das CIC ein Umstrukturierungsprozess, was zur Gründung der unabhängigen Nichtregierungsorganisationen Labour Action China (LAC) und Workers Empowerment führte. Einer der Gründe war, dass die damalige Arbeit des CIC weitgehend vom Christlichen Glauben losgelöst war. Die Umstrukturierung hatte das Ziel, einerseits den Christlichen Glauben wieder verstärk in die Arbeit einfliessen zu lassen und anderseits die Beteiligung der Arbeiter an der Basis in der Projektarbeit zu stärken. Im Jahr 2009 löste sich das CIC vom Hongkong Christian Council ab und registrierte sich als unabhängige und gemeinnützige Organisation. Der anfängliche regionale Fokus auf Hongkong änderte sich in den 1990-er Jahren, als zahlreiche Hongkonger Schmucksteinfirmen ihre Produktionsstätte in den Süden Chinas verlegt haben. Da die Firmen ihren Arbeitern keinen ausreichenden Schutz vor dem Feinstaub bieten, erkranken mehrere tausend Arbeiter an der tödlichen Krankheit Silikose, der sogenannten Staublunge. In Zusammenarbeit mit LAC setzt sich CIC für die Rechte der Silikose- und Benzol-erkrankten Arbeiter in Südchina ein. Seit 2011 ermöglichte CIC die Schulbildung von 120 Kindern von Silikoseopfer durch die Vergabe von Stipendien.
Für das Jahr 2015 lanciert CIC, mit finanzieller Unterstützung von Mission 21, ein neues Projekt. Inspiriert von einem Sozialunternehmen in Shenzhen, möchte CIC den Silikose-erkrankten Personen eine alternative Einkommensquelle bieten und sie zu Selbstständigkeit ermächtigen. Jedes Jahr werden 100 Personen, die an einer Berufskrankheit leiden, in einem einwöchigen intensiven Workshop für die Produktion von Sojaprodukten und für die selbstständige Erwerbstätigkeit geschult. Die Absolventen erwerben durch den Workshop die Fähigkeit, selbstständig ein Unternehmen aufzubauen. CIC steht ihnen dabei durch die Vergabe von zinsfreien Darlehen, Beratungen und vierteljährliche Besuchen unterstützend zur Seite. CIC kontrolliert und evaluiert den Unternehmensprozess und hilft bei aufkommenden Problemen. Ausserdem bilden die Absolventen mit Hilfe von CIC eine Organisation für gegenseitige Hilfeleistungen und den Austausch zwischen einander. Diese Massnahmen ermöglicht es den Erkrankten ein eigenes Einkommen durch eine selbstständige Tätigkeit zu erwerben. Sie erlangen langfristig ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zurück und werden wieder in die Gesellschaft integriert. Die Projektabwicklung wird über die TTM koordiniert.

Divinity School of Chung Chi College

Sitz: Hongkong SAR
Projekt: 222.1012: Universitäre Ausbildung für ein China im Wandel

Die Divinity School of Chung Chi College und die Anfänge der Basler Mission in HOngkong/China gehen auf das Jahr 1864 zurück. Einige wichtige Eckdaten seien hier genannt: Sechs Jahre nach der Gründung im Jahr 1951 wurde am Chung Chi College eine Abteilung für religiöse Erziehung und theologische Ausbildung geschaffen. Diese wurde 1963 umbenannt in Chung Chi Theological Seminary. Im gleichen Jahr noch gründete das theologische Seminar gemeinsam mit zwei weiteren Colleges die Chinese University of Hongkong. Aufgrund der Bemühungen des Hong Kong Christian Councils schlossen sich dem theologischen Seminar weitere, bisher unabhängige theologische Seminarien an und wählten im Jahr 2004 schliesslich den heutigen Namen Divinity School of Chung Chi. Das theologische Seminar ist also integraler Teil einer öffentlichen Universität, was in Ostasien aussergewöhnlich ist.
Zwischen dem Chung Chi College und der früheren Basler Mission (heutige Mission 21) besteht eine jahrzehntelange Beziehung. In der Vergangenheit haben immer wieder ökumenische Mitarbeitende am Chung Chi College gelehrt. Diese Tradition setzt Tobias Brandner fort. Seine Lehrtätigkeit begann im Jahr 1998: Damals übernahm er eine Vorlesung und betreute ausländische Studierende aus Myanmar. Seither hat Tobias Brandner fast in jedem Semester einen Kurs übernommen. Seine kontinuierliche Mitarbeit hat im Jahr 2009 zur Berufung als Dozent mit einem Vollzeitpensum geführt. Neben der Lehrtätigkeit ist Tobias Brandner bereits seit vielen Jahren als Gefängnisseelsorger tätig. Etwa einmal in der Woche besucht er Gefangene, die aus allen sozialen Schichten stammen. Der Hochschullehrer bezieht auch seine Studierenden in die Seelsorge mit ein. Durch dieses Brückeschlagen zwischen theologischer Ausbildung und Kirche im Gefängnis wird erhofft, dass die Gefängnisarbeit dadurch verstärkt auch unter den zukünftigen Pfarrpersonen und Kirchenleitungen verankert wird.
Die Divinity School bietet Studiengänge in Theologie und Christian Studies an. Das Umfeld des Seminars und der interdisziplinäre Austausch fördern die Entwicklung einer kritischen und weltoffenen Theologie, welche Brücken zu anderen Religionen und kulturellen Strömungen zu bauen beabsichtigt. Viele der etwa 300 Studierenden - davon circa 80 Stipendiaten aus dem restlichen China, Myanmar, Kambodscha, Indonesien und den Philippinen - kommen aus konservativen Kirchen, ein grosser Anteil von ihnen aus pfingstlicher Tradition. Es sind Studierende, die sich beim Nachdenken über ihren Glauben auch mit kritischen theologischen Fragen auseinandersetzen. Die Divinity School verfolgt einen sehr progressiven Ansatz und anerkennt als wohl einzige theologische Hochschule in Südostasien die Homosexualität öffentlich.
Trotz der akademischen Zugehörigkeit ist die Divinity School finanziell unabhängig und erhält von mehreren Kirchen, darunter von der Tsung Tsin Mission of Hong Kong (TTM), der Partnerkirche von Mission 21, jährliche Beitragszahlungen. Zudem unterhält die Divinity School Beziehungen zu anderen Universitäten und Seminarien in China und anderen Teilen Südostasiens.