Peru, Bildung

Soziale Konflikte bewältigen, Gewalt gegen Frauen überwinden (ISAIAS)

Projektsumme: CHF 55'000 (2019)
Projektnummer: 476.1005

ISAIAS versteht sich als Bewegung und Netzwerk kritischer und offener Christinnen und Christen der südlichen Hochanden rund um Puno und Cusco. Die Abkürzung steht für «Istituto Surandino de Investigación y Acción Solidaria». Thematische Schwerpunkte sind die Bildungs-, Friedens-, Menschenrechts- und Demokratisierungsarbeit. Mission 21 unterstützt ISAIAS im Bereich Bildung. Dabei geht es um die Aus- und Weiterbildung von Leitungspersönlichkeiten sowie von Frauen, mit dem Ziel, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen für eine aktive Bürgerbeteiligung und für ein gesellschaftliches Engagement im Kampf gegen die Gewalt an Frauen fit zu machen.

Hintergrundinformationen

Obwohl die peruanische Gesetzeslage eine weitgehende Bürgerbeteiligung vorsieht, wird die indigene Bevölkerung vom Staat diskriminiert. Immer wieder kommt es deswegen zu gewaltsamen Protestaktionen, die sogar in Lynchjustiz münden können. Demokratische Problemlösungsstrategien müssen weiter eingeübt werden. Auch Verhandeln und Konsensfindung bereiten Probleme. Autoritäre Amtsführung und gewaltsame Konfliktlösung sind an der Tagesordnung. Zudem liegt die Armutsrate in der Region Puno bei fast 40 Prozent. Frauen leiden besonders unter der Situation, denn sie werden häufig mehrfach diskriminiert. Im ländlichen peruanischen Hochland werden sie häufig von Eltern und Brüdern bevormundet und erfahren psychische und körperliche Gewalt. Fliehen sie aus den ländlichen Gebieten in die Stadt, verbessert sich die Situation meist nicht, sondern Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Herkunft sowie Demütigungen aller Art gehören weiter zum Alltag. Die meisten Frauen haben daher ein niedriges Selbstwertgefühl und sind nicht in der Lage, ihre Interessen zu formulieren, ihre Rechte wahrzunehmen und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen.

Projektziele

  • Führungspersonen sind in der Lage, bei sozialen Konflikten geschickt zu verhandeln und deeskalierend zu intervenieren.

  • Frauen engagieren sich gegen genderspezifische Diskriminierung und Gewalt.

Zielgruppe

Die Zielgruppen sind 40 Führungspersonen (Bauernführerinnen und -führer, Gemeindeleitende, Vorstände von Frauen- und Müttervereinen oder Umweltinitiativen) sowie 40 Frauen christlicher und sozialer Basisorganisationen aus verschiedenen politischen Gemeinden des Departements Puno.

Aktivitäten

Den Führungspersonen werden Wissen und Kenntnisse vermittelt, mit denen sie ihre Führungsqualitäten und ihr Verhandlungsgeschick verbessern und ihre Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen stärken können. Sie üben neue Modelle der Gruppenleitung und der Konsensfindung ein. Die Ausbildung umfasst gemeinsame Modulbesuche ebenso wie Praxisbesuche und Supervisionen.

In Workshops und Ausbildungskursen erlernen die Frauen kritisches, analytisches und kreatives Denken. Dies trägt dazu bei, dass sie eine realistischere Vorstellung von der Gesellschaft, von zwischenmenschlichen Beziehungen und ihrer persönlichen Entwicklung bekommen. Sie eignen sich Fähigkeiten an, die in ihrem Umfeld normalerweise Männern zugeschrieben werden: vor anderen zu sprechen, eine eigene Meinung zu äussern oder Vorschläge zu machen. Dies wirkt der Resignation und dem Gefühl von Ohnmacht entgegen. Die Frauen beginnen, ihre traditionelle Rolle im häuslichen Bereich in Frage zu stellen. Sie lernen – zuerst innerhalb der Familie, dann in ihren Organisationen – ihre Meinung zu vertreten, Aufgaben zu übernehmen und Entscheidungen selbstbewusst zu treffen. In der neuen Projektphase (2018-2021) werden die Frauen zudem ermuntert, sich auf lokaler und regionaler Ebene noch vermehrt zu vernetzen und sich, gemeinsam mit anderen, gegen Diskriminierung und Gewalt an Frauen einzusetzen.

Projektfortschritt

  • 80 Prozent der ausgebildeten Führungspersonen setzen ihre Kenntnisse in ihren Organisationen um.

  • 30 Prozent üben ein gesellschaftlich relevantes Amt aus (Friedensrichter, Gewerkschaftsführer, Umweltaktivistin, usw.).

  • 90 Prozent der Frauen sind in der Lage, sich zu artikulieren und ihre Anliegen vorzubringen.

  • Die Regionalverwaltung Santa Rosa hat, dank der Lobby der ISAIAS-Frauen, ihre Gemeindeverordnung in gendergerechte Sprache gesetzt und verschiedene Klauseln zur Chancengleichheit eingeführt.