Nigeria, Bildung

Religion als Faktor für Frieden und Entwicklung in Nigeria

Projektnummer: 162.1006

Religiöse Institutionen spielen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung sozialer Probleme in Nigeria. In Zeiten von Krieg und Terror fällt der Partnerkirche von Mission 21, der Kirche der Geschwister in Nigeria (EYN), eine wichtige Rolle zu. Sie trägt dazu bei, Trauma- und Versöhnungsarbeit sowie Friedensförderung theologisch aufzuarbeiten und zu unterstützen. Gleiches gilt für Themen wie gesellschaftliche Rollenbilder, geschlechterbasierte Gewalt und die Stigmatisierung von Menschen, die mit HIV leben. Dies geschieht in theologischen Aus- und Weiterbildungsangeboten der EYN. Mission 21 unterstützt die EYN dabei, gesellschaftlichen Führungskräften umfassende Bildung zu ermöglichen, damit sie positive Veränderungen bewirken können.

Hintergrundinformationen

Durch den jahrelangen Terror der dschihadistischen Miliz Boko Haram im Nordosten und die neuartige Welle religiös aufgeladener Gewalt in Zentralnigeria sind viele Menschen traumatisiert. Im Land herrscht Misstrauen zwischen Muslimen und Christen. Die Kirche der Geschwister in Nigeria (EYN) wirkt dem auf verschiedenen Wegen entgegen. Aufgrund ihrer gesellschaftlich hohen Position fällt Pastoren eine wichtige Rolle im Friedens- und Versöhnungsprozess zu. Auch andere relevante Themen wie HIV, geschlechterspezifische Gewalt oder die Förderung von Frauen und Mädchen können von progressiven Pastoren und Gemeindemitgliedern innerhalb und ausserhalb der kirchlichen Arbeit behandelt werden.

Seit 1960 betreibt die EYN das Kulp Theological Seminary, eine staatlich anerkannte theologische Ausbildungsstätte, und seit 1974 ein Programm zur Aus- und Weiterbildung interessierter Laien (Theological Education by Extension, TEE). Hinzu kommen Schulungsangebote für Pastoren. Durch die theologische Reflexion gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen trägt die EYN zur Beantwortung relevanter Fragen bei und befähigt Menschen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zur Lösung sozialer Probleme beizutragen.

Projektziele

Das Projekt trägt mit kontextbezogener theologischer Ausbildung dazu bei, dass Pastoren, Theologie-Studierende und interessierte Laien treibende Kräfte für positive Veränderungen in Kirche und Gesellschaft werden.

  • Pastoren sowie Studierende religiöser Bildungsangebote verfügen über das notwendige Wissen, um in ihrem Umfeld positive gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Die Ausbildung umfasst die Bereiche kontextuelle Theologie, Führungskompetenzen und ganzheitliche Gemeindeentwicklung sowie verschiedene soziale Schwerpunktthemen wie interreligiösen Dialog, Verarbeitung von Gewalt, Umgang mit Infektionskrankheiten wie HIV oder Umweltschutz.

  • Durch die Verknüpfung von theologischer Reflexion mit praktischer ökumenischer Arbeit werden Theologie, Religion und Spiritualität zum Motor für positive soziale Veränderungen.

  • Die Kirche und ihre Organe leisten einen Beitrag zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Fragestellungen.

  • Die Trauma- und Versöhnungsarbeit sowie die Friedensförderung der Kirche sind durch einen theologischen Reflexionsprozess gestärkt.

Zielgruppe

Das Projekt fokussiert auf Pastoren und führende Mitarbeitende der EYN, Studierende der Theologie und Nachwuchskräfte, sowie interessierte Laien von innerhalb und ausserhalb der Kirche.

Aktivitäten

  • Förderung der ganzheitlichen und kontextuellen Bildung für Leitende religiöser Schulungsangebote sowie für ordinierte Pastoren

  • Förderung der ganzheitlichen und kontextuellen akademischen Bildung für Studierende der Theologie und zukünftige Pastoren

  • Förderung der ganzheitlichen und kontextuellen nichtakademischen Bildung für interessierte Laien

  • Weiterentwicklung und Produktion von theologischem und gesellschaftsrelevantem Ausbildungsmaterial

  • Verbesserung der Lernkonditionen und Lerninfrastruktur der theologischen Institute

  • Förderung von Vernetzung und Austausch des kirchlichen Führungspersonals zur Reflexion und Erweiterung der eigenen theologischen Grundsätze

Projektfortschritt

Das nichtakademische TEE-Programm der EYN hat eine besondere Stärke darin, die behandelten Themen in die alltägliche Praxis der Kursteilnehmenden zu übertragen. Der Erfolg des Programms zeigt sich im stetig wachsenden Interesse der Zielbevölkerung. Vor allem praktische Kurselemente, zum Beispiel der Bau ressourcenschonender Kochöfen, wecken auch das Interesse der muslimischen Nachbarn, was den interreligiösen Dialog fördert. Das Kulp Bible College wurde 2018 in Kulp Theological Seminary umbenannt und unternimmt Anstrengungen, nach der erfolgreichen Angliederung an die Universität Jos nun ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und mehr Studierende anzuwerben. Die Weiterbildung ordinierter Pastoren, die in verschiedenen Landesteilen Gemeindearbeit verrichten, wurde neu in das Programm aufgenommen.