Hongkong, Bildung

Universitäre Ausbildung für ein China im Wandel

Projektsumme: CHF 26'680
Projektnummer: 222.1012

Der Schweizer Theologe Dr. Tobias Brandner unterrichtet als einzige westliche Lehrperson an der Divinity School of Chung Chi College der chinesischen Universität Hongkong. Er vertritt dabei eine weltoffene, kritische Theologie. Seinen Unterricht verbindet er mit seiner praktischen Arbeit als Gefängnisseelsorger. Tobias Brandner schärft auf vielfältige Weise das Bewusstsein der Studierenden dafür, dass sich die Kirche gegenüber den Menschen am Rande der Gesellschaft nicht verschliessen, sondern sie ins Zentrum ihrer Arbeit stellen sollte.

Hintergrundinformationen

Die Divinity School of Chung Chi College kann auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurückblicken, die bis ins Jahr 1864 zurückgeht. Die Basler Mission und die aus ihr hervorgegangene Tsung Tsin Mission Church (TTM) sind seit ihren Anfängen dieser theologischen Ausbildungsstätte verbunden. Seit 1963 ist die Divinity School Teil der Chinese University of Hong Kong und somit als theologische Schule integraler Bestandteil einer öffentlichen Universität. Dies ist in Ostasien aussergewöhnlich. Die Divinity School bietet Studiengänge in Theologie und Christian Studies an und hat momentan rund 300 Studierende. Davon stammen rund 80 aus Festlandchina sowie aus Myanmar, Kambodscha und Indonesien. Sie sind grösstenteils dank Stipendien an der Divinity School. Das Seminar und der interdisziplinäre Austausch fördern die Entwicklung einer kritischen, weltoffenen und ökumenischen Theologie, die Brücken zu anderen Religionen und Kulturen schlägt. Studierende und Ehemalige beteiligen sich an progressiven Bewegungen für Gerechtigkeit und Demokratie. In der Vergangenheit haben immer wieder ökumenische Mitarbeitende am Chung Chi College gelehrt. Diese Tradition setzt Tobias Brandner fort. Ab 1998 übernahm er regelmässig Vorlesungen und Kurse. 2009 wurde er schliesslich zum Dozenten mit Vollzeitpensum berufen. Daneben setzt er seine Besuche als Seelsorger im Gefängnis fort.

Projektziele

Mit seiner Lehrtätigkeit unterstützt Tobias Brandner die weltoffene und kritische Auseinandersetzung mit Theologie und ihre Umsetzung in der Praxis. Als westlicher Professor an einer chinesischen Universität baut er Brücken zwischen den Kulturen.

Zielgruppe

Studierende der Divinity School of Chung Chi College und Gefängnisinsassen in Hongkong.

Aktivitäten

Als ökumenischer Mitarbeiter lehrt Tobias Brandner seit 1998 an der Divinity School of Chung Chi College in Hongkong:

  • Er ist beauftragt, Vorlesungen und Seminare mit wechselnder Thematik zu westlicher Kirchengeschichte, Missionswissenschaft und Ökumene zu halten. In unregelmässigen Abständen leitet er Studienreisen nach China, Myanmar und Europa.

  • Neben dem Unterricht arbeitet Tobias Brandner an wissenschaftlichen Publikationen, betreut individuelle Studierende bei Abschlussarbeiten, nimmt an studentischen Aktivitäten oder akademischen Konferenzen teil, kümmert sich um die ausländischen Studierenden und hilft beim Empfang von Gästen und Reisenden nach China.

  • Während der Studienzeit erhalten die Studierenden die Möglichkeit, Praktika bei Nichtregierungsorganisationen zu absolvieren, zum Beispiel bei Christian Action (CA), einer weiteren Partnerorganisation von Mission 21.

  • Neben der Lehrtätigkeit ist Tobias Brandner bereits seit vielen Jahren als Gefängnisseelsorger tätig. Etwa einmal pro Woche besucht er Gefangene und feiert mit ihnen Gottesdienste.

Projektfortschritt

Tobias Brandner bezieht seine Studierenden immer wieder in seine Seelsorgearbeit im Gefängnis ein. Einige Studierende, die selber bereits in Gemeinden arbeiten, führen diesen Besuchsdienst mittlerweile mit Mitgliedern ihrer Gemeinden weiter.

Studierende des theologischen Seminars waren sehr aktiv in der «Schirm-Bewegung» in Hongkong involviert, während der Tausende für freie Wahlen in Hongkong demonstrierten. Gleichzeitig stammt eine grosse Zahl der Studierenden aus der Volksrepublik China mit sehr unterschiedlichen Verständnissen von Demokratie. Da die Repression in China gegen freie und kritische Denker zunimmt, ist ein progressives Seminar wie die Divinity School an der Grenze zu Festlandchina umso wichtiger. Die Divinity School setzt sich für freie Meinungsbildung und -äusserung und das Einstehen für Gerechtigkeit ein.

Auf Studienreisen nach Myanmar, Indonesien oder China ermöglicht Tobias Brandner seinen Studierenden interkulturelles Lernen und Begegnungen mit anderen Religionsgemeinschaften. Auf den Reisen wird konkret erfahrbar, wie effektiv und vielfältig ehemalige Studierende aus diesen Ländern die Theologie in die Praxis umsetzen, trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen.