Indonesien, Friedensförderung

Interreligiöse Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit

Projektsumme: CHF 219‘765.-
Projektnummer: 225.1007

In Indonesien, dem Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung weltweit, ist die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert. Trotzdem kommt es immer wieder zu Konflikten. Diese entstehen aus Intoleranz und Unwissenheit, aber auch aus sozialer Ungleichheit. Das Projekt von Mission 21 stärkt durch Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit die Beziehungen und das Vertrauen zwischen den Religionsgemeinschaften.

Hintergrundinformationen

Der indonesische Staat anerkennt offiziell fünf Religionen: Islam, Christentum, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Trotz der rechtlichen Garantie auf Religionsfreiheit gibt es Verordnungen und extreme Gruppen, die dieses Recht missachten und religiöse Minderheiten diskriminieren. Ausserdem wird die Religion von anti-demokratischen Kräften instrumentalisiert, um eigene politische Machtinteressen durchzusetzen. So wurde der christliche Gouverneur Jakartas wegen angeblicher Gotteslästerung verurteilt und eingesperrt. Gegenseitiges Misstrauen zwischen den Religionsgemeinschaften ist die Folge. Die christliche Minderheit ist vor allem in Java, aber auch in Süd-Sulawesi und Aceh Konflikten um den Bau oder Betrieb von Kirchen sowie erzwungenen Schliessungen ausgesetzt. Aber nicht nur auf muslimischer Seite gibt es Fundamentalismus, sondern auch auf der christlichen. Der Dialog mit den radikalen Kräften innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaften ist oft sehr schwierig.

Die interreligiösen Projekte der Partner von Mission 21 fördern ein solidarisches Zusammenleben und verhindern Gewalt. Besonderes Augenmerk wird auf junge Erwachsene gelegt. Sie sind der Radikalisierung durch extremistische Gruppen am stärksten ausgesetzt.

Projektziele

Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit vertiefen die Beziehungen und stärken das Vertrauen zwischen den Religionsgemeinschaften. Gemeinsame Aktionen und konkrete Zusammenarbeit zur Überwindung gemeinsamer sozialer Probleme bauen Misstrauen ab und verhindern Gewalt. Durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit werden Politiker und die Bevölkerung dazu aufgerufen, auf die Instrumentalisierung und Politisierung von Religion zu verzichten. Ziel ist es, über die Bildung von interreligiösen (Jugend-)Netzwerken und deren Aktionen, freundschaftliche Beziehungen über Religionsgrenzen hinweg aufzubauen, gemeinsam gewaltsamen Konflikten vorzubeugen und fundamentalistische Gruppen zu entkräften.

Zielgruppe

Junge Erwachsene, Frauen und Jugendleitende unterschiedlicher Religionszugehörigkeit.

Aktivitäten

Mit Beiträgen an interreligiöse Aktivitäten ermöglicht Mission 21, dass die Teilnehmenden in ihrem Umfeld interreligiöse Gruppen und Projekte aufbauen. Dadurch leisten sie einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben im multireligiösen Indonesien. Beispiele für Aktivitäten:

  • Workshops zu Friedensjournalismus und Advocacy (Fürsprache), Nutzung von sozialen Medien, regionale und nationale Kampagnen

  • interreligiöse Jugendcamps mit aktivem Alumni-Netzwerk

  • interreligiöse Fortbildungen für Religions- und Staatskundelehrkräfte

  • Weiterbildungen und Erfahrungsaustausch der Alumni-Netzwerke aller Partnerorganisationen

  • Schreibwettbewerb, Buch- und Videoproduktionen mit jungen FriedensbotschafterInnen

  • Produktion von interreligiösem Kartenspiel, Blogs und Videoclips

  • «Religions-Expo», an der Religionsgemeinschaften und religionsbasierte Organisationen mit Ständen und Aktionen präsent sind

  • Intensiv-Studien über den Islam mit Begegnungsaktivitäten in muslimischen Internaten

Projektfortschritt

Im vergangenen Jahr konnten rund 1‘500 Personen direkt von den Aktivitäten profitieren. Durch kreative Aktionen und Vernetzung der Alumni konnten über 20‘000 Personen erreicht werden. Die Kampagne der Alumni «Interfaith Youth Camp» brachte 2‘000 Teilnehmende während das autofreien Tages auf die Hauptstrasse der Grossstadt Bandung. Ein nationales Seminar sowie Interviews mit Religionsführenden und Alumni «Interfaith Live In» wurde im Fernsehen in grossen Teilen Javas ausgestrahlt und von mehreren 10‘000 Personen auf Youtube angeschaut. Die «Religions-Expo» in Banjarmasin verzeichnete 7‘000 Besucher. Die Gründung einer regionalen Zweigstelle der radikalen «Islamischen Verteidigungsfront» konnte verhindert werden. In Zukunft sollen die interreligiösen Weiterbildungen für Religionslehrkräfte von Mittelschulen ausgedehnt werden.