Wir stellen uns der Geschichte

Die Missionstätigkeit Europas erscheint ambivalent: Neben Beispielen respektvoller Begegnung stehen solche westlicher Überheblichkeit oder rassistischen Verhaltens. Wir nehmen dieses Spannungsverhältnis in den Blick.

Im Zusammenhang mit der Black Lives Matter-Bewegung beschäftigt sich die Öffentlichkeit in vielen Teilen der Welt mit den Ursprüngen von Rassismus und Diskriminierung. Ins Blickfeld gerückt sind dabei insbesondere der transatlantische Sklavenhandel sowie das historische Erbe des Kolonialismus. Thematisiert wird auch immer wieder die Rolle von Missionsgesellschaften. Mission 21 hat sich zum Ziel gesetzt, mit eigenen Veranstaltungen einen Beitrag zu den aktuellen Debatten zu leisten und ein Forum dafür zu schaffen. Wir begrüssen ausdrücklich die kritische Aufarbeitung der Geschichte – auch der eigenen – und möchten
diese vorantreiben. Dahinter steht auch die Frage, was wir aus der Vergangenheit für unseren heutigen Umgang mit Rassismus, Diskriminierung und der Geschichte der Sklaverei lernen können.

Grosses Interesse an Webinaren
Im April und Mai 2021 haben wir unter dem Titel «Mission – Slavery – Colonialism Revisited » zwei Webinare zu den Themenkomplexen «Mission und Sklaverei» und «Mission und Kolonialismus » durchgeführt. Mit internen und externen Referierenden aus der Schweiz und aus dem Ausland haben wir eine breite Öffentlichkeit angesprochen und nicht nur ein Fachpublikum.
An den beiden Webinaren nahmen jeweils über 100 Interessierte teil. Diese grosse Resonanz ist sehr erfreulich. Sie zeigt, dass die Themen vielen Menschen ein Anliegen sind und dass sie mehr darüber erfahren möchten. Aus den Präsentationen und den anschliessenden lebhaften Diskussionen ging klar hervor, dass Begriffe wie «Sklaverei» oder «Kolonialismus» sehr differenziert und aus dem jeweiligen historischen Kontext zu betrachten sind. Zwischen Missionsgesellschaften und Kolonialmächten gab es Verbindungen, die von Spannungen und Widersprüchen geprägt waren. Etwa in Kamerun, von wo das Bild zu diesem Beitrag stammt. Hier war die Basler Mission in näherem Kontakt mit den Einheimischen als die Kolonialregierung. Es kam zu Konflikten, als die Kolonialmacht Landenteignungen plante. Die Missionare stellten sich dabei auch auf die Seite der Einheimischen.
Die Webinare und die positiven Rückmeldungen haben uns dazu bewogen, weitere Veranstaltungen zu planen. Die Online-Veranstaltung «zwischen Rassismus und Respekt» brtachte während drei Tagen Interessierte aus aller Welt ins Gespräch mit Expert*innen in vier Kontinenten. Zudem finden Sie in unserem Online-Dossier Video-Aufnahmen der Webinare und Zusatz-Informationen.

Text: Patrick Moser und Claudia Buess, Mission 21

►www.mission-21.org/mission-revisited