Partnerorganisationen in Malaysia/Sabah

Protestantische Kirche in Sabah - Protestant Church in Sabah (PCS)

Sitz: Kudat, Sabah.
Gegründet: 1966
Trägerverein: Basler Mission
Projekte: 
200.1010: Stärkung von Basisgemeinschaften
200.1017: Einkommen für Produzentinnen von Handwerksprodukten
256.1004: Schulbildung für benachteiligte Kinder

Die Entstehung der Protestantischen Kirche in Sabah PCS geht auf die 1950er Jahre zurück, als die Basler Mission ihre Arbeit unter den Rungus – einer indigenen Gruppe, die hauptsächlich im nördlichen Sabah in der Umgebung von Kudat angesiedelt sind – auf Anfrage der Rungus selbst aufnahm. Diese Entstehungsgeschichte hängt stark mit der Auseinandersetzung der Rungus mit ihrer lokalen Tradition und der überlieferten Religion zusammen. Der Glaube der Rungus war zu jener Zeit geprägt von animistischen Vorstellungen, welche zahlreiche Normen, Opfer und Verbote forderten und dadurch all ihre Lebensbereiche bestimmten. Zudem waren diese Glaubensvorstellungen nicht mit dem Modernisierungsprozess des alltäglichen Lebens vereinbar. Dies hatte zur Folge, dass die englischen Kolonialherren über die Rungus lachten und ihre Weigerung, Kokos- und Gummiplantagen anzulegen, für Arbeitsscheu und Dummheit hielten. «Sie werden aussterben müssen», sagten sie, nichtwissend, dass diese Weigerung religiöse Gründe hatte.
Die Rungus erkannten, dass sie sich von ihrer traditionellen Religion distanzieren mussten, um ihre Lebensweise verändern zu können. Sie waren überzeugt, dass diese Veränderung nur durch einen Religionswechsel möglich ist. Die Rungus wollten ihren von vielen Ängsten und Tabus besetzten Glauben aufgeben, um ihr Land ohne Furcht vor dunklen Mächten bebauen zu können. Die animistische Religion verbot ihnen nämlich, den Boden zu bearbeiten, weil sie glaubten, dass sich die Geister rächen würden. Auf ausdrücklichen Wunsch der einheimischen Bevölkerung, mit dem «Ruf der Rungus» nach einem «eigenen Basler Missionar», begann somit die Missionstätigkeit der Basler Mission (heute Mission 21) unter den Rungus. Für die Basler Christen entschieden sich die damaligen Vorsteher der Rungus, nachdem sie bereits verschiedene Religionsgemeinschaften geprüft hatten: den Islam, die Adventisten, die römisch-katholische Kirche und die protestantische Kirche der «Basler Mission». Die Gründe, sich der Basler Mission anzuschliessen, waren vielfältig: So geniesst die indigene Bevölkerung beispielsweise gerne Reiswein sowie Schweinefleisch. Weiter begegneten ihnen die Basler Missionare mit Zurückhaltung und kultureller Offenheit. Schliesslich entschieden sich rivalisierende Stämme für den katholischen Glauben, was die Entscheidung für den Protestantismus erleichterte.
