{"id":1519,"date":"2019-12-02T00:00:00","date_gmt":"2019-12-01T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mission-21.org\/ueberlegenheitsgefuehl-und-respekt\/"},"modified":"2023-05-11T18:05:37","modified_gmt":"2023-05-11T16:05:37","slug":"sentido-de-superioridad-y-respeto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/ueberlegenheitsgefuehl-und-respekt\/","title":{"rendered":"Sentimiento de superioridad y respeto"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;China is now really opened, was nicht so war, als G\u00fctzlaff schrieb: China opened.&#8220; Diese Worte der Begeisterung sandte Missionar Philipp Winnes im Jahre 1858 seinen Vorgesetzten in Basel. Der Grund dieser Begeisterung lag in der Verabschiedung der Vertr\u00e4ge von Tianjin. Endlich, so Winnes, war China &#8222;offen&#8220;, sollte nun unbeschr\u00e4nkte Missionst\u00e4tigkeit in China erlaubt sein, unter dem milit\u00e4rischen Schutz kolonialer Armeen. Diese w\u00fcrden eingreifen, sollten Missionare von Banditen angegriffen oder von Beamten schikaniert werden. Philipp Winnes, der von 1852-65 als Missionar in China t\u00e4tig war, \u00e4usserte sich erleichtert aufgrund eigener Erfahrung: nur wenige Jahre zuvor musste er die Hilfe britischer Soldaten beanspruchen, um in seinem Haus in Pukak, im s\u00fcdchinesischen Landesinnern, aus der Hand lokaler Banditen gerettet zu werden.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Jahrhundert der Dem\u00fctigung&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Die Vertr\u00e4ge von Tianjin geh\u00f6ren zu den &#8222;ungleichen Vertr\u00e4gen&#8220;. Diese waren China im 19. Jahrhundert von den Kolonialm\u00e4chten aufgezwungen worden. Noch heute gelten sie als Inbegriff der Dem\u00fctigung Chinas w\u00e4hrend einer Zeit politischer Schw\u00e4che, als die Qing-Dynasty ihrem Ende entgegen ging. Einiges am derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung Chinas ist angetrieben vom Wunsch, nie mehr von Kolonialm\u00e4chten so erniedrigt zu werden, wie es im &#8222;Jahrhundert der Dem\u00fctigung&#8220; geschah. Heute jedoch ist die historische Erfahrung, dass China durch Kolonialm\u00e4chte ausgebeutet wurde, zu einem festen Bestandteil politischer Rhetorik geworden. Es geh\u00f6rt zur st\u00e4ndigen Regierungspropaganda, das Christentum im Allgemeinen und ausl\u00e4ndische Kirchen und Missionen im Speziellen als den Interessen der Nation entgegengesetzt darzustellen. Die Regierung nutzt die Vergangenheit gezielt, Christinnen und Christen unter Druck zu setzen und sie den Zielen der kommunistischen F\u00fchrung anzupassen. In den Augen der Regierung ist die Sache klar: Religion steht nicht nur den Grundwerten einer sozialistischen Gesellschaft entgegen, sondern sie ist Teil eines kolonialen Angriffs auf China, wie die Missionsgeschichte zeigt.<\/p>\n<p><strong>Teil des kolonialen Expansionsprojekts?<\/strong><\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t ist komplexer und l\u00e4sst sich nicht so einfach in schwarz-weisse Denkmuster zw\u00e4ngen. Zwar haben alle Missionen, somit auch die Basler Mission, vom Kolonialgeschichte \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl und Respekt Schutz durch Kolonialm\u00e4chte profitiert \u2013 in China ebenso wie in anderen Teilen der Welt. Und alle Missionen standen in direktem Zusammenhang mit dem westlichen kolonialen Expansionsprojekt. Ein ber\u00fchmtes Beispiel dieses Zusammenhanges ist der deutsche Lutheraner Karl F. A. G\u00fctzlaff (1803-51), der als unabh\u00e4ngiger Missionar im fernen Osten wirkte und der \u00fcberhaupt der Grund daf\u00fcr ist, dass Basler Missionare nach China entsandt wurden. Denn G\u00fctzlaff hatte dem Komitee wiederholt geschrieben und es dazu ermutigt. Er selbst war als \u00dcbersetzer angestellt auf einem Schiff, das Opiumhandel betrieb; daneben nutzte er die Abendstunden, um an Land evangelische Traktate zu verteilen. Doch es war derselbe G\u00fctzlaff, der sich fr\u00fcher als viele andere Missionare um echte Inkulturation k\u00fcmmerte \u2013 also sich um das Einbringen christlicher Glaubensinhalte in die chinesische Kultur bem\u00fchte \u2013 und damit das zuk\u00fcnftige Vorgehen der Basler Mission pr\u00e4gte. Es war auch G\u00fctzlaff, der \u00fcberzeugt war, dass die wirkliche Evangelisierung Chinas nicht durch Ausl\u00e4nder, sondern durch lokale Mitarbeitende zu geschehen hat. Entsprechend gr\u00fcndete er selbst eine Schule f\u00fcr einheimische Missionare.<\/p>\n<p><strong>Sozial progressiver Beginn \u2013 konservative Wende<\/strong><\/p>\n<p>Die Basler Missionare des 19. Jahrhunderts waren anf\u00e4nglich gepr\u00e4gt vom sozial progressiven Geist Christian Gottlieb Blumhardts (1779-1838), der seit 1816 als erster Inspektor der Basler Mission wirkte. Blumhardt verstand, dass Mission auch die Wiedergutmachung von Ungerechtigkeit einschloss, und propagierte, wie andere Vertreter der Erweckungsbewegung, dezidiert die Abschaffung der Sklaverei. Doch mit dem dritten Inspektor der Basler Mission, Joseph Friedrich Josenhans (1812-84), begann ab 1850 ein konservativerer Geist zu dominieren: Gehorsam und Unterordnung wurden zu wichtigen Tugenden. Bei allem Respekt gegen\u00fcber den verschiedenen ethnischen Kulturen waren die Basler Missionare gepr\u00e4gt von einem kulturellen \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl gegen\u00fcber China, das sie von