Tansania, Bildung

Gesicherte Lebensgrundlagen für Frauen und Jugendliche in Tansania

Projektnummer: 186.1503

Berufsmöglichkeiten, welche die Lebensgrundlagen sichern, sind in Tansania angesichts der schlechten Wirtschaftslage rar. Besonders die Jugend leidet unter Perspektiv- und Arbeitslosigkeit. Auch Frauen haben oft keine Möglichkeit, sich zu bilden und beruflich zu verwirklichen. Vielfach sind sie in der traditionellen Rollenverteilung gefangen und haben in der Gesellschaft kaum Mitspracherechte. Um diese Problematik anzugehen, sind die Partnerkirchen von Mission 21, die Süd- und die Südwestprovinz der Moravian Church in Tanzania (MCT), in der Berufsbildung tätig. Durch Aus- und Weiterbildungen erhalten Jugendliche und Frauen reelle Chancen, selbstständig ihren Unterhalt zu verdienen und einen Weg aus Armut und Abhängigkeit zu finden.

Hintergrundinformationen

Über 50 Prozent der tansanischen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Ein Grossteil von ihnen wächst in Armut auf. Ihre Bildungschancen und Berufsperspektiven sind eingeschränkt, ihre Chancen auf ein eigenständiges Leben gering. Auch die Situation der Frauen ist problematisch. Mädchen müssen oft von klein auf im Haushalt und auf dem Feld helfen. Nur 5 Prozent der weiblichen Bevölkerung besuchen eine weiterführende Schule. Die zwei Partnerorganisationen von Mission 21 setzen sich für die Förderung von Jugendlichen und Frauen ein. In den Berufsbildungszentren in Kyela und in der Stadt Mbeya können Jugendliche eine Ausbildung in Automechanik, Hauselektrik, Schreinerei, Schneiderei, Sekretariat, Hotelmanagement und Englisch absolvieren. An beide Einrichtungen ist eine Fahrschule angeschlossen. Es werden Computerkurse angeboten und Informationen zu Solartechnik, allgemeinen Lebenskompetenzen und HIV-Prävention fliessen in die Ausbildungen mit ein. Mädchen und Waisen werden gezielt mit Stipendien unterstützt. Auch die wirtschaftlichen und sozialen Chancen von Frauen werden gefördert. Für sie gibt es spezielle Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Ernährung, Familienplanung, HIV und Frauenrechte. Zudem stehen die Partner den Frauen bei alltäglichen Problemen beratend zur Seite.

Projektziele

Oberziele:

Die Fähigkeiten von Frauen und Jugendlichen werden gestärkt, so dass sie unabhängig ihre Existenz sichern, ein selbstständiges Leben in Würde führen und aktiv zur Gesellschaft und zur lokalen Wirtschaft beitragen können.  

Unterziele:

  Junge Menschen erhalten in den Berufsausbildungszentren staatlich anerkannte Berufsabschlüsse und sind befähigt, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen

  Verbesserte Berufsausbildungen ermöglichen es Absolventinnen und Absolventen, Arbeit zu finden oder selbstständig erwerbstätig zu sein 

• In den Berufszentren werden eigenverantwortliches Handeln sowie individuelles soziales und gesellschaftliches Engagement gefördert und die Persönlichkeitsentwicklung wird stimuliert

  Frauen sind befähigt, selbstständig ein Einkommen zu generieren

  Frauen sind durch den Erwerb von Wissen in grundlegenden Lebensbereichen besser ausgebildet (Gesundheitsversorgung, Ernährung, Familienplanung, HIV, Frauenrechte)

  Frauen kennen ihre individuellen Rechte, insbesondere bezüglich sexueller und häuslicher Gewalt

  Frauen haben ein gestärktes Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und grössere Selbstbestimmung

  Frauen und Männer sind gleichgestellt

Zielgruppe

Jugendliche, darunter Waisenkinder, sowie Frauen und ihre Familien aus der Region Mbeya. Pro Jahr erreichen die Projekte ca. 500 Jugendliche und 100 Waisenkinder in den Berufsschulen, mindestens 500 Frauen und ihre Familien direkt und ca. 200‘000 Frauen und ihre Familien indirekt. Zur Zielgruppe gehören auch Lehrpersonen der Ausbildungszentren und Ausbildungsseminare.

Aktivitäten

  Förderung des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zu Sekundär-  und/oder Tertiärausbildungen

  Förderung von Berufsausbildungen für Frauen und Jugendliche

  Errichtung und Einführung von gemeinsamen Standards und Lehrplänen für eine nachhaltige Bildung in den Berufsbildungszentren in Mbeya und Kyela

  Vergabe von Werkzeugkoffern oder Nähmaschinen an Absolventinnen und Absolventen der Elektrik-, Schreiner- und Nähausbildungen, damit sie sich selbstständig machen können

  Förderung einkommensschaffender Massnahmen für Frauen durch Trainings, Coaching, Austausch und kleine Kredite

  Vermittlung von Kenntnissen im Finanzbereich, die es den Projektteilnehmern erlauben Dienstleistungen im Finanzbereich zu nutzen, zum Beispiel die Gemeinschaftsbanken ihrer Dörfer (Village Community Banks)

  Durchführung von Regionalseminaren für Frauen zu den Themen Pädagogik, HIV, Kinder- und Frauenrechte

  Kontinuierliche psychosoziale Beratung und Begleitung von Frauen in Notlagen

 

Projektfortschritt

2019 haben die Ausbildungen in den Berufsschulen dazu beigetragen, die steigende Jugendarbeitslosigkeit in der Projektregion zu bekämpfen. Mittlerweile gibt es sieben Zentren, in denen Jugendliche eine praktische, qualitativ hochstehende und staatlich anerkannte Ausbildung geniessen können. Diese ermöglicht es ihnen, nach dem Abschluss eine Anstellung zu finden oder als selbstständig Erwerbende tätig zu sein und selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Denselben Effekt hatte die Gründung einer Gruppe von zehn Näherinnen in Rungwe, der «Pamoja Tunaweza». Die Gruppe produziert hochwertige Näharbeiten, die sie an Märkten im In- und Ausland verkauft. Die Näherinnen erzielen dadurch ein Einkommen, dank dem sich ihr Lebensstandard deutlich verbessert hat.

Seit Dezember 2018 ist in Rungwe ein Gästehaus in Betrieb, das jungen Menschen und vor allem Frauen Arbeitsmöglichkeiten verschafft. Die Einnahmen kommen der Arbeit mit Menschen, die an HIV erkrankt sind, zugute. In Kyela wurde die Berufsschule barrierefrei umgebaut. Künftig sollen auch Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen dort unterrichtet werden, für die es bisher fast keine Ausbildungsmöglichkeiten in der Region gibt. Bis November 2019 unterstützte die Schweizerin Simona Kühni im Rahmen des PEP-Programms von Mission 21 für ein Jahr die Lehrpersonen in der Berufsschule in der Stadt Mbeya. Sie gab Englisch- und Französischunterricht und erarbeitete Unterrichtsmaterial.

 

Ausblick: Projektausbau

Das oben beschriebene Projekt zur Sicherung der Lebensgrundlagen für Frauen und Jugendliche soll in der laufenden Projektphase erweitert werden. Zunächst fliessen Spenden in das Basisprojekt und die oben genannten Aktivitäten. Bei ausreichender Finanzierung sieht der Projektausbau den Aufbau von Berufsschulen vor, um den steigenden Bedarf nach tertiärer Bildung zu decken.

  Aufbau einer Landwirtschaftsschule in der Region Chunya

  Errichtung von Demonstrationsgärten und Feldern

  Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen