Indonesien/Malaysia, Bildung

Stärkung von Basisgemeinschaften

Projektnummer: 200.1010

Pfarrpersonen sind in Indonesien wichtige Akteure auf dem Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit. Sie sind Vertrauenspersonen, die in den Gemeinden oft mehr Anerkennung geniessen als Staatsvertreter. Die Qualität ihrer Aus- und Weiterbildung steht deshalb im Zentrum dieses Projekts. Lehre und Praxis an kirchlichen Bildungsinstitutionen sollen die angehenden Pfarrpersonen darauf vorbereiten, mit den Herausforderungen ihrer Basisgemeinschaften wie etwa Landraub, Diskriminierung von Minderheiten und Einschränkung der freien Religionsausübung umzugehen.

Hintergrundinformationen

Die Nachwirkungen der langjährigen Diktatur sind in Indonesien noch heute spürbar: Während des autoritären Regimes sind Denkmuster entstanden, die in der noch jungen Demokratie schwer zu durchbrechen sind. Es braucht viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit, damit die Menschen wieder lernen selbstständig zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Weitere grosse Herausforderungen sind: Armut sowie Landraub durch Plantagen- und Minengesellschaften. Diese privatisieren Land, das bisher gemeinschaftlich und ohne verbriefte Ansprüche genutzt wurde.

Frauen werden durch die patriarchalen Verhältnisse diskriminiert. Das Recht auf freie Religionsausübung ist für ethnische und religiöse Minderheiten in gewissen Gegenden eingeschränkt. Korruption verhindert, dass Benachteiligte zu ihrem Recht kommen.

Das Projekt stärkt langfristig die Gemeinschaften, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Trägerinnen und Träger kirchlicher Ämter sind dabei von zentraler Bedeutung, denn sie geniessen in ihren Gemeinden oft mehr Vertrauen als Vertreterinnen und Vertreter des Staates. Pfarrpersonen schlichten Konflikte und leisten (inter-)religiöse Friedensarbeit durch Wertevermittlung und gewaltfreien Dialog. Die Qualität ihrer Aus- und Weiterbildung steht deshalb im Zentrum dieses Projekts.

Projektziele

Basisgemeinschaften werden gestärkt, um ihr Leben selbstbestimmt und eigenständig gestalten zu können und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzutragen.

Die kirchlichen Ansprechpersonen haben dabei eine Schlüsselfunktion: Sie sind motiviert von einer Theologie, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzt und sie befähigt, für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen.

Zielgruppe

Die Leitungs- und Lehrpersonen theologischer Ausbildungsinstitute stehen im Fokus. Angehende Pfarrpersonen werden später wichtige Führungspersönlichkeiten für Kirchen und Gemeinden – die Haltung, die ihnen während des Studiums vermittelt wird, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung kirchlicher Entwicklungsprogramme und somit auf die gesamte Gesellschaft.

Aktivitäten

Durch die Vermittlung einer kontextuellen Theologie werden zukünftige Pfarrpersonen dazu befähigt, wirkungsvoller auf drängende gesellschaftliche Probleme einzugehen. Zu den Aktivitäten zählen:

  • Entwicklung der kontextuellen Theologie in Indonesien mit nationaler Konsultation, Dozierenden-Austausch, Studienwoche für Hochschulleitende und «Summer School» für Studierende (PERSETIA)

  • Entwicklung einer kontextuellen feministischen Theologie in Indonesien (PERUATI)

  • Veröffentlichung von Büchern zu kontextueller Theologie, Religion in der pluralen Gesellschaft, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern (BPK GM)

  • Herausgabe des Journals «Sophia» (Zeitschrift für feministische Theologie, PERUATI)

  • Anwendung der Methode des «Pastoralen Zyklus»: Analyse der brennenden Probleme im eigenen Umfeld - Theologische Interpretation - Aktionen zur Verbesserung der Situation

  • Betriebsbeiträge an Institute der theologischen Ausbildung (STT-GKE, PPT-PCS)

  • Ausbau der Bibliothek (STT-GKE)

  • Stipendien für gesellschaftlich relevante Forschungsarbeiten und Dissertationen (UKDW)

Projektfortschritt

Die wichtigen Verbände PERSETIA und PERUATI und der Verlag Gunung Mulia propagieren mit ihren Veranstaltungen und Publikationen die Kontextualisierung der Theologie, was inzwischen im akademischen Diskurs in Indonesien zum «Mainstream» geworden ist. An der STT-GKE ist Kontextualisierung in Lehre und Forschung eingegangen, nicht als Fach, sondern als Arbeitsprinzip. Die so ausgebildeten jüngeren Pfarrpersonen engagieren sich mit Unterstützung ihrer Kirchen vermehrt auch für brennende gesellschaftliche Probleme in ihren Gemeinden. Einige dieser «Agents of Change» sind inzwischen auch in Führungspositionen ihrer Institute und Kirchen aufgestiegen.