Der Ansatz des Abends folgte der Erkenntnis, dass Dekolonialisierung eine fortdauernde Aufgabe darstellt und auch die Schweiz betrifft. Diese beherrschte zwar keine Kolonialgebiete, sie war aber in den Kolonialismus verstrickt – und koloniale Strukturen wirken auch hier bis heute fort und beeinflussen, wie wir Zukunft gestalten. Durch die Veranstaltung führte Barbara Heer, Leiterin der Stabsstelle Frauen und Gender bei Mission 21.
Friedrich von Bose, Direktor des Museums der Kulturen und Gastgeber des Abends, sowie Werner Hanak, Leiter Strategische Projekte der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt, überbrachten die Grussworte. Sie regten dazu an, sich mit den Konsequenzen für das Zusammenleben heute und morgen auseinanderzusetzen, die sich aus der kolonialen Vergangenheit ergeben.
Als Podiumsgäste waren die Historikerinnen Felicity Jensz und Constantje Siegenthaler, der Historiker und Lyriker Henri-Michel Yéré sowie die Literatur- und Sprachwissenschaftlerin Patrizia Zanella eingeladen. Im Gespräch mit Amélé Ekué, Abteilungsleiterin Bildung, Austausch, Forschung, und Manuel Menrath, Teamleiter Bildung, beide von Mission 21, brachten sie ihre unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Perspektiven auf die Thematik ein.
Für die rund 50 Personen im Publikum wurde ein attraktiver Einstieg gewählt: Anhand eines persönlich ausgewählten Bildes erläuterten die Podiumsgäste ihren jeweiligen Zugang zum Thema und teilten eigene Erfahrungen und Reflexionen. Diese reichten von familiären Traumata, die auf die Kolonialzeit zurückgehen, über stereotype Bildwelten und den Verlust von Sprachen bis hin zu den Herausforderungen, sich von kolonialen Machtstrukturen zu befreien. Zugleich stellten sie indigene Welt- und Sprachbilder vor, deren symbolischer Reichtum für Resilienz und selbstbestimmte Kreativität steht.
In einer zweiten Gesprächsrunde diskutierte das Podium darüber, wie Bilder dekonstruiert und neu gesehen werden können und wie sogenannt «lokale» Sprachen als Erbe und Basis erstarkenden Selbstbewusstseins für zukünftige Generationen erneuert werden können und müssen.

Künstlerisch erweiterte der Kulturverein PLOUS mit “Remember the future” den Anlass. PLOUS gestaltete auf eindrückliche Weise Passagen aus “Oktana”, einem Langgedicht des griechischen Lyrikers Andreas Embirikos, das eine poetische Vision eines neuen Menschseins und einer neuen Weise, die Welt zu bewohnen, entwirft.
RoundTable – neues Bildungsformat von Mission 21
Die Abendveranstaltung “Die Zukunft dekolonialisieren”, war der öffentliche Teil im Rahmen des neuen Bildungs- und Austauschformats RoundTable von Mission 21. Unter dem Titel “Die Zukunft erinnern” widmeten sich Fachleute am 15. und 16. Oktober 2026 dem Thema der Kolonialisierung als globaler Geschichte und der Dekolonialisierung als gemeinsamer Verantwortung. Sie betonten, dass es beim Erinnern an das Unrecht der Kolonialgeschichte nicht nur um Bearbeitung der Vergangenheit gehe, sondern um Gestaltung der Zukunft: „Re-membering“ als In-Beziehung-Setzen, als Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft. Einige der teilnehmenden Fachleute wirkten auch auf dem Podium mit und schlugen so eine Brücke zur breiteren Öffentlichkeit.
Am RoundTable, unter anderem auch in vier Workshops, wurden verschiedene Zugänge zum Thema Dekolonialisierung diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Situationen und Deutungen als Teile eines globalen Geflechts von Erinnerungskulturen gelesen werden können. Militarismus und die Ausbeutung von Bodenschätzen in Ländern des Globalen Südens haben sich als Kennzeichen des Kolonialismus erwiesen und setzen sich in der Gegenwart als „koloniales Kontinuum“ fort.