f\u00fchrenden deutschen Philosophen geerbt hatten: Johann Gottfried Herder hatte die chinesische Zivilisation als kindlich, naiv und gefangen in einem leeren Zeremonialismus beschrieben. Der Idealist Georg W.F. Hegel sah China gepr\u00e4gt von einem despotischen System, wo nur der Herrscher frei sei. Die fr\u00fchen Basler Missionare sahen ihre Aktivit\u00e4ten deshalb \u2013 aus heutiger Sicht durchaus kulturell \u00fcberheblich \u2013 als Teil eines sozialen Transformationsprozesses, der die Menschen in China aus spiritueller Gefangenschaft, Unwissen und Aberglauben befreien w\u00fcrde. Unterschiedliche Interessen Doch wir tun den Basler Missionaren in China unrecht, sie nur als Anh\u00e4ngsel der kolonialen Expansion und als in \u00dcberlegenheits-gef\u00fchlen gefangen zu verstehen. Zun\u00e4chst ist daran zu erinnern, dass die Interessen der Kolonialwirtschaft mit jenen der Missionen oft kollidierten. An verschiedenen Orten S\u00fcdasiens und S\u00fcdostasiens bef\u00fcrchteten die britischen Kolonialisten, dass die Missionare den sozialen und damit den kolonialen Frieden gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Sie empfanden sie als st\u00f6rend und unterbanden gelegentlich gar missionarische Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Arbeit bei der Volksgruppe der Hakka <\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeit der Basler Mission richtete sich an die Hakka, eine chinesische Volksgruppe, die vor allem in den h\u00fcgeligen Randgebieten der fruchtbaren Ebenen S\u00fcdchinas siedelten und aus deren Reihen eine wichtige Revolutionsbewegung des 19. Jahrhunderts hervorging, die Taiping. Der erste Basler Missionar in China, Theodor Hamberg, hatte enge Beziehungen zu F\u00fchrungskreisen der Taiping-Bewegung und er war beeindruckt von ihrem sozialen Projekt. In einem Bericht an Basel beschreibt er die Situation in der von den Taiping eingenommenen Hauptstadt Nanjing: &#8222;Alle in den St\u00e4dten gewonnenen Sch\u00e4tze gehen zu der grossen Staatskasse, und aus dieser allgemeinen Kasse bekommt jeder seine Nahrung und Kleidung, aber keinen besonderen Lohn an Geld. Mehrere hundert Buchdrucker sollen besch\u00e4ftigt sein, das Wort Gottes nebst anderen Traktaten zu drucken und der Taih phin wang [der Titel des Anf\u00fchrers Hong Xiuquan] soll selbst diese Arbeit beaufsichtigen.&#8220; (Halbjahresbericht 1853 (Jan. 1854), A-1.2 Nr. 47, S. 1) Es zeigt sich, dass die N\u00e4he zu einer benachteiligten Volksgruppe wie den Hakkas Missionare in ihren sozialen und politischen Visionen pr\u00e4gte. Ihre Pr\u00e4senz im Hinterland Chinas, unter der verarmten Landbev\u00f6lkerung, hatte implizit befreiende Wirkung. Medizin und Bildung kamen Menschen am gesellschaftlichen Rand zugute, die unter dem Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung litten. Und die Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr einfache Bauern-m\u00e4dchen legten den Grundstein f\u00fcr eine gerechtere Position der Frauen in der Gesellschaft. Als nach dem Sieg Maos das Leben f\u00fcr die Basler Missionare immer schwieriger wurde und sie schliesslich China verlassen mussten, fiel es vielen Einheimischen schwer, von den Missionaren Abschied zu nehmen. Sie hatten erlebt, dass diese fremdartigen Menschen, auch wenn von der siegreichen Partei als b\u00f6se Kolonialisten verschrien, von einer tiefen Liebe f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung getrieben wurden.<\/p>\n<p><em>Text: Tobias Brandner, internationaler Mitarbeiter von Mission 21 in Hongkong und China<\/em><\/p>\n<p><a href=\"\/was-wir-tun\/internationale-einsaetze\/internationale-mitarbeitende\/rundbriefe-tobias-brandner\">\u25ba Rundbriefe von Tobias Brandner<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mission-21.org\/was-wir-tun\/projektlaender\/laender\/hongkong\" title=\"Projekte Hongkong\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u25ba Projektarbeit Hongkong<\/a><\/p>\n<p><!-- Link Back --><\/p>\n<div class=\"news-backlink-wrap\"><a href=\"\/informieren\/news\"><strong><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tAlle News<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/strong><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Misi\u00f3n de Basilea comenz\u00f3 su labor en China en 1847, que al principio se vio atrapada entre los intereses coloniales y el compromiso social. En general, tuvo un efecto especialmente liberador en la poblaci\u00f3n rural.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":1520,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_searchwp_excluded":"","site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"iawp_total_views":290,"footnotes":""},"categories":[153],"tags":[418],"land":[],"wirkungsbereich":[],"class_list":{"0":"post-1519","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-netzwerk","8":"tag-buch-und-archiv"},"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1519"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1776,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1519\/revisions\/1776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1519"},{"taxonomy":"land","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/land?post=1519"},{"taxonomy":"wirkungsbereich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mission-21.org\/es\/wp-json\/wp\/v2\/wirkungsbereich?post=1519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}