Im November 1952 kam der erste Missionar für die Rungus in Kudat an, der rasch auf ein positives Echo stieß. Auch als bald neue Mitarbeiter dazu kamen, waren es vor allem die jungen Gemeinden selbst, die dafür sorgten, dass immer wieder neue Dörfer um Besuche und um Aufnahme baten. Dass diese neuen Gemeinden sich nicht als Teil der schon seit über 70 Jahren ansässigen BCCM-Kirche (Basel Christian Church of Malaysia) verstanden, sondern dass dieses Wachstum auf die Bildung einer eigenen Kirche der Einheimischen zulief, hatte folgende Gründe: Die Engländer wünschten, dass die beiden Gruppen getrennt blieben. Das entsprach auch dem Wunsch der beiden Gruppen selber. Längst hatten die Einheimischen begriffen, dass sie beziehungsweise ihre Vorfahren von den chinesischen Siedlern einst von den fruchtbaren und ebenen Landstrichen in Küstennähe verdrängt worden waren in die ungünstigere Hügellandschaft. Es fiel ihnen schwer, mit diesen Eindringlingen zusammenzuleben. Und bei den inzwischen so erfolgreichen Chinesen sah man unverhohlen auf die ungebildeten und armen Eingeborenen herab. So kam es nach einem neuen Wachstumsschub, in dessen Folge die Missionsarbeit nach dem Abzug der Engländer weiter ost- und südwärts in das Gebiet anderer indigener Gruppen vordrang, 1966 zur Gründung der Protestant Church in Sabah (PCS), mit eigener Kirchenleitung und Synode. Einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte dieser damals noch sehr jungen Kirche gab es, als der Chief Minister der Provinz Sabah in den 1970er Jahren einen strengen Kurs der Islamisierung führte und sowohl die Mitarbeitenden der Mission zum Verlassen des Landes gezwungen wurden, als auch die Kirche unter Druck kam und in ihrer Arbeit behindert wurde.
Zwischenzeitlich besteht die PCS aus Angehörigen vieler verschiedener Volksgruppen wie beispielsweise den Rungus, Tombonuo, Kimaragang, Sungai, Dusun Banggi und anderen. Heute zählt die PCS über 42'000 Mitglieder, 22 Gemeindebezirke und 324 Kirchen (inklusive Kuala Lumpur und Umgebung). Jeder Gemeindebezirk hat einen ordinierten Gemeindebezirksleiter, der je nach Grösse und Kapazität des Bezirks von einigen weiteren Pfarrpersonen und Laien unterstützt wird. Mission 21 setzt sich ein für die Stärkung der Basisgemeinschaften, den Betrieb von Schülerwohnheimen, die Ausbildung von kirchlichen Mitarbeitenden, die Frauenförderung und traditionelles Handwerk sowie die Vergabe von Stipendien an Studierende aus einfachen Verhältnissen. Zusammen mit einem indonesischen Konsulenten befindet sich die PCS unter Unterstützung von Mission 21 in einem Organisationsentwicklungsprozess zur Stärkung der theologischen, finanziellen, personellen und institutionellen Ressourcen.