Welche Wege aber weisen in die Zukunft? Ein wichtiger Weg ist das Erinnern bisher tabuisierter Ereignisse der Geschichte, zum Beispiel in Sulawesi (Indonesien) mittels Zeitzeugen-Interviews. Oder das Erinnern verschütteter kultureller Elemente, wie ein Projekt in Kamerun, das seit 2023 die verdrängte Bankon-Sprache wiederbelebt, nachdem sie erstmals durch Basler Missionare ab 1912 verschriftlicht worden war.
Die Beteiligung der jungen Generation an diesen Prozessen der Zukunftsgestaltung ist entscheidend. Es ist eine mögliche Antwort auf die Frage, wie Kinder und Jugendliche, die als Folge der Kolonialgeschichte heute an den Rand gedrängt sind, die Zukunft mitgestalten können. Unsere gemeinsame Verantwortung besteht darin, Lösungen zu finden, wie wir verhindern können, heute auf Kosten zukünftiger Generationen zu leben.

Der RoundTable Dekolonialität soll im nächsten Jahr mit interdisziplinärer und internationaler Besetzung weitergeführt werden.
]]>In seiner Keynote stellte Jochen Kirsch die Zusammenarbeit mit den Global Health Catalysts vor, namentlich beim Aufbau der Onkologie-Plattform «Comprehensive Cancer Center in the Cloud» (C4). Die KI-gestützte Plattform verschafft Patient*innen und Fachpersonal, besonders im Globalen Süden, Zugang zu Wissen und Behandlungsstandards führender Krebszentren weltweit.



«Die Auszeichnung zeigt, dass Mission 21 mit ihren Partnerkirchen inmitten aller weltweiten Herausforderungen für die nachhaltige ganzheitliche Gesundheit der Menschen arbeitet», sagte Jochen Kirsch in seiner Dankesrede.
Mehr Hintergründe zu den Gesundheitsprojekten von Mission 21 finden Sie hier.
Kriege, die Klimakrise und wachsende Spannungen wirken sich weltweit aus. Sie erschüttern das Vertrauen der Menschen in eine sichere Zukunft und in eine gerechte, stabile globale Ordnung.

Unter dem Motto «Halt in haltlosen Zeiten» stehen über 40 Schweizer Werke der internationalen Zusammenarbeit gemeinsam und zeigen auf, dass ihre Arbeit jetzt wichtiger ist, denn je. Gemeinsam stärken sie Gemeinschaften, schaffen konkrete Lösungen und zeigen: Viele kleine Beiträge können Grosses bewegen. Denn eine gerechte und lebenswerte Welt entsteht nicht von oben – sie wird von vielen Menschen gemeinsam von unten aufgebaut.
Darum ist es wichtig, dass auch wir in der Schweiz dazu beitragen, dass Menschen weltweit Perspektiven auf ein Leben in Frieden und Würde haben. So entsteht Halt – und mit ihm die Grundlage für eine friedliche und sichere Zukunft für uns alle.
Zur Website der Kampagne “Halt in haltlosen Zeiten“
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Für Raysa Díaz Romero, die beim «Centro de la Mujer Peruana Flora Tristán» in Lima arbeitet, zeigt der Fall, wie tief geschlechtsbezogene Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen Perus verankert ist und wie gross die Hartnäckigkeit ist, die es für Veränderung braucht. Die Partnerorganisation von Mission 21 kämpft seit 47 Jahren für Frauenrechte, trotz wachsendem politischem Gegenwind: Sexualerziehung wurde aus Perus Schulen gestrichen, ein neuer Gesetzesentwurf will gar den Femizid als straferschwerenden Tatbestand abschaffen.
Der Fall ist Teil des Schwerpunkts der aktuellen Ausgabe des Magazins «begegnen» (Nr. 3, September 2026). Unter dem Titel «Gemeinsam gegen Gewalt» stellt das Heft Projekte in Peru, Bolivien und Indonesien vor, die sich gegen geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt einsetzen.
Das vollständige Magazin gibt es hier, mehr zur Kampagne erfahren Sie hier.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wurde von Yakubu Joseph, Koordinator von Mission 21 in Nigeria empfangen. Begleitet hat die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern Patrick Egloff, Schweizer Botschafter in Nigeria.
