Im Stadtgespräch: Genderfragen weltweit vernetzt

Frauen aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika erzählen von Macht, Widerstand, Mut und von Visionen für Gendergerechtigkeit weltweit.

Zeit zum Zuhören, Nachdenken,  Fragen und Mitdiskutieren. Vielfältige musikalische Entr’actes mit Gitarre, Perkussion, Orgel  und Gesang bieten Raum, die anderen Lebenswelten wirken zu lassen.

Programm

14.00-15.00Leben: Gewaltstrukturen. Wie wir hineingeraten. Wie wir hinausfinden.
15.30-16.30Heilen: Frieden finden. Wie wir vergeben. Wie wir überwinden.
17.00-18.00Teilen: Macht. Wie wir sie bekommen. Wie wir sie verantworten.

 

Ort

Martinskirche, Kirchgasse 12, Chur

Ohne Anmeldung: durchgehend offene Tür für alle; die Frauen erzählen auf Deutsch, Englisch oder Spanisch. Es gibt Übersetzungshilfen.

Laden Sie hier den Flyer herunter (PDF)

 

Detailprogramm

14.00 bis 15.00 Uhr - LEBEN: Gewaltstrukturen. Wie wir hineingeraten. Wie wir hinausfinden

Grusswort von Marcus Caduff, Regierungsrat des Kantons Graubünden

Es erzählen: Christina Caprez aus der Schweiz, Soziologin und Historikerin, Journalistin und Autorin, sowie Ira Imelda aus Indonesien, Pfarrerin und Direktorin des Pasundan-Durebang Centers in Bandung

   

Wann, wenn nicht jetzt: Christina Caprez (links) liest aus ihrem jüngsten Buch »Wann, wenn nicht jetzt», das sich mit der bewegten Geschichte der Frauenbewegung exemplarisch am Frauenhaus in Zürich befasst. Mitte der 1970er-Jahre wird Gewalt gegen Frauen in der Schweiz erstmals zu einem öffentlichen Thema. In Zürich eröffnen autonome Feministinnen 1979 das erste Frauenhaus. Bald wurden in der ganzen Schweiz Frauenhäuser eingerichtet, seit 1992 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar, seit 2007 gilt die Devise «wer schlägt, geht». Christina Caprez zeichnet erzählerisch einen Bogen von den Anfängen des Kampfs gegen die Gewalt an Frauen in der Schweiz bis zum Stand heute.

Die Gewalt an der Wurzel angehen: Ira Imelda (rechts) ist Pfarrerin der Pasundan Christian Church und Direktorin des Durebang Centers in Bandung in Indonesien. Das Zentrum ist ein Frauenhaus, das Beratung, Wohnung, Schutz und Ausbildung bietet für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind oder in der Arbeitsmigration in Hongkong in eine Sackgasse gerieten und vorübergehend bei einer Rückkehr eine Bleibe im Heimatland benötigen.

In Indonesien ist Gewalt gegen Frauen keine Seltenheit. 68% beträgt dort bei gemeldeten Gewalttaten der Anteil häuslicher Gewalt. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Ira Imelda setzt sich im Rahmen ihrer Arbeit ein für geschultes Personal in Seelsorge, Beratung und Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt und Menschenhandel. Ziel ist die Überwindung sexueller und genderbasierter Gewalt. Frauenhäuser und Beratungsstellen sind dabei wichtig, entscheidend ist für Ira Imelda aber, dass die Gewaltstrukturen an der Wurzel angegangen werden.

Musikalische Entr’actes: Patricia Lardi mit Gesang und Gitarre

Kraft – Liebe – Leidenschaft: Die in Peru geborene Musikerin verknüpft das Leben von Frauen in der Schweiz und in Indonesien in ihrer Musik mit dem Leben von Frauen in Lateinamerika. Patricia Lardis Musik ist geprägt von italienischem und spanischem Temperament. Gesang ist für sie Leben: und wenn Gesang anderen Freude macht, so gibt dies dem Leben Sinn und Kraft.

15.00–15.30 Offenes Café. Zeit für Gespräche mit Ira Imelda im Antistitium, gleich neben der Martinskirche

 

15.30 bis 16.30 Uhr - HEILEN: Frieden finden: Wie wir vergeben. Wie wir überwinden.

   

Es erzählen: Annemarie Grünig, Leiterin des Frauenhauses Graubünden, Paska Aciya Nimiriano (links) aus dem Südsudan, Pfarrerinund aktiv imWomen Work Department, sowie Ruth Vindas Benavides (rechts) aus Costa Rica, Pfarrerin und Pädadogin.

Die Leiterin des Bündner Frauenhauses gibt Einblick in den Alltag eines Frauenhauses und erzählt, wie ein Neuanfang unterstützt und begleitet werden kann.Was hilft Frauen, die von Gewalt betroffen sind, mit erfahrenen Verletzungen umzugehen?. Wie finden Frauen in ein selbstbestimmtes Leben? Was benötigen sie, was hindert? Was müsste sich in der Gesellschaft ändern? Was bedeutet es, im Blick auf erfahrene Gewalt von Heilung, Versöhnung und Überwindung zu sprechen? Eine Annäherung an die Frage, wie Verletzung durch Gewalt überwunden werden kann. 

