"Religiös zu sein heisst heutzutage, auch interreligiös zu sein"

Zusammenarbeit über Religionsgrenzen hinweg ist ein Schlüssel zu mehr Frieden. Eine Tagung in Basel machte deutlich, was darunter zu verstehen ist.

"Frieden wächst mit uns" heisst die laufende Kampagne von Mission 21. Ein Schwerpunkt dabei: Interreligiöse Zusammenarbeit. Denn Menschen verschiedener Religionszugehörigkeiten zusammenzubringen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Stabilität und Frieden. 

Kritische Fragen erwünscht

An einer Tagung mit dem Titel "Versöhnung: Wertschätzung von Diversität in Indonesien und der Schweiz" teilten Fachleute aus dem Bereich der interreligiösen Zusammenarbeit ihr Wissen. Zum Beispiel Syafaatun Almirzanah, muslimische Theologin und Professorin für Religionswissenschaften an der "State Islamic University" in Yogyakarta, Indonesien. Die Tagung wurde in Kooperation mit Eukumindo organisiert, der Europäischen Arbeitsgruppe für ökumenische Beziehungen mit Indonesien.

Indonesien habe noch bis vor wenigen Jahren als Vorzeigemodell eines pluralistischen Staates gegolten, sagte Almirzanah. Doch seit einigen Jahren würden radikale Tendenzen immer stärker. Bildung sei das wichtigste Mittel, um der Problematik zu begegnen. Ihr Mantra: "Jedes Dogma muss hinterfragt werden können." Um religiösem Fundamentalismus entgegenzutreten und vorzubeugen, müssten Menschen zu kritischem Denken ermutigt werden, schon im Kindesalter. Dabei verschiedene Perspektiven einzunehmen, statt sich abzuschotten, sei wichtiger denn je: "Religiös zu sein heisst heutzutage, auch interreligiös zu sein", so Almirzanah. Sie fordert die religiösen Führer ihres Landes auf, ihre Lehrpläne entsprechend anzupassen.

Interreligiöser Dialog in der Schweiz

Was und wie Schülerinnen und Schüler zu religiösen Themen lernen, ist auch in der Schweiz ein Thema. Lars Wolf, Mediator, Theologe und Lehrer in Basel, sprach über Religionsunterricht in Klassen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund. Es sei wichtig, bereits früh über religiöse Vielfalt zu diskutieren. Dies lasse die Schülerinnen und Schüler auch die eigene Identität erfahren. Manchmal seien es nicht nur die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Religionszugehörigkeit selbst, sondern auch deren Eltern, die begeistert seien über das gemeinsame Reflektieren, Diskutieren und Lernen.  

Friedensarbeit ist konkret sichtbar in Projekten weltweit

Weitere Rednerinnen untersuchten zusätzliche Facetten der Diversität. So sprach Dr. Reinhild Traitler über die Gender-Perspektive in der interkulturellen Bildung; Pfarrerin Tabitha Walther berichtete über Ansätze für Seelsorge in Kontexten mit unterschiedlichen Religionen. Die Indonesierin Visna Vulovik stellte die Arbeit der indonesischen Wahid Foundation im Bereich interreligiöse Zusammenarbeit vor.

Die interreligiöse Zusammenarbeit für den Frieden zu nutzen, ist ein langer Prozess. Dass er begonnen hat, zeigte die Tagung in Basel – und es ist sichtbar in den Projekten für interreligiöse Friedensarbeit in aller Welt.

Text: Miriam Glass/Patrizia Kieliger

► Zur Kampagne "Frieden wächst mit uns"

 

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