meine «heimliche Heldin»

Starke Frauen gibt es nicht nur im Süden, sondern auch bei uns. Sicherlich fallen Ihnen Frauen ein, die in Ihrer Kirchgemeinde oder Ihrem persönlichen Umfeld heimlich still und leise Enormes leisten – Frauen, die sich ohne grosses Aufsehen für ein besseres Leben in Kirche und Gesellschaft, am Arbeitsplatz und in der Familie engagieren. Diesen Frauen möchten wir Anerkennung verschaffen und Platz einräumen: hier auf unsere Webseite und in unserer Zeitschrift «nachrichten». Machen Sie mit und schicken Sie uns ihre «heimliche Heldin» möglichst bis Mitte Oktober an herbstkampagne@ich-will-keinen-spammission-21.org.

Ruth Epting, die erste Pfarrerin der Schweiz

Ganz so heimlich ist sie vielleicht nicht, ist Ruth Epting doch vielen «Insidern» bestens bekannt. Dennoch möchten wir ihrer Person und ihrem Wirken hier einen Platz einräumen. Zu ihrem 92. Geburtstag erschien ein Artikel in der Basellandschaftlichen Zeitung:

Für die Frauen und gegen alle Widerstände

Ruth Epting, die zu den ersten Pfarrerinnen der Schweiz gehört, spielte eine prägende Rolle in der Frauenbewegung der Nachkriegszeit.

VON LUCAS HUBER

Wenn Ruth Epting runde Geburtstage feiert, erscheinen zu ihren Ehren Bücher: Festschriften für die Ehrendoktorin der Universität Basel, honoriert 1987. Vor zwei Jahren war es der 90., der für Furore sorgte. Frauen aus der ganzen Welt kamen, um Glückwünsche persönlich zu überbringen. Frauen, die die Baslerin zusammengebracht, aufgeweckt, stark gemacht hatte. Das nämlich war stets der Mittelpunkt ihres Tuns: Der Kampf um die Frauenrechte, die feministische Theologiebewegung, mit der sie Frauen den Weg in die Freiheit aufzeigte. Ruth Epting trat stets für die Rechte ihres Geschlechts ein. Nicht politisch, stattdessen nutzte sie ihre Bühne: die kirchliche. Ihre Tür stand stets offen, wie ihr Herz offen stand – und steht. Bis vor Kurzem leitete sie noch einen Frauenkreis auf dem Bruderholz. Frauen, denen sie durch schwierige Zeiten half und denen sie für immer verbunden bleiben wird.

Erste Pfarrerin der Schweiz
Ruth Epting ist eine Frau der ersten Stunde. Vor genau 50 Jahren wurde sie zusammen mit neun Geschlechtsgenossinnen als erste Frau in den Basler Bürgerrat gewählt. 1971 wurde sie berufen, als Missionarin nach Afrika überzusiedeln. Zwei Jahre verbrachte sie dort, um gläubige Kameruner zu Pfarrern auszubilden. «Menschen zum Vertrauen zu Gott zu führen, das war mir immer das Wichtigste», sagt sie lächelnd. Elf Jahre zuvor wurde sie – gemeinsam mit fünf weiteren Frauen – zur ersten Pfarrerin der Schweiz gewählt. Und das zu Zeiten, in denen selbst in der evangelischen Kirche Pfarrerinnen ehe- und kinderlos zu sein hatten. Doch Ruth Epting hatte sich für diesen Weg entschieden – und bereut es bis heute nicht. Trotz der Widerstände gegen sie als Frau, die ihr allenthalben entgegenschlugen. Niemals vermochten sie diese aber von ihrem Weg abzubringen.

Für die Freiheit frei
Mit der Pensionierung 1981 lehnte sie sich aber keineswegs zurück. Vier Jahre zuvor hatte sie der ökumenische Rat beauftragt, für die Frauen sämtlicher christlicher Gemeinden in Europa einen gemeinsamen Weg zu suchen. So entstand das Ökumenische Forum christlicher Frauen in Europa, das heute noch existiert und dem Ruth Epting seit 1986 als Ehrenpräsidentin erhalten blieb. Ohne ihren Einsatz gäbe es das Forum in seiner Form wohl nicht. Unter diesem Aspekt erschien auch ihr heute vergriffenes Buch «Für die Freiheit frei», in dem sie den theologischen Weg der Frau in die Freiheit beschrieb. Heute ist sie 92. Man sieht ihr die Jahre nicht an, man ahnt sie höchstens wegen des Lebenslaufs, der so eindrücklich ist wie einmalig. Die Ohren hörten nicht mehr so gut, sagt sie, und die Augen sähen nicht mehr so gut, «aber sonst geht es mir prima.» Ihren Haushalt meistert sie selbständig in der Wohnung, die sie seit 1958 bewohnt. Von einer allfälligen Festschrift zu ihrem 100. will sie nichts wissen. Fast schon empört winkt sie ab: «Das Heute und das Morgen; was wissen wir mehr?»

