Peru, Bildung

Ganzheitliche Theologie im indigenen Kontext (SASP)

Projektsumme: CHF 11'500
Projektnummer: 476.1022

Die theologische Hochschule «Seminario Andino San Pablo» (SASP) bietet eine theologische Grundausbildung sowie eine universitäre theologische Ausbildung an. Die universitäre Ausbildung richtet sich an künftige Pastorinnen und Pastoren und findet in Zusammenarbeit mit der Universidad Biblica Latinoamericana (UBL) in Costa Rica statt. Das SASP hat seinen Sitz in der Stadt Huancayo in den peruanischen Zentralanden.

Ein Schwerpunkt des SASP ist die Förderung von Frauen, daher bietet die Hochschule eine eigene akademische Theologieausbildung sowie einen Theologiekurs für Frauen an. Zusätzlich führt das Institut Theologiekurse in Gemeinden des nahe gelegenen Regenwaldes durch.

Hintergrundinformationen

Peru befindet sich auf dem Weg in den religiösen Pluralismus. Rund 20 Prozent der Bevölkerung gehören einer evangelischen Kirche an. Etwa drei Viertel von ihnen sind Mitglieder von Pfingstkirchen oder anderer konservativ ausgerichteter Kirchen. Die evangelischen Kirchen spielen in der peruanischen Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Führende evangelische Theologinnen und Theologen beklagen allerdings einen Mangel an theologischer Reflexion. Die Pfarrerinnen und Pfarrer gehen nicht auf die kulturelle Vielfalt des Landes ein und vermitteln in einer Gesellschaft, in der die Gemeinschaft von zentraler Bedeutung ist, ein individualistisches und zum Teil fundamentalistisches Verständnis des Evangeliums. Trotz des anhaltenden Wirtschaftswachstums ist der Alltag geprägt von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen: Armut, ungerechte Verteilung der Ressourcen und des Landes, Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung. Besonders evangelische Gemeinden im Tiefland spüren im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung Amazoniens den Wandel und die Zerstörung ihres Lebensraumes.

Projektziele

  • Theologiestudierende sowie Absolventinnen und Absolventen der Erwachsenenbildung und der universitären Ausbildung bringen ökumenische und interkulturelle Praktiken in ihre Herkunftsgemeinden ein und stärken die diakonische Perspektive.

  • Frauen, die Weiterbildungen oder den universitären Studiengang abschliessen, bringen sich mit ihrem neu erworbenen theologischen und gesellschaftlichen Wissen in ihre Kirchgemeinden ein und übernehmen Führungsaufgaben in Kirche und Gesellschaft.

Zielgruppe

Jährlich besuchen rund 40 Frauen, vor allem aus dem Hochland, den Pastoralkurs für Frauen. Dazu nehmen rund 110 Studierende an Weiterbildungskursen und am akademischen Theologieausbildungsgang teil. Einige Absolventen haben die Möglichkeit, für den akademischen Abschluss des Studiums an die UBL nach Costa Rica zu gehen. Die Angebote werden von Angehörigen verschiedener christlicher Denominationen wahrgenommen.

Aktivitäten

  • Durchführung eines Diplom- und «Bachillerato»-Studiengangs in Theologie, Bibelwissenschaft und Gemeindearbeit.

  • Durchführung von Theologiekursen, die die einheimische Sprache und Kultur der indigenen Bevölkerung des Regenwaldes wertschätzen.

  • Erstellung eigener Unterrichtsmaterialien, die an den Kontext der Gemeinden im Hochland wie auch im Tiefland angepasst sind.

  • Durchführung von Weiterbildungskursen für Frauenpastoral und Workshops zur theologischen Reflexion über die Rolle der Frau in

  • Bibel und Gemeinde.

Projektfortschritt

Das Seminar San Pablo hat eine ökumenische und diakonische Perspektive. Ziel ist es, Teilnehmende auch aus konservativeren Kirchen zu gewinnen, damit sie eine ökumenische Perspektive in ihre Gemeinden zurücktragen. Deswegen arbeitet das Seminar San Pablo beharrlich daran, dass die Teilnehmenden von ihren jeweiligen Kirchen an die Kurse des Seminars delegiert werden. Im Jahr 2016 waren insgesamt 151 Personen immatrikuliert (Teilnehmerinnen der Frauenpastoralkurse sowie Studierende der akademischen Ausbildung). Bei einem grossen Teil der im kirchlichen Dienst stehenden Studierenden werden Predigt und Seelsorge durch die kontextuelle Bibellektüre positiv beeinflusst und Umweltthemen werden explizit im Gottesdienst und in der Katechese aufgenommen.