Bolivien, Bildung

Gelebte Vielfalt durch interkulturellen Dialog (ISEAT)

Projektsumme: CHF 57'500 (2019)
Projektnummer: 420.1005

Das Höhere Ökumenische Institut für Andine Theologie, «Instituto Superior Ecuménico Andino de Teología» (ISEAT), bietet evangelischen und katholischen Studierenden in La Paz eine theologische Ausbildung auf Fachhochschulniveau. Daneben vermittelt das «biblisch-pastorale Programm Grundlagen in Bibelkunde und Seelsorge. Alle Studienprogramme berücksichtigen die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt der Andenregion und sehen sich der Ökumene und dem interkulturellen Dialog verpflichtet. In den gesellschaftspolitischen Konflikten Boliviens ist das ISEAT für Kirchen eine Plattform, um sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen und eine gemeinsame Stimme zu entwickeln.

Hintergrundinformationen

Über 60 Prozent der Bevölkerung Boliviens haben indigene Wurzeln. Aymaras und Quechuas machen einen grossen Teil davon aus. Lange wurden sie wirtschaftlich marginalisiert und kaum in politische Entscheidungsprozesse miteinbezogen. 2005 wurde Evo Morales zum ersten indigenen Präsidenten in der Geschichte Boliviens gewählt, 2009 und 2014 wurde er in seinem Amt bestätigt. Seit Beginn seiner Amtszeit befindet sich das Land in einem Veränderungsprozess. 2009 hat es sich sowohl eine neue Verfassung als auch einen neuen Namen gegeben: «Plurinationaler Staat Boliviens». Die neue Verfassung sichert allen Bürgerinnen und Bürgern ein «gutes Leben» (buen vivir) zu. Dabei geht es um ein Zusammenleben in Vielfalt und in Harmonie mit der Natur, aber auch um die allgemeine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Traditionelle Lebensformen können dabei Gegenentwürfe zur Globalisierung liefern und die Dekolonisierung vorantreiben. Mit seinem Ausbildungsangebot unterstützt das ISEAT diesen Veränderungsprozess, setzt sich aber gleichzeitig kritisch mit dieser staatspolitischen Utopie und ihrer Umsetzung auseinander.

Projektziele

Ziel des ISEAT ist es, eine solide theologische Ausbildung anzubieten, die der Situation der Studierenden in Bolivien und den Bedürfnissen der Kirchgemeinden gerecht wird. In sogenannten Nivellierungskursen bereiten sich die künftigen Studierenden, die eine sehr unterschiedliche Vorbildung mit­bringen, auf das Studium vor. In allen Studienprogrammen lernen sie, in Basisgemeinden zu arbeiten und soziale Verantwortung zu übernehmen.

Zielgruppen

  • Personen, die ein Theologiestudium absolvieren wollen und Interesse an interkulturellen Fragen haben

  • Gemeindeleiterinnen und -leiter

  • Engagierte Mitglieder von Kirch- und Basisgemeinden

  • Mitarbeitende aus Nichtregierungsorganisationen und weitere Berufsleute, die sich im theologischen und interkulturellen Bereich weiterbilden wollen

Aktivitäten

  • Das Theologiestudium auf Fachhochschulniveau

  • Das «biblisch-pastorale Programm» für künftige Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter. Dieses vermittelt Grundlagen in Seelsorge und Bibelkunde für die Arbeit mit Basisgruppen in den Gemeinden.

  • Das ISEAT arbeitet auch interdisziplinär mit Gewerkschaften, lokalen Regierungen und Behörden sowie Nichtregierungsorganisationen zusammen. Das Institut sensibilisiert sie dafür, den Einfluss kultureller und religiöser Vorstellungen in ihren Arbeitsfeldern wahrzunehmen, insbesondere in den Bereichen Entwicklung, Sozialarbeit und interkulturelle Bildung. Entsprechende Weiterbildungen werden angeboten.

  • Das ISEAT nimmt an Events und Konferenzen teil (unter anderem zu Themen aus den Bereichen feministische Theologie, Ökotheologie, Theologie im interkulturellen Kontext) oder organisiert selbst entsprechende Anlässe. Zudem veröffentlicht die Ausbildungsstätte wissenschaftliche Arbeiten und publiziert die «Revista Fe y Pueblo», eine ökumenische Zeitschrift, die gesellschaftsrelevante Themen aufnimmt und theologisch reflektiert.

Projektfortschritt

Theologische Ausbildung: 2017 waren insgesamt 34 Frauen und 96 Männer immatrikuliert. Neun davon haben ihre Ausbildung zum Theologen, bzw. zur Theologin auf Fachhochschulniveau inzwischen erfolgreich abgeschlossen.

Biblisch-pastorales Programm: 2017 nahmen insgesamt 112 Personen aus verschiedenen kirchlichen Gruppierungen und Gemeinden und aus verschiedenen Regionen Boliviens am Ausbildungsprogramm teil. Die meisten setzen das Gelernte in ihrer Herkunftsgemeinde bzw. in ihrem beruflichen Alltag bereits in die Praxis um.

Seit Juli 2018 ist Nelson Gutierrez als neuer Rektor im Amt.