Indonesien, Friedensförderung

Interreligiöse Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit

Projektnummer: 225.1007

Die Religionszugehörigkeit ist in Indonesien neben der ethnischen Zugehörigkeit eines der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente. Mission 21 und ihre Partnerorganisationen haben zum Ziel, die Menschen zu befähigen, friedliche und gleichberechtigte Beziehungen über Religionsgrenzen hinweg aufzubauen, gemeinsam gewaltsamen Konflikten vorzubeugen und fundamentalistische Gruppen zu entkräften. In diesem dezentral organisierten Projekt wurden auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene interreligiöse Netzwerke mit mehrheitlich jungen Erwachsenen aufgebaut. Sie treten für ein friedliches Zusammenleben in Aktion. In aufsehenerregenden Kampagnen, in Schulen und Universitäten werben sie über religiöse und ethnische Grenzen hinweg für religiöse Toleranz und Anerkennung von Vielfalt. Über Initiativen zur Bewältigung gesellschaftlicher Probleme wie Armut und Umweltzerstörung arbeiten die interreligiösen Jugendnetzwerke zusammen und dämmen das Konflikt- und Gewaltpotential ein. 

Hintergrundinformationen

Die in der Staatsverfassung Indonesiens verankerte Religionsfreiheit und das Staatsmotto "Einheit in der Vielfalt" propagieren den Pluralismus. Demnach praktiziert die Mehrheit der Muslime einen lokal geprägten und moderaten Islam. Allerdings hat die Intoleranz in der Bevölkerung zugenommen. Radikale Gruppierungen, bestärkt durch den Islamischen Staat (IS), haben erfolgreich Schulen und Universitäten unterwandert. Viele Menschen haben kaum vertiefte Kenntnisse im Bereich Religion. Der verbreitete religiöse "Analphabetismus" in der eigenen wie auch in anderen Religionen trägt dazu bei, dass die Abneigung gegenüber Andersgläubigen zunimmt. In verschiedenen Regionen ist die islamische Minderheit "Ahmadiyya" verboten und ihre Mitglieder wurden vertrieben. Auch auf christlicher Seite kommt es zu Radikalismen. Evangelikale Kreise, die mehrheitlich in muslimischen Gebieten offensichtlich missionieren, provozieren Gegenreaktionen. Ausserdem wird die Religion von anti-demokratischen Kräften instrumentalisiert: Reiche Ex-Militärs verbünden sich mit islamistischen Gruppierungen, um eigene politische Machtinteressen durchzusetzen. So wurde der christlich-chinesische Gouverneur Jakartas wegen angeblicher Gotteslästerung verurteilt und eingesperrt.

Projektziele

Junge Erwachsene im Wirkungskreis unserer Partnerorganisationen sind befähigt, gewaltfreie und gleichberechtigte Beziehungen über ethnische und religiöse Grenzen hinweg aufzubauen, eigene interreligiöse Initiativen zu lancieren, gewaltsame Konflikte zu verhindern und in Gewalt- und Konfliktsituationen auf verschiedenen Ebenen das Gewaltpotenzial zu mindern.

Zielgruppe

Die Zielgruppen sind junge Erwachsene, die von den sehr gut in der Gesellschaft verwurzelten Partnerorganisationen und ihren Netzwerken ausgewählt werden. Mit beteiligt sind ehemalige Teilnehmende (Alumni), die bereits ihre eigenen interreligiösen Gruppen gebildet haben. Es wird auf eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern und die Förderung von Frauen geachtet, auf eine Altersobergrenze und auf die Beteiligung aus allen Religionsgemeinschaften und verschiedenen Strömungen, insbesondere auch solche, die nicht für Offenheit und Toleranz bekannt sind.