Die Festschrift zu Ruth Eptings 90. Geburtstag «Weaving dreams - Träume weben» kann für CHF 20 bestellt werden bei meehyun.chung@ich-will-keinen-spammission-21.org

Beatrice Schnelli Naikuni

Beatrice Schnelli Naikuni

Inge Neugebauer, Kunstpädagogin am Gymnasium St. Antonius in Appenzell M.A. in African Studies, Universität Basel, schreibt:

«Beatrice Schnelli Naikuni ist für mich eine «Heimliche Heldin». Im Internet bin ich auf sie gestossen, zufällig oder auch nicht. Erste Kontaktaufnahme per Email und dann per Telefon: «Wer bist du? Was machst du?...» und so manche Frage mehr. Sie stammt aus Kisumu, der drittgrössten Stadt Kenias. Die Stadt, in der sie lebt, heisst Winterthur. Sie ist eine aktive Schweizerin und «Brückenbauerin» im Nord-Süddialog neben einem Vollzeitberuf. Mut, Pioniergeist, und ein grosses Mass an Lebensfreude zeichnen sie aus. Intelligent ist sie, herzlich und weltoffen, aber vorsichtig mit dem Vertrauen. Sie gehört zur Gruppe der Schweizer Afrikanerinnen, die in Eigeninitiative ein soziales Entwicklungsprojekt von nachhaltiger Qualität in ihrem Heimatland aufgebaut haben, das Frauen und Kindern vor Ort mittels Direkthilfe ein besseres und selbständigeres Leben ermöglicht. Im Jahre 2008 gründete sie die Kisumu Kanyakwar Women Group als Antwort auf die Gewaltausbrüche in Kisumu nach den Parlamentswahlen. Diese trafen arme Frauen in den urbanen Slums besonders hart. Ihr Projekt, das mit Kleinkrediten für zehn Frauen begann, ist mit der Unterstützung von Bekannten und Freunden stetig gewachsen. 2009 wurden im Slum von Nyalanda drei Wasserkioske gebaut, welche die Mitglieder der Frauengruppe betreiben. Im Juli 2011 kam ein Kindergarten mit integrierter Vorschule hinzu, um Frauen die Kinderbetreuung abzunehmen. Sie können so leichter durch Handel im informellen Sektor etwas Geld verdienen. Ein kleines Gesundheitszentrum mit einer Basisverpflegung soll folgen. Beeindruckend ist nicht nur das Erreichte, das ich vor Ort selber sah, sondern auch Frau Schnelli Naikunis kontinuierliches Engagement und ihre Durchhaltekraft. Ich wünsche ihr für ihre philanthropische Mission viele gute Menschen, die sie hierbei tatkräftig unterstützen. Liebe Beatrice, es ist super was du machst und was du im christlichen Sinne der Nächstenliebe bereits zustande gebracht hast!»

Meine Grossmütter

 

Maria Magdalena Zimmermann, Direktorin ad interim bei mission 21, erinnert sich an zwei starke Frauen in ihrem Leben:

 

 

«Geprägt haben mich meine zwei Grossmütter, auf deren Vornamen auch ich getauft worden bin. Sie waren alles andere als berühmt, sind in keine Geschichtsbücher eingegangen und haben auch kein Denkmal erhalten. Und doch leben sie in meinem Namen weiter und mit Bewunderung erinnere ich mich, wie sie als einfache Bergbäuerinnen eine Grossfamilie in widrigsten Umständen durchgebracht haben im festen Vertrauen auf Gott, der ihnen immer wieder das zum Leben nötige geben würde.»

Lisel Pool

Pia Müller, Geschäftsleiterin Basler Mission und Kollektenverein fällt an dieser Stelle Lisel Pool ein:

Lisel Pool

«Ich habe Lisel Pool 2003 kennen gelernt: Am Informations- und Begegnungstag von mission 21 stand mir eine bodenständige, lebensfrohe Hausfrau aus Langenbruck gegenüber. Sie erzählte mir, dass sie seit ihrem 16. Lebensjahr jahraus und –ein als Sammlerin des Kollektenvereins in Langenbruck und Umgebung unterwegs sei. Auch heute als 83-jährige Witwe verteilt sie noch regelmässig und mit Überzeugung die «nachrichten» der Mission. Ausserdem steht seit Jahren eine Dankesbüchse, die sie persönlich vom Missionar Göttin übernommen hat, in ihrer Wohnstube. Frau Pools Herz schlägt für Menschen in Übersee und hier, sie setzt sich aktiv - sei es als Sammlerin, als Samariterin, in Kommissionen oder Veranstaltungen sowie als begeisterte Sängerin - für die Verbesserung der Lebensumstände anderer ein. In ihrer Wohngemeinde ist die Ehrenbürgerin als hilfsbereite, fröhliche Ehrenamtliche weithin bekannt und beliebt. Mir persönlich ist sie ein Vorbild als Christin und starke Frau.»