Politik und Theologie im Dialog

Ein Thema, zwei Perspektiven: Mery Kolimon (r.), Theologin aus Indonesien, und die Schweizer Nationalrätin Sibel Arslan diskutierten am 6. März auf Einladung von Mission 21 über Möglichkeiten, Migrantinnen zu stärken. Beide beschrieben eindrucksvoll, wie sie für Verbesserungen kämpfen.

Die zwei Frauen, die sich an der Veranstaltung "Dialog International" von Mission 21 zum ersten Mal begegnen, kommen aus unterschiedlichen Welten. Mery Kolimon ist Vorsteherin einer der grössten Kirchen Indonesiens. Sie lebt in Westtimor, einer Region, aus der die Menschen in andere Länder fliehen, um der Armut zu entkommen. Für ihre Führungsrolle in der Kirche ist sie soeben mit dem Internationalen Sylvia-Michel-Preis ausgezeichnet worden.

Die Juristin Sibel Arslan sitzt seit 2015 für die Grünen im Nationalrat. Als Elfjährige kam sie aus der Türkei in die Schweiz. Nun nimmt sie als Politikerin unter anderem Einfluss auf die Gesetze, die den Umgang mit den Menschen regeln, die in die Schweiz einwandern.

Die eine kommt also aus einem Land, das die Menschen verlassen, die andere aus einem, in dem Flüchtende Zuflucht suchen. Und doch kämpfen sie beide für dasselbe: Sie setzen sich für Migrantinnen ein und suchen Wege, um Frauen zu stärken, die sich in extremen Situationen befinden.

Geschichten von Wunden und Verletzlichkeit

Mery Kolimon ist bei ihrer Arbeit vor allem mit dem Thema Menschenhandel konfrontiert. "Geschichten von Migration sind oft Geschichten von Wunden und Verletzlichkeit", sagte sie auf dem Podium von "Dialog International". Aus ihrer Heimat Westtimor kommen die meisten Opfer von Menschenhandel in ganz Indonesien, rund 76 Prozent sind Frauen. Für sie setzt Mery Kolimon sich ein. Zum Beispiel mit einem soeben eröffneten Frauenhaus in der Stadt Kupang, mit Präventionsarbeit und Traumaarbeit. Das sind Angebote für direkt Betroffene, in ihrer Position als Kirchenleiterin arbeitet Mery Kolimon jedoch auch auf einer zweiten Ebene. "Um Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken, muss sich auch die Kirche verändern", sagt sie. "Von einer Kirche, die denkt, sie weiss alles, hin zu einer Kirche, die Neues lernen will. Und von einer Kirche, die sich mit dem Status Quo begnügt, hin zu einer Kirche, die auch Risiken eingeht."

Ringen um Antworten

Auch Sibel Arslan kennt sowohl die Arbeit mit Migrantinnen als auch den Einsatz auf struktureller Ebene. Aus- und Einwanderung gehören zu ihrer Biographie. Zugleich kämpft sie im Parlament dafür, dass die spezifische Situation von Migrantinnen berücksichtigt wird. "Was passiert mit Frauen, die an der Grenze zurückgewiesen werden, obwohl sie in der 36sten Woche schwanger sind? Welche Rechte haben Frauen, die ihrem Mann aus dem Ausland in die Schweiz gefolgt sind und sich hier scheiden lassen, weil der Mann sie misshandelt?" Bei solchen Fragen ringt die Politik um Antworten.

Verlieren lernen – und weitermachen

Nicht immer fällt das Ergebnis so aus, wie Sibel Arslan es sich wünscht: „Ich verliere immer wieder. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen und weiterzumachen“, sagt sie. Eine Erfahrung und Fähigkeit, die sie mit Mery Kolimon teilt. "Wenn eine junge Frau im Sarg zurück in ihre Heimat kommt, ist das schrecklich und wir können für sie nichts mehr tun", so Kolimon. "Trotzdem müssen wir weiter kämpfen. Auch kleine Schritte sind wichtig." Einer der kleinen Schritte ist der Austausch – Mery Kolimon und Sibel Arslan haben ihn getan, gemeinsam mit dem Publikum am "Dialog International", das nach den Referaten angeregt nachfragte und viel Stoff zum Nachdenken mit nach Hause nehmen konnte.

Text und Foto: Miriam Glass, Team Öffentlichkeitsarbeit

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