Indonesien, Bildung

Stärkung von Basisgemeinschaften

Projektsumme: CHF 225'409
Projektnummer: 200.1010

Pfarrpersonen sind in Indonesien wichtige Akteure auf dem Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit. Sie sind Vertrauenspersonen, die in den Gemeinden oft mehr Anerkennung geniessen als Staatsvertreter. Die Qualität ihrer Aus- und Weiterbildung steht deshalb im Zentrum dieses Projekts. Lehre und Praxis an kirchlichen Bildungsinstitutionen sollen die angehenden Pfarrpersonen darauf vorbereiten, mit den Herausforderungen ihrer Basisgemeinschaften wie etwa Landraub, Diskriminierung von Minderheiten und Einschränkung der freien Religionsausübung umzugehen.

Hintergrundinformationen

Die Nachwirkungen der langjährigen Diktatur sind in Indonesien noch heute spürbar: Während des autoritären Regimes sind Denkmuster entstanden, die in der noch jungen Demokratie schwer zu durchbrechen sind. Es braucht viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit, damit die Menschen wieder lernen selbstständig zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Weitere grosse Herausforderungen sind: Armut sowie Landraub durch Plantagen- und Minengesellschaften. Diese privatisieren Land, das bisher gemeinschaftlich und ohne verbriefte Ansprüche genutzt wurde.

Frauen werden durch die patriarchalen Verhältnisse diskriminiert. Das Recht auf freie Religionsausübung ist für ethnische und religiöse Minderheiten in gewissen Gegenden eingeschränkt. Korruption verhindert, dass Benachteiligte zu ihrem Recht kommen.

Das Projekt stärkt langfristig die Gemeinschaften, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Trägerinnen und Träger kirchlicher Ämter sind dabei von zentraler Bedeutung, denn sie geniessen in ihren Gemeinden oft mehr Vertrauen als Staatsvertreter. Pfarrpersonen schlichten Konflikte und leisten (inter-)religiöse Friedensarbeit durch Wertevermittlung und gewaltfreien Dialog. Die Qualität ihrer Aus- und Weiterbildung steht deshalb im Zentrum dieses Projekts.

Projektziele

Basisgemeinschaften werden gestärkt, um ihr Leben selbstbestimmt und eigenständig gestalten zu können und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzutragen.

Die kirchlichen Ansprechpersonen haben dabei eine Schlüsselfunktion: Sie sind motiviert von einer Theologie, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzt. Und befähigt sie für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen und sich mit interreligiösen Konflikten auseinanderzusetzen.

Zielgruppe

Die Leitungs- und Lehrpersonen theologischer Ausbildungsinstitute stehen im Fokus. Angehende Pfarrpersonen werden später wichtige Führungspersönlichkeiten für Kirchen und Gemeinden – die Haltung, die ihnen während des Studiums vermittelt wird, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung kirchlicher Entwicklungsprogramme und somit auf die gesamte Gesellschaft.

Aktivitäten

Durch die Vermittlung einer kontextuellen Theologie werden zukünftige Pfarrpersonen dazu befähigt, wirkungsvoller auf drängende gesellschaftliche Probleme einzugehen. Zu den Aktivitäten zählen:

  • Pastoraler Zyklus: Analyse der gesellschaftlichen Situation, Evaluation und Planung einer Aktion zur Verbesserung der Situation, basierend auf theologischen Erkenntnissen.

  • Symposium & Schriftenreihe: Theo-skripturaler Diskurs über Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung von Vielfalt, jährlich seit 2015

  • Seminar/Workshop/Ausstellung: Kontextuelle Theologie, jährlich seit 2015

  • Austausch: Gastdozierenden für Kontextuelle Theologie, seit 2015

  • «Study Institute» für Hochschulleitende und «Summer School» für Studierende zu Themen der kontextuellen Theologie, jährlich seit 2011

  • Betriebsbeiträge an Theologische Hochschulen

  • Ausbau lokaler Fakultäten und Bibliotheken

  • Stipendien für gesellschaftlich relevante Forschungsarbeiten und Dissertationen

  • Veröffentlichung von Büchern zu kontextueller Theologie, Religion in der pluralen Gesellschaft, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern

  • Herausgabe des Journals «Sophia» (Zeitschrift für feministische Theologie), jährlich seit 2000

Projektfortschritt

Seit März 2014 ist Uwe Hummel für Mission 21 als Dozent an der Theologischen Hochschule STT (Sekolah Tinggi Teologia) der Partnerkirche GKE (Evangelische Kalimantan-Kirche) in Banjarmasin im Einsatz. Hummel legt Wert auf ein historisch-kritisches Verständnis der biblischen Texte und eine für den gesellschaftlichen Kontext relevante Theologie (kontextuelle Theologie). Er und seine Studierenden pflegen den Dialogmit anderen Religionsgemeinschaften. Jüngere Pfarrpersonen engagieren sich mit Unterstützung ihrer Kirchen vermehrt für brennende gesellschaftliche Probleme in ihren Gemeinden.