Christliche Basel-Kirche in Malaysia - Basel Christian Church in Malaysia (BCCM)

Gegründet: 1887
Trägerverein: Basler Mission
Projekte:
200.1017: Einkommen für Produzentinnen von Handwerksprodukten 
225.1008: Solidarität gegen Gewalt an Frauen und Kindern
225.1020: Aufklärung und Schulung im Kampf gegen HIV/Aids 
225.1012: Berufsausbildung für Jugendliche
256.1004: Schulbildung für benachteiligte Kinder

Als die britische «Chartered Company» 1878 dem Sultan von Brunei das Gebiet des heutigen Sabahs für 35'000 Gold-Dollar abgekauft hatte, wollten ihre Vertreter aus dem Land möglichst schnell Gewinn erwirtschaften. Doch stellten sie rasch fest, dass dies mit der einheimischen Bevölkerung schwierig war. Leichter würde es mit aus China gerufenen Siedlern gehen.
So begann 1880 ein über Jahrzehnte anhaltender Zustrom von landlosen chinesischen Bauern nach Nordborneo. Bei der Anwerbung dieser Siedler gewann die Chartered Company den Basler Missionar Lechler als einen ihrer Mittelsmänner in China. So ist es nicht verwunderlich, dass unter den Einwandernden eine große Zahl von bereits in China durch die Arbeit der Basler Mission zu Christen gewordene Familien waren. Die ersten Siedler kamen in Kudat an, das damals die Hauptstadt Nordborneos war.
Diese Siedler erhielten von der Chartered Company Land zugewiesen im Hinterland von Kudat, um dort Kokosplantagen anzulegen. Spätere Einwanderer verteilten sich entlang den Küsten von ganz Nordborneo, wo sie stets selbständige Gemeinden gründeten, die bewusst an ihrer «Basler» Tradition festhielten. Untereinander hatten sie nur eine lockere Verbindung.
Erst 25 Jahre nach der ersten Einwanderungswelle baten diese Gemeinden die Basler Mission um Unterstützung bei der Schaffung einer Gesamtkirche. Ein in China bereits erfahrener Missionar wurde 1907 zu diesem Zweck nach Nordborneo geschickt. Da er deutscher Nationalität war, wurde seine Arbeit durch seine Internierung im Ersten Weltkrieg unterbrochen. Erst nach seiner Wiederausreise 1924 kam es zur Gründung der «Borneo Basel Self-established Church». Diese Kirche war also von Anfang an unabhängig. Der Name «Basel» sollte die Tradition zeigen, in der die Kirche stand, aber keine wie auch immer geartete Abhängigkeit ausdrücken. Diese Kirche war die erste Partnerkirche der Basler Mission in Asien, die die Ideale der «Drei-Selbst-Bewegung» (selbstbestimmend, selbsttragend, selbstausbreitend) praktizierte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann für den chinesischen Bevölkerungsteil eine Zeit des Aufschwungs und der Urbanisierung. Die Gründung Malaysias 1963 war für die Kirche Anlass, ihren Namen zu ändern in «Basel Christian Church of Malaysia» (BCCM). Ende der 60er Jahre trat die Kirche, dem Beispiel ihrer Schwesterkirche in Hongkong folgend, dem Lutherischen Weltbund bei.
Der Kontakt der chinesisch-stämmigen Neusiedler zu den einheimischen Volksgruppen war in den ersten 60 bis 80 Jahren nur sehr rudimentär und wohl auch noch stark von Vorurteilen gegenüber den indigenen Einheimischen geprägt. Deshalb entwickelten sich zunächst auch keine missionarischen oder sozialdiakonischen Programme gegenüber dieser an den Rand gedrängten Bevölkerung, welche noch lange in angstbesetzten Traditionen gefangen blieb. Es war Ende der 1970er Jahre, als bei der BCCM das Bewusstsein für die Lebenssituation der angestammten Bevölkerung in Sabah wach wurde. Die in verschiedenen Orten Sabahs begonnene, eigenständige Missionsarbeit der BCCM führte zur Gründung lokaler, malaysischsprachiger Gemeinden. Seit 2004 ist dieser einheimische Zweig der malaysischsprachigen BCCM-Gemeinden in einer eigenen Synode zusammengefasst, die neben der englischen und chinesischen Synode ebenfalls Teil der Gesamtsynode der BCCM ist. Sie führt den Namen BCCM - Bahasa Malaysia (BCCM-BM), umfasst acht Gemeindebezirke mit insgesamt 90 Gemeinden und zählt somit ca. 22'000 Gemeindemitglieder, welche von 46 Vollzeit Pfarrerinnen und Pfarrer betreut werden. Geographisch ist die Kirche eher in Zentral- und Westsabah vertreten, als im Gebiet der PCS (Nordsabah). Nebst Angehörigen verschiedener indigener Gruppen sind auch viele Arbeitsmigrant/innen aus Indonesien Mitglied der BCCM-BM. Obwohl die malaysischsprachige Synode grosse Anstrengungen zur Finanzierung der Gemeindearbeit in den vielen abgelegenen, ländlichen Gemeinden unternimmt, ist sie nach wie vor auf die Unterstützung der chinesisch-sprachigen Synode angewiesen, was von vielen Chinesen als Belastung empfunden wird.
Die BCCM-BM setzt sich vor allem in abgelegenen Gebieten für marginalisierte Bevölkerungsgruppen ein, denen staatliche Unterstützung fehlt. Mission 21 unterstützt Programme, die der Bevölkerung Wege zur Selbsthilfe aufzeigen. Dazu gehört die Schulbildung für Immigrantenkinder aus Indonesien und den Philippinen, denen der Zugang zu den staatlichen Schulen verwehrt ist, weil sie keine gültigen Papiere besitzen. Des Weiteren setzt sich Mission 21 ein für die Aufklärung und Schulung in Bezug auf HIV/Aids, die Frauen- und Einkommensförderung, die Sensibilisierung und Beratung für häusliche Gewalt sowie die Vergabe von Stipendien an Studierende aus einfachen Verhältnissen.