Aktivitäten

  • interreligiöse Jugendcamps mit aktivem Alumni-Netzwerk

  • "Religions-Expo": kulturelles und interreligiöses Festival

  • Interreligiöse Fortbildungen für Religions- und Staatskundelehrkräfte

  • Kampagnen für Toleranz und Pluralismus in der Öffentlichkeit und via soziale Medien

  • Interreligiöse wirtschaftliche Stärkung von Frauen

  • Stärkung der jungen Friedensbotschafterinnen und Friedensbotschafter in Bereich Anwendung der Menschenrechte, der Bürgerrechte und der gewaltfreien Konflikttransformation

  • Schreibwerkstätten, Buch- und Videoproduktionen mit jungen Friedensbotschafterinnen und Friedensbotschaftern

  • Weiterbildungen und Erfahrungsaustausch der Alumni-Netzwerke aller Partnerorganisationen

  • Christlich-muslimische Intensiv-Studien über den Islam und das Christentum mit interreligiösen Begegnungen in muslimischen Internaten

Projektfortschritt

Im vergangenen Jahr konnten rund 9‘960 Personen direkt von den Aktivitäten profitieren. Durch kreative Aktionen und Vernetzung der ehemaligen Teilnehmenden (Alumni) in der Öffentlichkeit und auf Social Media wurden gegen 17‘000 Personen erreicht. Alumni von interreligiösen Jugendcamps haben neue interreligiöse Foren in Banjarmasin, Bogor (West Java), und in Banyumas (Zentraljava) gegründet und selber interreligiöse Begegnungen wie Jugendcamps und Jugendcafés initiiert. Verschiedene Gruppen haben bei der Produktion von Kurzfilmen, Blogs, Büchern und Zeitungsartikeln mitgewirkt. Ein Film von einer Alumnigruppe aus Bandung (West Java) wurde mit einem bekannten Preis der grössten muslimischen Organisation Indonesiens, Nahdlatul Ulama, ausgezeichnet.

Die vierte "Religions-Expo" in Banjarmasin verzeichnete rund 7‘000 Besucherinnen und Besucher. Sie involvierte 49 Organisationen und Gruppen mit vielfältigen religiösen und ethnischen Hintergründen. Die Kampagne "Interfaith Youth Camp" brachte 2‘000 Teilnehmende während des autofreien Tages auf die Hauptstrasse der Grossstadt Bandung. Ebenfalls in Bandung, West Java, bekannt für seine hohe religiöse Intoleranz, erwirkten 17 Friedensbotschafterinnen und Friedensbotschafter ein Treffen mit dem Provinz-Polizeichef und forderten ein Ende von Diskriminierung und Gewalt auf Grund religiöser Zugehörigkeit.

Alumni betreiben Lobbying bei der Regierung und haben den Anliegen für Pluralismus und friedliches Zusammenleben bis zum indonesischen Präsidenten und ins nationale Parlament Gehör verschafft.

Weiter sind in Java insgesamt 58 Religionslehrkräfte von verschiedenen Mittelschulen interreligiös weitergebildet worden, mit dem Ziel, eine Haltung von Respekt, Interesse und Wertschätzung gegenüber allen Religionen weiterzutragen.

 

Ausblick: Projektausbau

Das oben beschriebene Projekt soll in der Projektphase 2019-2021 erweitert werden.

Ziel des Projektausbaus ist es, die Aktivitäten in den von jungen Menschen getragenen interreligiösen Netzwerken auszuweiten. Die interreligiösen Netzwerke und Dialogplattformen sowie die öffentliche Meinungsbildung werden in verschiedenen Regionen gestärkt. Die Zusammenarbeit mit zwei neuen Partnerorganisationen verbreitet eine bereits initiierte Initiative weiter, die sogenannte Friedensdörfer etabliert und auszeichnet. Ausserdem sollen die interreligiösen Weiterbildungen für Religionslehrkräfte von Mittelschulen und die Bemühungen um Änderungen der Schullehrpläne ausgedehnt werden. 

Spenden fliessen zunächst in das oben beschriebene Basisprojekt. Bei ausreichender Finanzierung sind folgende zusätzliche Aktivtäten vorgesehen:

  • Ausbau der Schulungen und Zusammenarbeit mit Religions- und Staatskundelehrkräften, damit sie der Zunahme von fundamentalistischen Haltungen in Schulen und Universitäten entgegenwirken

  • Ausweitung der Initiative zu Friedensdörfern

  • Interreligiöse Sensibilisierungsarbeit zur Stärkung junger Frauen, um sie vor Ausbeutung und Menschenhandel zu schützen

  • Ausweitung der sozialen Aktivitäten zur Stärkung von Frauen

  • Weiterer Aufbau und Stärkung des interreligiösen Jugendnetzwerkes auf nationaler Ebene in Indonesien