Chile, Costa Rica, Peru, Friedensförderung

Gewalt überwinden - Selbstbestimmung ermöglichen

Projektnummer: 400.1021

Gewalt ist in allen lateinamerikanischen Ländern und deren fragilen Demokratien ein weit verbreitetes und strukturelles Problem. Unsere Projektpartner setzten sich insbesondere gegen die Gewalt an Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen, sowie gegen häusliche, sexualisierte und genderbasierte Gewalt ein. Von letzterer Form der Gewalt sind vor allem Frauen und Mädchen aber auch sexuelle Minderheiten betroffen. Es kann sich um psychologische, ökonomische oder körperliche Gewalt handeln, die sowohl im öffentlichen wie im häuslichen Raum stattfinden. Die Arbeit gegen genderbasierte Gewalt umfasst ein breites Spektrum an thematischen Arbeitsbereichen u.a. häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt, Zwangsprostitution, sowie Frauen- und Kinderhandel. Unsere Partner sind sowohl in der Präventionsarbeit wie auch in der Begleitung von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt tätig. Häusliche Gewalt mündet in Lateinamerika nicht selten im Femizid – Frauenmord - der die radikalste Form der genderbasierten Gewalt darstellt. Häusliche Gewalt kann aber auch in sexueller Gewalt münden. Neben Frauen sind oft auch deren Kinder sowie Jugendliche von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen.

 

Hintergrundinformationen

Die Möglichkeiten der Zivilgesellschaft, sich politisch zu beteiligen, sind in Lateinamerika in den letzten Jahren zwar gestiegen. Umwelt-, Menschenrechts- und Frauenorganisationen beobachten die Politik der Regierungen genaustens und betreiben eine aktive Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit. Doch genau dieses Engagement birgt für die Aktivistinnen und Aktivisten grosse Risiken. Viele von ihnen sind Repression, Verfolgung und Angriffen ausgesetzt. Trotzdem engagieren sie sich für diejenigen, die weiterhin keine Stimme haben.

Nirgends auf der Welt ist die Gewalt an Frauen dermassen ausgeprägt wie in Lateinamerika. Seit einigen Jahren hat sie epidemische Ausmasse erreicht. Zahlreiche Länder Lateinamerikas stehen bezüglich Frauenmorde und Vergewaltigungen weltweit an der Spitze einer erschreckenden Statistik. Die zur Eindämmung von Covid-19 erlassenen Ausgangssperren haben die Situation zusätzlich verschärft. Oft werden zudem Strafnormen gegen häusliche Gewalt nicht oder nur unzureichend umgesetzt, denn dazu mangelt es an politischem Willen der Regierungen.

Der Begriff Femizid umfasst u. a. den Mord an einer Frau infolge Gewalt in der Partnerschaft, die Folter und/oder Tötung von Frauen aus Frauenfeindlichekeit, das Töten von Frauen und Mädchen im Namen der „Ehre“, das gezielte Töten von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten sowie Fälle von Femizid in Verbindung mit Banden- oder organisierter Kriminalität, Drogen- sowie Frauen- und Mädchenhandel.

Nicht nur Frauen, sondern auch Kinder und Jugendliche waren in Lateinamerika schon immer überproportional häuslicher Gewalt ausgesetzt. Auf Grund der zusätzlichen Stressfaktoren (z.B. anhaltende Schulsschliessungen seit März 2020) hat sich die Situation seit Ausbruch der Corona-Pandemie auch für sie um ein Vielfaches verschlechtert.

 

Projektziele 2022 - 2025

Peru

  • Aneignung (sexueller) Gewaltprävention in ruralen Gemeinden von Cusco. Arbeit mit Gemeindemitgliedern, Gremien der Gemeinden und staatlichen Stellen (Flora Tristan)
  • Audiovisuelle Sensibilisierungskampagnen in Quechua uns Spanisch (Flora Tristan)
  • Umfassende rechtliche und psychologische Opferbegleitung (Flora Tristan)
  • (Wirtschaftliche) Bestärkung von Frauen aus ruralen Gemeinden (Flora Tristan)
  • Verminderung der Gewalt an Punos Schulen und in den Familien der SchülerInnen (EMAUS)
  • Verminderung der häuslichen Gewalt in Puno durch die Entpatriarchalisierung der Familien (ISAIAS)
  • Umsetzung der bereits bestehenden Gesetzgebungen gegen Gewalt an Frauen (ISAIAS)

Bolivien

  • Schaffung sicherer und integrativer Lebensräume für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung in den Städten La Paz, El Alto und Riberalta zum Schutz vor sexueller Gewalt und für widerstandsfähige Kinder und Jugendliche (FMA);
  • Opferbegleitung (FMA);