Theologisches Seminar in Sabah - Sabah Theological Seminary (STS)

Sitz: Kota Kinabalu 
Gegründet: 1988
Trägerverein: Basler Mission
Projekte: 
200.1010: Stärkung von Basisgemeinschaften
256.1004: Schulbildung für benachteiligte Kinder
256.1010: Führungskräfte für eine weltoffene Gesellschaft

Das Theologische Seminar Sabah (STS) in Kota Kinabalu wurde im Jahr 1988 auf Initiative der Basel Christian Church of Malaysia (BCCM) eröffnet und wird mittlerweile von zehn Mitgliedskirchen finanziell und personell getragen. Der malaysische Staat und nicht-christliche Stellen erkennen das STS als völkerverbindende, ökumenische und multiethnische Institution an. Auch bezüglich der Unterrichtssprache hat das STS Pionierarbeit geleistet: Es ist das erste theologische Seminar Malaysias, das erstmals ein Theologiestudium in malaysischer Sprache angeboten hat. Die grosse Relevanz des malaysischsprachigen Departements zeichnet sich dadurch aus, dass sie die meistbesuchte Abteilung ist und der indigenen Bevölkerung den Seminarbesuch sowie den Austausch mit Studierenden aus anderen ethnischen Gruppen ermöglicht. Das STS entwickelte sich von ursprünglich einem Departement (malaysischsprachig) weiter zu drei Departementen: Malaysisch, Englisch und Chinesisch. 
Die Zahl der Studierenden steigt stetig an und beläuft sich zurzeit auf 462. Der Frauenanteil beträgt um die 50 Prozent. Das STS zieht auch ausländische Studierende aus Brunei, China, Indonesien, Myanmar und den USA an. Zudem unterrichten derzeit gegen 30 Dozierende am STS Vollzeit. 
Das STS hat sein Ausbildungsangebot, begleitet von sozialen Initiativen wie Kinder- und Wohnheim, Einkommensförderung oder Suchtprävention, stetig ausgebaut und professionalisiert sowie neue Ausbildungsgänge in Sozialarbeit, Seelsorge, Beratung und Kommunikation eingeführt. Zudem hat es die Bewilligung von ATESEA (Association for Theological Education in South East Asia) erlangt, um als eine von acht Ausbildungsstätten in Südostasien das Doktorat in Theologie anzubieten. Damit kommt das STS seinem Ziel, den Universitätsstatus zu erhalten, einen weiteren Schritt näher. Es stärkt seine Position als unverzichtbare Ausbildungsstätte, die sich den sozialen Herausforderungen in einer sich rasch verändernden pluralistischen Gesellschaft stellt. Dies erscheint angesichts der sozialen und ethnischen Gräben sowie der zunehmenden Islamisierung umso wichtiger, von der auch die staatlichen Universitäten und Ausbildungsstätten betroffen sind. 
Im Jahre 2012 wurde das Asian Centre for Mission (ACM) etabliert, welches den Austausch und die Partnerschaft mit ausländischen Missionsorganisationen und theologischen Seminaren zum Ziel hat. Es soll als Zentrum für Forschung sowie Durchführung von interkulturellen Foren und Konferenzen in Bezug auf Missionsthemen in und ausserhalb Asiens dienen.
Mission 21 unterstützt die malaysischsprachige Abteilung des STS sowie das aus einer Initiative des STS hervorgegangene Kinderheim «Jireh Home». Nach einem vierjährigen Unterbruch seines Einsatzes als Dozent an der Universidad Biblica Latinoamericana (UBL) in Costa Rica, ist der ökomenische Mitarbeiter von Mission 21, Daniel Gloor, seit Dezember 2013 wieder als Theologiedozent am STS tätig.