Mitten im Krieg am Frieden bauen: Friedensförderung ist in der aktuellen Situation im Südsudan zentral. Bis zu 500 000 Menschen starben im Bürgerkrieg, rund 4,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner wurden vertrieben. Im September 2018 wurde ein Friedensvertrag geschlossen, Friedensförderung und Versöhnungsarbeit bleiben essentiell. Die Kirchen spielen eine wichtige Rolle dabei, die Versöhnung in der gespaltenen Gesellschaft herbeizuführen. Wie wird nun konkret im Südsudan an gewaltlosen und gerechten Beziehungen über ethnische und religiöse Grenzen hinweg gebaut? Wie hilft Trauma- und Versöhnungsarbeit den Menschen, mit dem Erlebten umzugehen, ohne dass erneut Gewalt geübt wird? Paska Aciya Nimiriano hat sich der Friedensförderung verschrieben, vor allem mit Frauen, die in besonderer Weise Opfer von Gewalt in Kriegskontexten werden, jedoch auch auf besondere Weise eine aktive Rolle bei der Versöhnungsarbeit haben.

Biblische Texte als Rückenstärkung: Ruth Vindas Benavidas Kontext ist Costa Rica und ihre Spezialität ist die Arbeit mit der Bibel in Religionsunterricht und Erwachsenenbildung. Ruth Vindas erlebt, wie kirchliche Strukturen und biblische Texte Frauen hindern, selbstbewusst ihr Leben zu gestalten, weil jene durch patriarchale Geschichte geprägt und entsprechend ausgelegt werdenSie sieht aber in der kirchlichen Arbeit und in biblischen Texten eine revolutionäre Kraft, mit denen Frauen sich Gleichberechtigung erkämpfen können. Ruth Vindas Benavides arbeitet viel mit Frauendie Gewaltstrukturen erleben und erzählt, wie kirchliche Erwachsenenarbeit und die Arbeit mit biblischen Texten, Frauen den Rücken stärken.

16.30–17.00 Offenes Café. Zeit für Gespräche mit Paska Aciya Nimiriano und Ruth Vindas Benavides im Antistitium, gleich neben der Martinskirche

 

17.00 bis 18.00 Uhr - TEILEN. Macht: Wie wir sie bekommen. Wie wir sie verantworten.

   

Es erzählen: Eva Soledad Alejo Mamani (links) aus Bolivien sowie Esther Gisler Fischer (Foto) aus der Schweiz, feministische Theologin und während viereinhalb Jahren Mitglied der Fachkommission Frauen und Gender bei Mission 21. Sie arbeitet momentan als reformierte Pfarrerin. 

Frauenpower in der Landwirtschaft: Elva Soledad Alejo Mamani ist Koordinatorin für Umweltprojekte in der Regierung von La Paz, Beauftragte für das Forstwirtschaftsprogramm in der Regierung von La Paz sowie Beauftragte für Bewässerungsprojekte und für Landwirtschaftszählung. Sie trägt Verantwortung in einer Domäne, in der eher Männer Karriere machen, in der aber Frauen viel Basisarbeit leisten. Wie kommen Frauen zu Verantwortung und in verantwortliche Positionen und wie gehen sie verantwortlich mit Macht um? Und wie wirkt sich dies konkret für Elva Mamani auf die tägliche Arbeit mit indigenen Bauernfamilien aus?

Anders wirtschaften: Wie anders könnte unsere Welt aussehen, wenn Haus- und Erwerbsarbeit, Beziehungs-, Pflege- und Freiwilligenarbeit gerecht aufgeteilt würden zwischen den Geschlechtern? Und wenn die Ressourcen gerechter aufgeteilt wären zwischen den Ländern des Südens und des Nordens? Wird in einem anderen Wirtschaften auch die Machtfrage anders gestellt?

'Wirtschaft ist Care' war das Motto der 7. Schweizer Frauen*synode, einer prozessorientierten, kirchennahen und ökumenische Bewegung mit Wurzeln in der Feministischen Theologie: Esther Gisler Fischer hatte in der Spurgruppe dazu mitgearbeitet. Die Ökonomie soll auf ihr Kerngeschäft, die Befriedigung tatsächlicher menschlicher Bedürfnisse weltweit zurückgeführt werden. Esther Gisler Fischer stellt dieses Konzept vor und kommt darüber mit den Anwesenden ausgehend von deren Lebenserfahrungen ins Gespräch.

► Mehr Informationen und ein erklärender Film

► Erklärfilm

► Info-Leporello (PDF)

 

Musikalische Entr’actes: Margritta Juon an der Orgel und Walter Stenz mit Flöte

Musik als Quelle der Kraft: Musik drückt für beide oft mehr aus, als Worte es vermögen. Margritta Juons Interesse für Orgelmusik wurde schon sehr früh geweckt, weil sie oftmals dabei war, wenn ihre Mutter Orgel spielte. Margritta Juon studierte selbst Organistin, in Zürich bei Ursula Hause und in St. Gallen bei Stephan Thomas. Ihr musikalischer Schwerpunkt liegt heute im liturgischen Bereich der Pastorationsgemeinschaft Thusis-Masein und in der Friedhofskapelle Fürstenwald. Musik ist ihr eine Quelle der Kraft, die sie gerne auch im gemeinsamen Spiel, und stilistisch breit ausschöpft. Auch für Walter Stenz ist Musik ein persönliches Lebenselixier. Sie beflügelt ihn im persönlichen wie im zwischenmenschlichen Bereich. Sie vermittelt Tieferes als es Worte können. Er macht Musik als ein Geschenk über alle Grenzen hinweg.

Schlusswort von Barbara Hirsbrunner, Kirchenrätin der Reformierten Landeskirche Graubünden mit dem Departement Mission, Ökumene und Diakonie.

Ab 18.00 Uhr: Ausklang mit einem kleinen Apéro vor der Martinskirche

 

Es laden zur Missionswoche mit Mission 21 gemeinsam ein:
Evangelisch reformierte Landeskirche Graubünden
AKiD Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Landschaft Davos
Reformierte Kirche Chur