Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Der Missbrauch von Kindern als Soldaten und Soldatinnen ist eine schwere Kinderrechtsverletzung. Jährlich sind schätzungsweise über 250‘000 Kinder betroffen. Weltweit wird jeweils am 12. Februar an ihr Schicksal erinnert – mit dem Ziel, diesen Missbrauch zu beenden. Auch im Südsudan werden Kinder durch diesen Missbrauch ihrer Kindheit beraubt. Dagegen setzen sich Mission 21 und unsere Partner ein und leisten Traumaarbeit für betroffene Kinder.

Der Südsudan ist das zweitärmste Land der Welt. Dies vor allem durch den jahrelangen Konflikt, der das Land bis heute spaltet. Kinder und Jugendliche sind die grossen Leidtragenden des Bürgerkrieges im Südsudan. Viele davon sind Waisen oder werden durch ihre Eltern vernachlässigt, weil diese durch den Krieg selbst so stark traumatisiert sind, dass sie sich kaum noch um ihre Kinder kümmern können.

Dadurch befinden sich die Kinder oftmals in einer Notsituation. Der Bürgerkrieg und seine Folgen haben ihnen bereits in jungen Jahren tiefe Wunden gerissen und sie ihrer Kindheit beraubt. Auf sich allein gestellt, ohne Beschäftigung und Tagesstruktur, verbringen sie ihre Tage auf der Strasse, sind vielen Gefahren ausgesetzt und verlieren dabei an Lebensfreude, Hoffnung und Würde. In ihrer verzweifelten Situation werden sie zu leichten Opfern. Vor allem Buben sind stark der Versuchung ausgesetzt, mit der Waffe in der Hand ein vermeintlich selbstbestimmtes und besseres Leben als Kindersoldaten zu führen.

Traumatisiert durch Gewalterfahrungen

So sind laut aktuellen Angaben der UNO im Südsudan momentan mehr als 20‘000 Kinder betroffen. Teils wurden sie mit leeren Versprechungen auf eine bessere Lebenssituation angelockt. Viele aber wurden auf ihrem Heimweg von der Schule zwangsrekrutiert und müssen nun als Kindersoldaten am Konflikt teilnehmen. So setzen sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Nächsten aufs Spiel.

Jahrelange Gewalterfahrungen traumatisieren die Kinder und Jugendlichen stark. Viele, die versuchen aus den Truppen oder Söldnereinheiten zu fliehen, werden erschossen. Aber auch wenn sie es schaffen, sich aus dieser schlimmen Situation zu befreien, ist der Weg zurück in ein normales Leben für die ehemaligen Kindersoldaten und Kindersoldatinnen sehr schwer. Nicht zuletzt leiden sie oftmals unter einer riesigen Bildungslücke.

Schutz und Bildung für betroffene Kinder und Jugendliche

Seit dem Jahr 2002 bietet das Muhaba Centre in Renk im Norden des Südsudans Schutz und Bildung für besonders gefährdete Kinder und Jugendliche. Das Kinderzentrum bietet ihnen einen sicheren Zufluchtsort, in dem sie einen strukturierten Alltag erleben, geprägt von Frieden und Geborgenheit.

Der Schulunterricht hat im Kinderzentrum höchste Priorität. Die Kinder, die neu ins Zentrum kommen, werden zunächst einzeln betreut und erhalten eine professionelle, dabei liebevolle Traumabehandlung, bevor sie zusammen mit den anderen unterrichtet werden. Das Muhaba Kinderzentrum hat eine Primarschule, die nach südsudanesischem Curriculum arbeitet und die Kinder auf die Sekundarschule und manche sogar auf eine weiterführende Hochschule vorbereitet. Zudem werden die Jugendlichen beim Besuch der weiterführenden Schulen weiter unterstützt.

Doch die Kinder im Muhaba benötigen noch viel mehr als Bildung, deshalb wird im Kinderzentrum viel Wert auf einen strukturierten Alltag gelegt, in dem auch psychosoziale Betreuung eines jeden Kindes Platz hat, gemeinsame Andachten durchgeführt werden, aber auch viel zusammen gespielt werden darf. Dadurch soll den Kindern zurückgegeben werden, was ihnen vorenthalten wurde.

Bau eines Mädchenhauses im Muhaba Centre

Bis anhin können nur Buben im Muhaba auch wohnen; nur einige Mädchen haben aktuell die Möglichkeit, am Tag im Kinderzentrum die Schule zu besuchen. Dabei müssen sie jedoch täglich einen kilometerlangen und gefährlichen Schulweg auf sich nehmen, mit der ständigen Angst, überfallen oder sogar vergewaltigt zu werden.

Durch den Bau eines Mädchenhauses erhalten nun diese und viele weitere Mädchen ebenfalls die Möglichkeit, im Kinderzentrum Muhaba zu wohnen und somit mehr Schutz und besseren Zugang zu Bildung zu erhalten. Damit wird für sie ein Traum wahr, da nur sehr wenige Mädchen im Südsudan die Chance auf Bildung, vor allem Sekundarschulbildung haben. Die Möglichkeit, im Mädchenhaus des Kinderzentrums Muhaba zu leben, hilft den Mädchen, ihr Leben aktiv zu gestalten, indem sie ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können.

Text: Babice Schlumpf-van Waardenburg

 

Spenden Sie jetzt für eine bessere Zukunft für Kinder im Südsudan

► Lesen Sie hier mehr zum Kinderzentrum Muhaba im Südsudan

► Schauen Sie hier einen Film an über das Kinderzentrum Muhaba

► Schauen Sie hier einen Film der UNICEF an über die Situation der Kindersoldaten im Südsudan