Kamerun: «Ohne die Zentren für Traumaheilung wären wir verrückt geworden»

Lumumba Togho Mukong aus Kamerun beschreibt die Situation der Menschen im englischsprachigen Teil des Landes. Dort sorgt ein Konflikt zwischen Separatisten und Regierung für Gewalt und Vetreibungen.

Lumumba Mukong spricht leise, doch was er sagt, hat Kraft. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, die am 5. Mai seinen Vortrag im Basler Missionshaus besuchen, hören ihm in angespannter Stille zu. Lumumba Mukong koordiniert seit 2016 die Projekte von Mission 21 in Kamerun. Seit seinem Stellenantritt hat sich ein seit langem schwelender Konflikt zwischen Separatisten und Zentralregierung immer weiter verschärft. Die Zivilbevölkerung gerät zwischen die Fronten und wird oft Opfer der Auseinandersetzungen. (Mehr Informationen zum Konflikt finden Sie hier)

 Lumumba Mukong am Infoabend zu Kamerun in Basel

 

Gebrochen durch Gewalt

Was das für die Menschen vor Ort bedeutet, benennt Lumumba Mukong mit klaren Worten. Er sagt: «Die Menschen sind körperlich gebrochen durch Wunden von Gewehren und Macheten. Sie sind emotional gebrochen durch erzwungene Inhaftierung, Entführungen, den Verlust von Angehörigen, den Verlust ihrer Heimat. Sie leben mit der Angst, vertrieben zu werden. Es sind Menschen, die wirtschaftlich gebrochen sind, da ihre Lebensgrundlagen zerstört wurden. Geschäfte wurden niedergebrannt, lokale Märkte funktionieren nicht mehr».

Mit dem Programm für Nothilfe und Wiederaufbau in Kamerun fängt Mission 21 diese Menschen auf, soweit es möglich ist. «Wir konzentrieren uns bewusst nicht auf die Treiber des Konflikts, dessen Ursachen oder Lösungen», sagt Lumumba Mukong. «Für uns sind die Menschen wichtig, die davon betroffen sind und Hilfe brauchen.»

Hinter den Zahlen stehen individuelle Schicksale

Von einigen dieser Menschen erzählt Lumumba Mukong am Informationsabend im Missionshaus. Zum Beispiel von einer schwangeren Frau, die nach dem Tod ihres Mannes mit zwei Kindern allein in der Stadt Bamenda lebte, inmitten eines Viertels, in dem die Gewalt besonders präsent war. Nach ihrer Flucht in den französischsprachigen Teil des Landes war sie vollkommen auf sich allein gestellt. Sie hatte keine Nahrung für sich und die Kinder, von Vorsorge-Untersuchungen in der Schwangerschaft ganz zu schweigen. Im Kontakt mit den Projektmitarbeitenden zeigte sich, dass sie stark traumatisiert ist. «Dieser Mutter können wir helfen: Wir können sie mit Lebensmitteln unterstützen und für medizinische Betreuung sorgen. Es stellte sich heraus, dass sie mit Vierlingen schwanger ist», so Mukong.

Dieses Schicksal ist eines von sehr vielen. Hinter jedem der über 500'000 Vertriebenen in diesem Konflikt steht eine individuelle Geschichte. Lumumba Mukong zeigt das Foto einer Schulklasse und sagt: «Jedes dieser Kinder ist traumatisiert. Manche haben die Eltern verloren, andere Gewalt mit angesehen, wieder andere bekommen seit Tagen nichts zu essen.»

Psychosoziale Begleitung ist zentral

Mit all dem umzugehen, sei schwierig. Es helfe jedoch die eigene Erfahrung: «Auch wir Projektmitarbeitenden sind Vertriebene», sagt Mukong. Das Büro musste wegen des Konflikts von Bamenda in eine andere Stadt umziehen.

«Die wichtigste Lektion, die wir in den vergangenen Jahren gelernt haben, ist, dass die psychosoziale Begleitung absolut entscheidend ist», sagt Mukong. Das bedeutet: Nahrung, Kleidung, Bildung und Wiederaufbau sind wichtig. Wenn die Menschen durch ihre Erlebnisse jedoch stark traumatisiert sind, hat weitergehende Hilfe zunächst kaum einen Effekt. Jemand, der völlig gebrochen ist, kann sich kaum etwas Neues aufbauen, auch wenn Geld zur Verfügung steht. Zuerst muss diese Person stabilisiert werden.

Trauma-Healing Centers als Anlaufstellen

Dafür führt Mission 21 mit ihren lokalen Partnern mehrere Trauma-Healing-Centers – Anlaufstellen für traumatisierte Vertriebene. «Ohne diese Zentren wären wir verrückt geworden», sagt Mukong. Doch es gelinge immer wieder, die Menschen zu stärken. Wie die Frau, die auf einem der Fotos von Lumumba Mukong vor einem kleinen Laden steht. «Auch sie hatte nichts mehr. Mit einem Startkapital von rund 300 Franken hat sie es aber geschafft, ein Geschäft zu eröffnen. Heute braucht sie unsere Hilfe nicht mehr, wenn ihr Kind ins Spital muss», berichtet Mukong.

Diese Geschichten motivieren ihn, mit seiner Arbeit weiterzumachen. Zudem ist jedes Zeichen der Unterstützung ein Lichtblick. «Unser Antrieb sind die Beiträge vieler Kirchgemeinden, von Spenderinnen und Spendern in der Schweiz und in Deutschland», sagt Mukong. «Sie geben uns konkrete Handlungsmöglichkeiten, und sie geben uns immer wieder Hoffnung».

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