Während des Besuchs informierten sich die Gäste über die Situation der Vertriebenen sowie über die Friedensförderung im Lager. Die Bundesrätin und der Schweizer Botschafter zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Menschen vor Ort und von der besonderen Rolle, die das Vertriebenenlager Gurku für das friedliche Zusammenleben von Christ*innen und Muslim*innen spielt. Beide bekundeten ihre Bereitschaft, die Partnerschaft mit dem Lager wieder aufzunehmen. Patrick Egloff erkundigte sich zudem nach der aktuellen Arbeit von Mission 21 und betonte, dass er sich auf den weiteren Austausch mit der Organisation freue.

Das Vertriebenenlager Gurku ist weit mehr als eine Notunterkunft. Es ist ein Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Religionen bewusst gemeinsam leben und ihre Zukunft gestalten – trotz traumatischer Erfahrungen. Der Terror der islamistischen Miliz Boko Haram hat in Nordnigeria tausende Menschen das Leben gekostet und mehrere Millionen zur Flucht gezwungen.
Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen unterstützte Mission 21 das Friedensdorf Gurku. Hier setzen die Bewohner*innen dem Hass ein anderes Bild entgegen: Sie leben Tür an Tür, unterstützen sich gegenseitig und engagieren sich gemeinsam für Frieden und Versöhnung. Traumabegleitung, interreligiöser Dialog, Bildungsangebote und gemeinschaftliche Projekte helfen den Menschen, die Folgen von Gewalt und Vertreibung zu überwinden und neues Vertrauen aufzubauen.

Zum Lager gehört auch eine Gesundheitsstation, deren Bau 2015 mit Unterstützung der Schweiz ermöglicht wurde. Sie verbessert bis heute den Zugang zur medizinischen Versorgung für die Bevölkerung der Region und trägt dazu bei, die Lebensqualität von Menschen zu stärken, die von Armut, Vertreibung und sozialer Ausgrenzung betroffen sind.
Der Besuch in Gurku war Teil der Nigeria-Reise von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider vom 28. Juni bis 1. Juli 2026. Im Mittelpunkt der Reise standen die Rückgabe von 18 Benin-Bronzen und fünf weiteren Kulturgütern an Nigeria sowie die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern.
Mit ihrem Besuch in Gurku setzte die Bundesrätin zugleich ein Zeichen für die Bedeutung von Projekten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Menschen nach Krieg und Vertreibung neue Perspektiven eröffnen. Dass sie dabei ein von Mission 21 lange Zeit unterstütztes Projekt besuchte und sich vor Ort über dessen Wirkung informierte, ist eine wichtige Anerkennung der langjährigen Friedensförderung von Mission 21.
Gurku zeigt, dass Versöhnung möglich ist – selbst dort, wo Terror und Gewalt tiefe Wunden hinterlassen haben. Damit Menschen weiterhin Schutz finden, Traumata bewältigen und Brücken zwischen den Religionsgemeinschaften bauen können, braucht es langfristige Unterstützung.
Mehr Informationen zum Projekt: Interreligiöse Friedensförderung in Nigeria.
Wir setzen auch bei anderen Projekten von Mission 21 unsere langjährige Erfahrung in Friedensförderung ein. Weitere Beispiele finden Sie hier.
]]>Der Ebola-Ausbruch in Kongo-Kinshasa bedeutet eine existenzielle Bedrohung für den Südsudan. Im Land selbst wurden bis Mitte Juni zwar keine Ebola-Fälle registriert. Doch die Krankheit hat von Kongo-Kinshasa bereits nach Uganda übergegriffen, das ebenfalls an den Südsudan grenzt.
Das Gesundheitssystem des Südsudans wurde durch den USAID-Rückzug stark geschwächt. Dringend benötigte Medikamente sind nicht mehr vorrätig; zahlreiche Menschen haben ihre Stelle bei medizinischen Organisationen verloren. Dorina Waldmeyer, Programmverantwortliche Südsudan von Mission 21, sagt: «Drei Viertel der Menschen im Südsudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dazu zählen vor allem Lebensmittel, aber auch Medikamente und andere Produkte des täglichen Lebens.»
