Dialog über Hiob in Koran und Bibel

Nicht nur über interreligiösen Dialog reden, sondern ihn gleich praktizieren: So lautete das Ziel einer Veranstaltung über die Hiobsfigur am 23. Januar im Missionshaus. Es war ein spannender Abend mit Gesprächen über Leid und Gerechtigkeit im Islam und Christentum

Die Geschichte des Hiob berührt grosse Fragen des Menschseins. Warum widerfährt guten Menschen Leid? Hat dieses Leiden einen Sinn? Und wie kann man ihm begegnen? Mit diesen Fragen setzten sich Christinnen und Christen, Musliminnen und Muslime an einer Veranstaltung der Reihe "Dialog International" auseinander.  Einführende Referate halfen beim Einstieg: Die Islamwissenschaftlerin Dilek Ucak-Ekinci sprach über Ayyub (Hiob) im Koran, Theologe Uwe Hummel über Hiob in der Bibel.

Im Anschluss an die Referate diskutierten die Teilnehmenden ausgewählte Textstellen aus Bibel und Koran. In den Kleingruppen kamen Menschen unterschiedlichen Glaubens direkt ins Gespräch. Daraus entstanden Erkenntnisse, zum Beispiel, dass Hiob in der Bibel Gott direkt anklagt – im Koran hingegen gibt es diese Klagen nicht. Die Gespräche führten auch zu neuen Fragen. Steckt hinter allem Leid ein grosser Plan? Ist es notwendig für die persönliche, individuelle Entwicklung? Manches blieb offen, doch die Diskussionen gaben neue Hinweise. Insbesondere ein Exkurs von Pfarrerin Dr. Marie-Claire Barth-Frommel öffnete neue Sichtweisen. Sie untersuchte die Textstellen, in denen Gott sich Hiob offenbart und zeigte detailliert auf, wie die verschiedenen Übersetzungen einzelner Worte zu einem unterschiedlichen Verständnis der entsprechenden Zeilen führen können. 

Der Abend endete mit einem Blick auf künstlerische Darstellungen des Hiob aus sieben Ländern – und mit Applaus für die Referierenden Uwe Hummel und Dilek Ucak-Ekinci, die die gemeinsame Lektüre und den anschliessenden Austausch mit ihrem Fachwissen und ihren Beiträgen ermöglicht haben.

Interreligiöser Dialog ist ein wichtiger Teil der Friedensarbeit von Mission 21 – erfahren Sie mehr über unsere Projekte.

► Lesetipp: "Ich gebe auf und tröste mich" von Marie-Claire Barth-Frommel und Daniel Barth.

► Interview in der ZEIT zum Buch

Text und Fotos: Miriam Glass