Bolivien, Landwirtschaft und Existenzsicherung

Lichtblick Stadtgarten (Focapaci)

Projektnummer: 420.1018

Täglich verlassen unzählige Bauernfamilien ihre Dörfer, um in der Stadt El Alto ein besseres Leben zu suchen. Oft werden ihre Hoffnungen enttäuscht und viele leben weiterhin in Armut. Das "Centro de Formación y Capacitación para la Participación Ciudana" (Focapaci) setzt sich auf verschiedenen Ebenen für die zugewanderten Familien ein: sozial, politisch und wirtschaftlich. Gemeinsam mit anderen Werken unterstützt Mission 21 Focapaci in der Weiterführung des Vorgängerprojektes 2015-2017 im Bereich der städtischen Landwirtschaft.

Hintergrundinformationen

El Alto zählt 842‘378 Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit die zweitgrösste Stadt Boliviens. 85 Prozent der Bevölkerung El Altos sind Migranten und Migrantinnen. Zwei Drittel davon sind aus ländlichen Gebieten in die Stadt gezogen, ein Drittel sind entlassene Minenarbeiter und deren Familien. Das Bildungsniveau dieser Menschen ist meist tief und ihre Aussichten auf einen Arbeitsplatz sind gering. Die Mehrheit hält sich mit schlecht bezahlten Tätigkeiten im informellen Sektor über Wasser. 67 Prozent der Bevölkerung El Altos sind nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Laut Statistiken müssen die Bewohner der Armenviertel rund 80 Prozent ihres Gesamteinkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Mangel- und Fehlernährung sind stark verbreitet. Ein weiteres Problem El Altos stellt die Diskriminierung von und die Gewalt gegen Frauen dar. Laut einer Erhebung der Stadtverwaltung von 2017 sind über 70 Prozent der Frauen davon betroffen. Im Rahmen des Projekts erlernen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen neue Anbaumethoden und organisieren sich in Produktionsgemeinschaften. Zudem werden sie zum Thema Gendergerechtigkeit sensibilisiert.

Projektziele 2018-2021

Ziel 1: Die Familien produzieren auf kleinstem Raum ihr Gemüse nach agroökologischen Methoden und ernähren sich dadurch gesünder und ausgewogener.

Ziel 2: Das Familieneinkommen wird gesteigert durch die Verbesserung der Vermarktung des überschüssigen Gemüses sowie von Dienstleistungen (u.a. Catering und Training of Trainers).

Ziel 3: Durch dass die Frauen urbane Landwirtschaft betreiben, werden innerhalb der Familien traditionelle Genderrollen aufgebrochen

Zielgruppe 2018-2021

Die Zielgruppe umfasst 60 Familien in El Alto. Der grösste Teil davon sind Frauen und ihre Kinder. Sie sind es, die Obst und Gemüse anbauen und sich um die Kleintiere kümmern. Viele von ihnen sind vom Land in die Stadt gezogen. Deshalb bringen sie einiges Vorwissen in das Projekt mit.

Aktivitäten

Eine Agronomin und ein Agronom begleiten und beraten die Frauen regelmässig vor Ort. Mehrere Frauen, die im Projekt involviert sind, geben ihr Wissen an andere Frauen weiter und stehen ihnen beratend zur Seite.

Der produktive Bereich umfasst die Verbesserung der Anbaumethoden, die Einführung nachhaltiger Technologien sowie die artgerechte Haltung von Hühnern und Meerschweinchen.

Im Bereich Einkommensförderung und Gender werden die Frauen von einer Soziologin begleitet. Sie lernen sich in Produktionsgemeinschaften zu organisieren und auf dem Markt zu behaupten. Sie werden über ihre Rechte als Frauen informiert und eignen sich Strategien an, um sich in Familie und Gesellschaft besser durchsetzen zu können.

Projektfortschritt 2018

Ziel 1: Anwendung agroökologischer Methoden

  50 Familien produzieren, im „pie cuadrado“ (1.20 x 1.20) 100% biologisch.

  10 Familien produzieren im Gewächshaus 100% biologisch.

  2018 wurden insgesamt fünf agroökologische Methoden angewendet.

  10 Familien konsumieren täglich ihr selbstproduziertes Gemüse.

  12 Familien konsumieren drei- bis viermal wöchentlich ihr Gemüse.

  38 Familien konsumieren ein- bis zweimal Mal wöchentlich ihr Gemüse.

 

Ziel 2: Einkommensgenerierung

  Erst vier Familien gelingt es, ein kleines Einkommen zu generieren.

  56 Familien können bis jetzt erst für den Eigenkonsum und für den Konsum von nahen Verwandten produzieren.

 

Ziel 3: Traditionelle Genderrollen aufbrechen

  In 30 Familien beteiligen sich bereits männliche Mitglieder an der Produktion und Weiterverarbeitung des Gemüses. Zudem kochen sie regelmässig für die Familie.