Mission 21 unterstützt eine Hebammenschule in der Hauptstadt Juba, die eine wichtige Ausbildungsstätte ist im Einsatz gegen die hohe Kinder- und Müttersterblichkeit im Südsudan. Angesichts der neuen Bedrohung durch das Ebola-Virus zeigt sich der Leiter der Schule, Geoffrey Omari, im Gespräch besorgt, aber auch engagiert. Er möchte mit Schulungen und Aufklärungsarbeit dazu beitragen, die Ausbreitung des Ebola-Virus einzudämmen.
Geoffrey Omari, welche Auswirkungen hat der Ebola-Ausbruch für die Hebammenschule?
Wir sind im Alltag bereits indirekt betroffen. Wegen der Kontrollen an der Grenze von Südsudan und Uganda, woher ein grosser Teil unserer Versorgung kommt, erreichen uns viel weniger Waren aus Uganda. Das führt zu höheren Preisen für Lebensmittel und damit für uns deutlich höhere Kosten für die Verpflegung unserer Internatsschülerinnen.
Werden konkrete Anpassungen am Ausbildungsprogramm vorgenommen?
Wir haben die Vermittlung von Infektionsprävention im Unterricht verstärkt. Das Programm läuft ansonsten wie gewohnt, und wir erwarten, das Semester am 3. Juli abzuschliessen. Im Moment bereiten wir die Studierenden auf ihre Prüfungen am Ende des Semesters vor. Ich bin optimistisch, dass sich die Situation bis zu den Ferien nicht wesentlich verändern wird. Gleichzeitig bleiben wir wachsam, falls sich die Lage verschlechtern sollte.
Sie stehen auch mit Hebammen in Kontakt, die ihre Ausbildung an der Schule abgeschlossen haben. Arbeiten einige von ihnen auch in Grenzregionen, in denen sie einem hohen Risiko ausgesetzt sind?
Unsere Absolventinnen sind im ganzen Südsudan tätig. Glücklicherweise jedoch nicht in Hochrisikogebieten, und niemand arbeitet in Kongo-Kinshasa. Einige wenige sind auf ugandischer Seite tätig, wo Grenzscreenings und Einschränkungen im grenzüberschreitenden Verkehr gelten; um sie mache ich mir Sorgen.
Haben Sie Massnahmen angedacht, um auf die aktuelle Situation zu reagieren?
Ich entwickle auch eine Strategie, um das Bewusstsein der Hebammen zu stärken. Wir möchten Gesundheitserziehung in Einrichtungen in Juba sowie in der Presbyterianischen Kirche anbieten. Mit Materialien zur Gesundheitsaufklärung zu übertragbaren Krankheiten, einschliesslich Ebola, sowie mit Screening-Aktivitäten sollen Grundschulen, Sekundarschulen und Colleges der Presbyterianischen Kirche im ganzen Südsudan erreicht werden. In den Kirchgemeinden in diesen Regionen arbeiten wir mit unseren Absolventinnen zusammen und stärken ihre Fähigkeiten, damit sie im Bedarfsfall reagieren können.
Was könnte ein Ebola-Ausbruch für die Hebammen vor Ort bedeuten?
Falls Ebola den Südsudan erreichen sollte, müssten wir unsere Aktivitäten vorübergehend einstellen und die Arbeit von zu Hause aus organisieren, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Ich hoffe sehr, dass es nicht so weit kommt. Ebola-Ausbrüche sind unberechenbar, und wenn sich die Krankheit ausbreitet, können die Folgen schwerwiegend sein, weil sowohl Sterblichkeit als auch Krankheitslast hoch sind. Wir müssen frühzeitig und wirksam Massnahmen zur Infektionsprävention umsetzen, dann können wir das Risiko möglicherweise erheblich senken.
Trotz der Bedrohung wirken Sie optimistisch. Was gibt Ihnen die Hoffnung, dass Sie das Programm weiterführen, und Massnahmen wirksam umsetzen können?
Das Ministerium verfügt über eine klare Politik und einen Reaktionsmechanismus für den Fall, dass ein Fall festgestellt wird. Auch die Screening-Massnahmen an den Grenzen, insbesondere für Bewegungen aus Kongo und Uganda in den Südsudan, geben mir Zuversicht. Wenn alles weiterhin nach Plan verläuft und wir die Massnahmen zur Infektionsprävention wie vorgesehen umsetzen, glaube ich, dass wir die Situation bewältigen können. Das gibt mir Hoffnung.
