Krise in Kamerun: unbeachtet und vergessen

Eine Liste der vergessenen Krisen veröffentlicht jährlich der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC). Zum zweiten Mal in Folge belegt Kamerun den obersten Platz auf dieser traurigen Liste. Das Land wird durch drei Krisenherde immer mehr bedroht.

Die Liste des „Norwegian Refugee Council“ führt Krisen auf, die Millionen Menschen betreffen und die dennoch viel zu wenig Beachtung erhalten. Kamerun steht nun erneut an der Spitze dieser vergessenen Krisen. Der früher als vorbildlich wahrgenommene westafrikanische Staat wird heute von drei Seiten bedroht.

Im englischsprachigen Westen des Landes herrscht Gewalt wegen des Bürgerkriegs zwischen Separatisten und Regierungstruppen. Im Norden verschärft sich der Terror durch die islamistische Miliz Boko Haram. Und im Osten des Landes führt der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik zu Flüchtlingsströmen nach Kamerun.

Auf mehreren Ebenen vergessen

Die Menschenrechtsorganisation NRC führt drei Kriterien an, auf der die Liste der am meisten vernachlässigten Krisen weltweit basiert. Es mangle am politischen Willen, die Krise zu meistern, sowohl lokal wie international. Das mediale Interesse an der Situation sei zu gering und die internationale Unterstützung sei mangelhaft.

Die Corona-Pandemie werde die humanitären Krisen weltweit zudem noch verstärken, befürchtet der Generalsekretär des NRC, Jan Egeland, am 9. Juni vor den Medien. "Wir brauchen die Solidarität mit diesen konfliktgeplagten Gemeinschaften, jetzt mehr denn je", betonte Egeland.

Kirchen als Hoffnungsträger noch mehr gefordert

Im Fall von Kamerun bedeutet dies, dass auch die Kirchen vor Ort noch mehr Unterstützung benötigen. „Es sind gerade im englischsprachigen Westen Kameruns die Kirchen, die den Benachteiligten beistehen und sie sowohl in der Flüchtlingskrise aufgrund des Bürgerkriegs wie auch in der Corona-Krise mit dem Nötigsten versorgen“, sagt Angelika Weber, Programmverantwortliche Kamerun bei Mission 21.

Insbesondere die Presbyterianische Kirche PCC leistet zusammen mit Mission 21 im Zusammenhang mit Covid-19 beachtliche Nothilfe. Gemeinsam wurden 500 Handwasch-Stationen erstellt, Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und an die Gemeinden in den Dörfern sowie an behelfsmässige Flüchtlingscamps im Busch verteilt. Die Aktivitäten der Nothilfe aufgrund der Anglophonen Krise wie medizinische Unterstützung, Verteilung von Lebensmitteln und die Unterstützung bei einkommensschaffenden Massnahmen sind wichtiger denn je.

Text: Christoph Rácz, Foto: Tata Isac

► Der Beitrag auf der Website des Norwegian Refugee Council (Englisch)

► Der Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 10. Juni 2020

► Programm für Nothilfe und Wiederaufbau von Mission 21

► Spenden Sie jetzt