Chile

  • Gewaltbetroffene Frauen aus Concepcións Armenvierteln erhalten psychologische, soziale und legale Unterstützung (SEDEC)
  • Beitrag zur Prävention genderbasierter Gewalt in Concepción (SEDEC)
  • Opferbegleitung (SEDEC)

Costa Rica

  • Schutzmassnahmen, psychosoziale Begleitung und Weiterbildung für von bedrohten Menschenrechtsaktivist*innnen und Flüchtlingen (DEI)
  • Opferbegleitung (DEI)

 

 

Zielgruppe

  • 4500 EinwohnerInnen von Choquepata, 25 ständige Multiplikatorinnen, sowie (staatliche) Behörden (inkl. Polizei), die für die Gemeinde zuständig sind (Flora Tristan)
  • 100 Kinder (≤ 14 Jahre), 100 Jugendliche (15-24 Jahre), 150 Eltern sowie 10 TutorInnen (EMAUS)
  • 30 Frauen (ISAIAS)
  • 1’130 Kinder und Jugendliche aus 15 Schule, 135 Begleit- und Lehrpersonen aus den Schulen, sowie 120 Mütter und Väter bzw. Betreuungspersonen der Kinder- und Jugendlichen die geschult werden (FMA)
  • 10 gewaltbetroffene Frauen, davon 50% Jugendliche (SEDEC)
  • 10 «Familienbegleiterinnen», 100% Frauen (SEDEC)
  • 50 Personen, 90% davon Frauen (SEDEC)
  • 34 Personen, davon 30% Frauen, 24% LGTBQI, 30% Kinder, 11% Männer (DEI)

 

Aktivitäten

Peru

  • Workshops in Gewaltprävention an die verschiedenen Zielgruppen, audiovisuelle Kampagnen in Quechua für die Sensibilisierungsarbeit in der Gemeinde und auch über lokalen Medien (Flora Tristan)
  • Umfassende (rechtliche) Opferbegleitung (Flora Tristan)
  • Wirtschaftliches Empowerment von Frauen (Flora Tristan)
  • Ausbildung sogenannter «TutorInnen» zur Begleitung der SchülerInnen und ihrer Familien (EMAUS)
  • Durchführung von Lektionen und Workshops für SchülerInnen und deren Eltern in gewaltfreier Konfliktlösung (EMAUS)
  • Durchführung von Ausbildungskursen zu Gender, genderbasierter Gewalt und über Frauenrechte (ISAIAS)
  • Organisation von Kurzausbildungen für Frauen in traditionell männlichen Domänen, z.B. als Fahrerinnen, Reparatur von Handys und PCs, sanitäre Reparaturen (ISAIAS)
  • Lobbyarbeit bei lokalen und regionalen Entscheidungsträgern zum Thema Gender, genderbasierte Gewalt und zur Umsetzung der bestehenden Gesetzgebungen (ISAIAS)

Bolivien

  • Sensibilisierungs- und Schulungsworkshops zu sexueller Gewalt und Menschenhandel sowie der integrativen Gewaltprävention für Schutzbeauftragte Einrichtungen sowie für nationale und lokale Behörden. (FMA)
  • Umfassende und integrative Präventionsworkshops für Kinder und Jugendliche, innerhalb und außerhalb der Schulen (FMA)
  • Sensibilisierungs- und Informationsworkshops für Eltern, Erziehungsberechtigte und primäre Bezugspersonen (FMA)
  • Erstellung und Verbreitung von audiovisuellem Kommunikationsmaterial zur umfassenden Prävention sexueller Gewalt und Menschenhandel (FMA)
  • Durchführung von Sensibilisierungskampagnen (FMA)

Chile

  • Begleitung gewaltbetroffener Frauen (SEDEC)
  • Ausbildung von Familienbegleiterinnen zur Erkennung von Gewaltsituationen in den Familien und zur Gewaltprävention (SEDEC)
  • Durchführung von Kursen zur Sensibilisierung über und Prävention von genderbasierter Gewalt (SEDEC)
  • Lobbyarbeit zum Thema genderbasierte Gewalt (SEDEC)

Costa Rica

  • Unterkunft und Verpflegung in der Casa DEI von bedrohten Menschenrechtsaktivist*innen und Flüchtlingen (DEI)
  • Psychosoziale Begleitung und rechtliche Beratung
  • Weiterbildungskurse zur Stärkung der Resilienz und Klärung von Zukunftsperspektiven (DEI)

Projektbilder