Interview: Lukas Geer
]]>Die politische Krise in Bolivien verschärft sich. Seit Wochen sorgen Proteste und Strassenblockaden für Versorgungsengpässe im ganzen Land. Besonders betroffen sind die Regionen rund um La Paz und El Alto, wo Lebensmittel knapp werden und die Preise stark gestiegen sind.
Auslöser der aktuellen Spannungen sind anhaltende Proteste gegen die neue Regierung von Präsident Rodrigo Paz. Verschiedene soziale Bewegungen, Gewerkschaften und Unterstützende des ehemaligen Präsidenten Evo Morales fordern seinen Rücktritt. Mittlerweile wurden landesweit über 90 Blockaden errichtet. Die bolivianische Bevölkerung verlangt von der Regierung, den Ausnahmezustand auszurufen und damit das Militär zu beauftragen, gemeinsam mit der Polizei die Strassen freizumachen. Beobachterinnen und Beobachter befürchten weitere gewaltsame Auseinandersetzungen.
Die Folgen für die Bevölkerung sind gravierend. Viele Familien haben Schwierigkeiten, Lebensmittel zu beschaffen. In den Städten La Paz und El Alto gelangen kaum noch neue Waren in die Märkte. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind stark gestiegen und treffen insbesondere Menschen mit geringem Einkommen hart. Bereits vor der aktuellen Krise lebten in El Alto viele Familien unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen.

Die eigenen Ressourcen reichen nicht mehr aus
Die Partnerorganisationen von Mission 21 erleben die Auswirkungen unmittelbar. Die Organisation FOCAPACI, die Stadtgärten in El Alto unterstützt, berichtet, dass rund 200 Familien dringend auf zusätzliche Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Dank der Erträge aus ihren Gemeinschaftsgärten konnten sie die vergangenen Wochen überbrücken. Doch nach fünf Wochen Blockaden reichen die eigenen Ressourcen vielerorts nicht mehr aus.
Auch die Arbeit von PRODIASUR in ländlichen Regionen ist stark eingeschränkt. In mehreren Gemeinden können Mitarbeitende seit Wochen keine Projekte vor Ort begleiten. Kleinbäuerliche Familien sind besonders betroffen: Sie können ihre Produkte nicht verkaufen, verlieren wichtige Einnahmen und haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Familien zu versorgen. Bildungsangebote werden deshalb teilweise wieder virtuell durchgeführt, wie bereits während der Corona-Pandemie.
Trotz der angespannten Lage gibt es Bemühungen um Dialog. Verschiedene Akteur*innen versuchen zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Die Partnerorganisationen von Mission 21 hoffen, dass diese Initiativen zu einer Deeskalation beitragen und die Versorgung der Bevölkerung bald wieder gesichert werden kann. Mission 21 steht in engem Kontakt mit ihren Partnerorganisationen vor Ort und verfolgt die Entwicklung aufmerksam.
Die aktuelle Krise verschärft die Not vieler Familien in Bolivien. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere Partnerorganisationen dabei, betroffene Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen und langfristig ihre Ernährungssicherheit zu stärken.
]]>In Lateinamerika nutzen fundamentalistische Bewegungen Religion als politisches Instrument, um Menschenrechte auszuhöhlen und demokratische Debatten zu blockieren. Die ökumenische Kampagne «Glaube und Demokratie» («Fe y Democracia»), getragen von vier Partnerorganisationen von Mission 21 in Peru und Costa Rica, stellt sich diesem Trend entgegen. «Fundamentalistische Diskurse wollen, dass wir schweigen. Wir müssen Räume öffnen, um mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen», erklärt Koordinatorin Natalia Serrano Álvarez vom Ökumenischen Forschungsinstitut DEI in Costa Rica.
In Nigeria verfolgt Mission 21 einen Ansatz, der auf der Gemeindeebene ansetzt: mit Bildung, Friedensförderung und der Überwindung geschlechtsbasierter Gewalt. Die Kirche der Geschwister EYN schult Projektteilnehmende in Finanzen, Gesundheitsversorgung und Traumaresilienz. Beim jährlichen «Roundtable on the Right to Development» kommen zivilgesellschaftliche Akteure und staatliche Institutionen zusammen, um Lösungen für die Herausforderungen des Landes zu erarbeiten.
