Feuerbrigade Hongkong

Ein Bild - eine Geschichte aus dem Archiv der Basler Mission: Feuer wärmt und auf ihm kann man kochen. Mit Feuer kann man die Nacht erhellen und Signale versenden. Mit Feuer können unerwünschte Dinge verbrannt werden. Feuer kann aber auch zerstören. Und wenn es dies tut, muss es bekämpft werden, bevor es zu viel Schaden anrichtet. Zum Beispiel durch eine Feuerwehr.

Das Bild, das wir heute vorstellen, trägt den Titel "Spritzenleute". Es ist unverkennbar ein gestelltes Bild. Im Vordergrund knien in mehreren Reihen offensichtlich Chinesen, glattrasiert und mit Helmen versehen, die an asiatische Kegel- oder Spitzhüte erinnern. Im Hintergrund stehen schnauzbärtige Männer. Sie tragen zum Teil Hüte und zum Teil ebenfalls Helme, jedoch in einer anderen Form als diejenige der Chinesen. Rechts schliesslich stehen zwei Männer stolz auf Leitern. Es scheint, als würden sie die ganze Szene überwachen.

Das Bild zeigt die Feuerwehr von Hongkong, irgendwann in der Zeit zwischen 1868 und 1890. Es ist nicht bekannt, wann genau und von wem es gemacht worden ist.

Hongkong wurde im Jahr 1843 zu einer britischen Kronkolonie. Drei Jahre später wurde der Brandschutz von den britischen Behörden staatlich organisiert und unterstand der Hong Kong Police Force. Eine eigenständige Berufsfeuerwehr wurde mit der Gründung der Hong Kong Fire Brigade am 9. Mai 1868 ins Leben gerufen.

Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehr orientierten sich am System Gross-britanniens. Erster Leiter der Fire Brigade von Hong Kong war Charles May, der als Polizeibeamter und Schatzmeister in der Kolonialverwaltung tätig gewesen war. Ihm unterstanden 61 Berufsfeuerwehrleute – alles Nicht-Einheimische – und rund 100 chinesische Freiwillige.

Das Bild offenbart die klare Trennung zwischen den Berufsfeuerwehrleuten, die für ihre Arbeit ausgebildet und bezahlt wurden, und den Freiwilligen. Die Unterschiede zeigen sich in der Ausrüstung und in der Uniform, aber auch im ganzen Habitus. Hier wird nicht ein einheitliches Team porträtiert, das bei einem Einsatz auf Augenhöhe zusammen arbeitet, sondern zwei Gruppen, bei der die eine Befehle ausgibt und die andere diese ausführt. So wirken die Chinesen auch nicht wie Personen, die sich freiwillig für einen Dienst an der Öffentlichkeit gemeldet haben, sondern eher wie Kriegsgefangene, die von ihren Wärtern bewacht und als Beute präsentiert werden.

Leider wissen wir nichts darüber, wie die Hongkonger Fire Brigade im Alltag agiert hat. Der erste Kommandant Charles May hingegen ist in Erinnerung geblieben. Nach ihm ist das im Jahr 2004 eröffnete Hauptquartier der Hongkonger Polizei benannt, ein Wolkenkratzer von über 200 Metern mit 47 Stockwerken.

Text: Patrick Moser, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv von

Mission 21.

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