Indonesien/Malaysia, Landwirtschaft und Existenzsicherung

Einkommen für Produzentinnen von Handwerksprodukten

Projektsumme: CHF 117'185
Projektnummer: 200.1017

Stammesgemeinschaften wie die Dajak und Murut in Borneo beherrschen ein vielfältiges traditionelles Flechthandwerk mit Rattan und Bambus. Im Projekt lernen Frauen, marktfähige Produkte zu entwickeln und zu produzieren. Den Produzentinnen werden Geschäftsbeziehungen mit geeigneten Handelsorganisationen ermöglicht. Viele finden mittlerweile Absatz für ihre Ware und erzielen damit neben ihrer landwirtschaftlichen Selbstversorgung ein Einkommen, das sie beispielsweise für den Schulbesuch ihrer Kinder verwenden können.

Hintergrundinformationen

Die Insel Borneo (Kalimantan) ist sehr fruchtbar. Dadurch können sich die meisten Familien auf dem Land zwar vom Ertrag ihres Bodens ernähren, aber viele haben kein Geld, um andere Bedürfnisse zu decken und zum Beispiel ihre Kinder zur Schule zu schicken. Zudem ist die Insel reich an Bodenschätzen und somit attraktiv für grosse Bergbau- und Plantagenunternehmen. Diese versuchen mit legalen und illegalen Mitteln, sich das Land anzueignen und entreissen so den Ansässigen ihre Lebensgrundlage.

Die Flechtkunst der Frauen ist neben der Landwirtschaft ein wesentlicher Teil der Arbeit und Kultur dieser Gemeinschaften. Durch das Projekt «Einkommen für Produzentinnen von Handwerksprodukten in Borneo» können Frauen in Kalimantan und Sabah mit ihrem traditionellen Flechthandwerk ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Unter Anleitung von lokalen und Schweizer Fachleuten lernen die Frauen, ihre Produkte den wechselnden Ansprüchen des Marktes anzupassen. So kann die Flechtkunst als Einkommensquelle langfristig gesichert und ausgebaut werden. Allerdings wird es wegen der fortschreitenden Zerstörung des Waldes durch Rohstoffkonzerne für die Produzentinnen immer schwieriger, an die benötigten Rohstoffe zu gelangen. Massnahmen zur Sicherung dieser Rohstoffquellen sind daher Teil des Projekts.

Projektziele

Frauen in ländlichen und städtischen Umgebungen erzielen ihr eigenes Einkommen aus dem Verkauf handwerklicher Produkte, ohne die Subsistenzlandwirtschaft aufzugeben oder dadurch in die Abhängigkeit von Fabriken zu gelangen. Der Nachschub an Rohmaterialien wird durch nachhaltige Bewirtschaftung gesichert.

Zielgruppen

Primäre Zielgruppe sind Subsistenzbäuerinnen, die zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auf ein Einkommen angewiesen sind, zum Beispiel für den Schulbesuch ihrer Kinder. Auf Frauen mit Familie, Witwen und Alleinerziehende zielen die Angebote im städtischen Umfeld.

Aktivitäten

  • Schulungen in Produktentwicklung, Preiskalkulation, Qualitätssicherung, Marketing, Business-Organisation

  • Interreligiöse, gemeinschaftliche Zusammenarbeit der Produzentinnen

  • Anbau der für das Flechthandwerk geeigneten Materialien auf dem Feld und im Wald (zum Beispiel Rattan)

  • Workshops zur Entwicklung und Produktion von Flecht-, Textil- und Kombinationsprodukten

  • Pilotprojekte zur Produktion und Vermarktung weiterer Produkte, zum Beispiel traditioneller Leckereien

  • Vergabe von Mikrokrediten zum Geschäftsstart

  • Vermittlung von Praktika für Produzentinnen aus abgelegenen Gegenden in regionale und nationale Produktions- und Vermarktungszentren

  • Marketing und Verkauf der Produkte über regionale Handelsorganisationen

Projektfortschritt

Aktuell sind 226 Produzentinnen in Gruppen an 14 Standorten aktiv. Mindestens 9 weitere Gruppen sind bereits eigenständig und bedürfen keiner weiteren Schulung mehr.

Flechtarbeiten aus Rattan sind die Hauptprodukte der Produzentinnen im ländlichen Raum. Ein grosser Teil dieser Rattan-Produkte gehen im Direktverkauf weg. Die Produzentinnen erzielen damit ein nach lokalen Standards angemessenes Einkommen.

Im städtischen Umfeld hat sich das Konzept der Nähkurse mit der Produktionswerkstatt in Banjarmasin bewährt. Es erschliesst zahlreichen Absolventinnen Einkommensquellen. In zwei weiteren Städten haben Absolventinnen selbst wieder solche Projekte lanciert, die sich lokal finanzieren.

Kombinierte Produkte wie Taschen aus Stoff und Rattan-Geflecht erweisen sich auch im regionalen Markt als attraktiv. Das von den Produzentinnen mit ihren Handwerksprodukten in diesem Projekt jährlich erzielte Nettoeinkommen übersteigt seit 2014 den jährlichen Projektaufwand. Die Vermarktung über regionale Handelsorganisationen wird vorangetrieben.