Aus Hongkong und weiteren Teilen Asiens berichten Theologinnen und Theologen ausserdem, wie kirchliche Institutionen unter veränderten politischen Bedingungen weiterhin für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten. Lesen Sie mehr über diese Ansätze in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins «begegnen».
Das Magazin «begegnen» wird herausgegeben von Mission 21.
Die Zeitschrift «begegnen» ist das Spender*innenmagazin von Mission 21. Es erscheint viermal jährlich. Das Heft enthält Informationen und Geschichten rund um die Projekte von Mission 21 und die Menschen dahinter.
]]>Seit Ende 2025 hat sich der bewaffnete Konflikt im Südsudan drastisch verschärft, insbesondere in den Bundesstaaten Jonglei und Upper Nile. Staatliche Streitkräfte (SSPDF) und die oppositionelle SPLA/IO blockieren humanitäre Zugänge und ordnen grossflächige Evakuierungen an. Damit wurden 280 000 Menschen bisher vertrieben.
Die Evakuierungsbefehle dienen überwiegend nicht dem Schutz der Bevölkerung. Zeitpunkt und Ausmass deuten darauf hin, dass sie militärischer Logik folgen. So wurden beispielsweise in Lankien (Jonglei) Ende Dezember 2025 nach Evakuierungsanordnungen wahllose Luftangriffe durchgeführt. Zivilpersonen kamen ums Leben oder wurden verletzt. Nach internationalem humanitärem Recht sind Zwangsvertreibungen ohne zwingende Gründe verboten und stellen ein Kriegsverbrechen dar.
Geburtshelferinnen in Gefahr
Das Spital in Lankien wurde wiederholt angegriffen. Dort arbeiten mindestens elf Hebammen, die ihre Ausbildung dank der Unterstützung von Mission-21-Partnern abschliessen konnten. Ihr Einsatz ist lebensrettend für Frauen, Neugeborene und eine ganze Region. Jetzt ist das Leben der Fachpersonen in Gefahr.
Ich unterstütze Mission 21 im Südsudan: hier spenden
Beide Konfliktparteien begehen schwere Übergriffe, die sich gezielt oder wahllos gegen die Zivilbevölkerung richten: Tötungen, sexualisierte Gewalt, Plünderungen und die systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur.
Hinzu kommen widersprüchliche und teils drohende administrative Anordnungen lokaler Behörden, die Hilfswerke faktisch zwingen, Partei zu ergreifen oder ihre Arbeit einzustellen. Flugverbote schneiden ganze Gebiete von der Versorgung ab.
Dramatisch für die Zivilbevölkerung
Diese Dynamik deutet auf eine gezielte Instrumentalisierung humanitärer Hilfe hin. Der Zugang zu Unterstützung wird nicht primär an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet, sondern als politisches und militärisches Druckmittel eingesetzt.
Für die betroffene Zivilbevölkerung sind die Folgen dramatisch: Zehntausende leben unter extremen Bedingungen ohne ausreichende Nahrung, medizinische Versorgung oder Schutz. In mehreren Regionen besteht akute Hungersnotgefahr.
Ich unterstütze Mission 21 im Südsudan: hier spenden
Alle Konfliktparteien wären verpflichtet, humanitäre Hilfe zuzulassen und die Zivilbevölkerung unabhängig von ihrer Fluchtentscheidung zu schützen. Die anhaltenden Verstösse zeigen jedoch ein hohes Mass an Straflosigkeit und eine fortschreitende Erosion grundlegender Schutzmechanismen.
Mission 21 setzt sich auch langfristig ein
Für Mission 21 unterstreicht die Situation die Notwendigkeit, humanitäre Hilfe, Menschenrechtsarbeit und friedenspolitische Advocacy eng zu verzahnen. Die Bedrohung von Einrichtungen wie dem Spital in Lankien macht deutlich, dass Bildungs‑ und Gesundheitsarbeit langfristige Wirkung entfaltet, jedoch ohne politischen Schutz und humanitären Zugang massiv gefährdet ist. