Hongkong, Friedensförderung

Soziale Gerechtigkeit für Migrantinnen und Industriearbeiter

Projektsumme: CHF 123'050
Projektnummer: 222.1005

Die 18 Betten der Notunterkunft für ausländische Hausangestellte in Hongkong stehen niemals leer. Es gibt immer Frauen, die von ihren Arbeitgebern auf die Strasse gestellt oder physisch und sexuell missbraucht wurden. Sie brauchen Schutz und Hilfe. Die NGO Christian Action bietet ihnen einen sicheren Ort sowie rechtliche, psychologische und medizinische Unterstützung.

Im zweiten Arbeitsbereich des Projekts kümmert sich das Christian Industrial Commitee (CIC) um chinesische Wanderarbeitende, die an Berufskrankheiten leiden. Mangelhafte Schutzvorkehrungen in chinesischen Fabriken führen oft zu tödlichen Krankheiten wie Silikose und Benzolvergiftungen. Betroffene haben kaum Chancen, eine neue Anstellung zu finden. Das neue Teilprojekt von Mission 21 verhilft ihnen zu einer alternativen Einkommensquelle und somit zu einem Leben in Würde.

Hintergrundinformationen

Die Wirtschaftsmetropole Hongkong zieht Arbeitssuchende aus vielen Ländern Asiens an. Die Mehrheit von ihnen sind Frauen, die ihre Familien in der Heimat finanziell unterstützen wollen. Rund 360‘000 ausländische Hausangestellte arbeiten in Hongkong, wovon gut 150‘000 aus Indonesien stammt. Diese «Domestic Helpers» arbeiten häufig zu sehr schlechten Bedingungen und werden oft Opfer von Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung.

In der südchinesischen Provinz Guangdong an der Grenze zu Hongkong befindet sich einer der grössten Industriegürtel Chinas. Die Firmen bieten ihren Arbeitenden kaum Schutz vor Berufskrankheiten, weshalb jedes Jahr Tausende an der tödlichen Krankheit Silikose erkranken. Seit vier Jahren steigt zudem die Zahl von Benzolvergiftungen drastisch an. Diese verursachen Leukämie und sind heute die zweithäufigste Todesursache in der Elektronik-Industrie, die Benzol oft als Reinigungsmittel verwendet.

Projektziele

Ausländischen Hausangestellten in Hongkong werden bei ihrer Ankunft meist die Pässe abgenommen. Häufig kennen sie weder den Inhalt ihres Arbeitsvertrages noch ihre Rechte. So fehlt die Grundlage, um gegen Missbrauch durch Arbeitgeber vorzugehen. Das gemeinsame Projekt der Tsung Tsin Mission of Hong Kong (TTM), Mission 21 und Christian Action (CA) bietet Betroffenen Schutz. In der Rechtsberatung werden sie ermutigt, für ihre Rechte einzustehen und gegebenenfalls vor Gericht zu gehen. Kurse vermitteln neue Fähigkeiten und stärken das Selbstbewusstsein. Dies erleichtert den meist jungen Migrantinnen das Leben in Hongkong und bietet ihnen Zukunftsperspektiven bei einer Rückkehr in die Heimat.

Laut chinesischem Gesetz ist es Industriearbeitenden mit diagnostizierter Berufskrankheit verboten, weiter in Fabriken zu arbeiten. Mit Workshops, zinslosen Darlehen und Beratung ermöglicht das Christian Industrial Commitee (CIC) Opfern von Berufskrankheiten und ihren Familien ihren Lebensunterhalt durch selbständige Erwerbstätigkeit zu finanzieren. Kinder von Betroffenen erhalten Stipendien für Schule und Ausbildung.

Zielgruppe

Zielgruppe sind ausländische (meist indonesische) Hausangestellte, die Opfer von Gewalt und Unterdrückung durch Arbeitgebende und Vermittlungsagenturen werden. Vom Teilprojekt für Industriearbeiter profitieren chinesische Wanderarbeiterinnen und -arbeiter und deren Familien, die an Silikose oder Benzolvergiftungen erkrankt sind.

Aktivitäten

Gemeinsam mit der TTM unterhält CA einen Unterstützungs- und Beratungsdienst für ausländische Hausangestellte in Hongkong:

  • Notaufnahmestelle für Hausangestellte

  • Rechts- und Sozialberatung, Hilfe beim Gang vor das Arbeitsgericht

  • mehrstufige Computer-, Kantonesisch- und Englischkurse

  • Workshops zu berufsrelevanten Themen

  • psychologische und gesundheitliche Unterstützung

  • Unterstützung bei der Rückkehr ins Heimatland

 

Seit 2014 unterstützt CIC chinesische Wanderarbeiterinnen und -arbeiter in der südchinesischen Provinz Guangdong:

  • Trainings für die selbständige Erwerbstätigkeit

  • zinslose Darlehen und Beratung im Anschluss an den Workshop

  • Selbsthilfenetzwerk für Opfer von Berufskrankheiten

  • Beratung von Erkrankten in Spitälern (in Shenzhen)

  • Unterstützung der Kinder von Erkrankten durch Stipendien

Projektfortschritt

2016 haben 101 Hausangestellte in der Notunterkunft Zuflucht erhalten. Sie blieben im Durchschnitt 47 Tage. Die Notunterkunft organisierte 2016 insgesamt 284 psychosoziale Aktivitäten und 17 Kurse. Die Rechtsberatung befasste sich mit 4‘346 Fällen. In 95% der Fälle wurde dem Antrag stattgegeben und der Fall weitergezogen. Die vielen erfolgreich bestrittenen Prozesse und die Zusammenarbeit mit lokalen Medien haben den Druck auf die lokalen Arbeitgebenden deutlich verstärkt. Die Zusammenarbeit mit und Fürsprache bei der indonesischen Regierung konnte verbessert werden.