Bolivien, Bildung

Gelebte Vielfalt durch interkulturellen Dialog (ISEAT)

Projektnummer: 420.1005

Das Höhere Ökumenische Institut für Andine Theologie, «Instituto Superior Ecuménico Andino de Teología» (ISEAT), bietet evangelischen und katholischen Studierenden in La Paz eine theologische Ausbildung auf Fachhochschulniveau. Daneben vermittelt das «biblisch-pastorale Programm» Grundlagen in Bibelkunde und Seelsorge. Alle Studienprogramme berücksichtigen die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt der Andenregion und sehen sich der Ökumene und dem interkulturellen Dialog verpflichtet. In den gesellschaftspolitischen Konflikten Boliviens ist das ISEAT für Kirchen eine Plattform, um sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen und eine gemeinsame Stimme zu entwickeln.

Hintergrundinformationen

Über 60 Prozent der Bevölkerung Boliviens haben indigene Wurzeln. Aymaras und Quechuas machen einen grossen Teil davon aus. Lange wurden sie wirtschaftlich marginalisiert und kaum in politische Entscheidungsprozesse miteinbezogen. 2005 wurde Evo Morales zum ersten indigenen Präsidenten in der Geschichte Boliviens gewählt. Morales‘ Wahl stärkte zunächst die gesellschaftliche Position der von Armut betroffenen Indigenen. Bei den Wahlen 2019 kam es zu Unregelmässigkeiten. Morales trat zurück und lebt heute im Exil, Interimspräsidentin ist Jeanine Áñez.

Bolivien befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Die Verfassung Boliviens sichert allen Bürgerinnen und Bürgern ein «gutes Leben» (buen vivir) zu. Dabei geht es um ein Zusammenleben in Vielfalt und in Harmonie mit der Natur, aber auch um die allgemeine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Traditionelle Lebensformen können dabei Gegenentwürfe zur Globalisierung liefern und die Dekolonisierung vorantreiben. Mit seinem Ausbildungsangebot unterstützt das ISEAT diesen Veränderungsprozess, setzt sich aber gleichzeitig kritisch mit dieser staatspolitischen Utopie und ihrer Umsetzung auseinander.

Projektziele

Das ISEAT bietet eine solide theologische Ausbildung ann, die der Situation der Studierenden in Bolivien und den Bedürfnissen der Kirchgemeinden gerecht wird. In allen Studienprogrammen lernen die Teilnehmenden, in Basisgemeinden zu arbeiten und soziale Verantwortung zu übernehmen.

Zielgruppen

• Personen, die ein Theologiestudium absolvieren wollen und Interesse an interkulturellen Fragen haben

• Gemeindeleiterinnen und -leiter

• Engagierte Mitglieder von Kirch- und Basisgemeinden

• Mitarbeitende aus Nichtregierungsorganisationen und weitere Berufsleute, die sich im theologischen und interkulturellen Bereich weiterbilden wollen

Aktivitäten

• Das Theologiestudium auf Fachhochschulniveau

• Das «biblisch-pastorale Programm» für künftige Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter. Dieses vermittelt Grundlagen in Seelsorge und Bibelkunde für die Arbeit mit Basisgruppen in den Gemeinden.

• Das ISEAT arbeitet auch interdisziplinär mit Gewerkschaften, lokalen Regierungen und Behörden sowie Nichtregierungsorganisationen zusammen. Das Institut sensibilisiert sie dafür, den Einfluss kultureller und religiöser Vorstellungen in ihren Arbeitsfeldern wahrzunehmen, insbesondere in den Bereichen Entwicklung, Sozialarbeit und interkulturelle Bildung. Entsprechende Weiterbildungen werden angeboten.

• Das ISEAT nimmt an Events und Konferenzen teil (unter anderem zu Themen aus den Bereichen feministische Theologie, Ökotheologie, Theologie im interkulturellen Kontext) oder organisiert selbst entsprechende Anlässe. Zudem veröffentlicht die Ausbildungsstätte wissenschaftliche Arbeiten und publiziert die «Revista Fe y Pueblo», eine ökumenische Zeitschrift, die gesellschaftsrelevante Themen aufnimmt und theologisch reflektiert.

Projektfortschritt

Theologische Ausbildung: Aktuell sind insgesamt 65 Studierende immatrikuliert. 

Biblisch-pastorales Programm: 2017 nahmen insgesamt 112 Personen aus verschiedenen kirchlichen Gruppierungen und Gemeinden und aus verschiedenen Regionen Boliviens am Ausbildungsprogramm teil. Die meisten setzen das Gelernte in ihrer Herkunftsgemeinde bzw. in ihrem beruflichen Alltag bereits in die Praxis um.

Seit Juli 2018 ist Nelson Gutierrez als neuer Rektor im Amt.

 

Informationen zur Corona-Krise

Das ISEAT kann seine Kurse im Studienprogramm Religionswissenschaft und Theologie trotz den Einschränkungen der Pandemie COVID-19 durchführen. Dazu war es nötig, den Unterricht auf eine virtuelle Lernplattform umzustellen. Die niederschwellige Bildungsarbeit direkt mit Kirchgemeinden gestaltet sich im Moment wegen den Ausgangssperren schwierig. Das ISEAT hofft, dass diese Kurse im zweiten Halbjahr wieder stattfinden können, vor allem diejenigen, welche in Stadtquartieren in El Alto oder La Paz geplant sind.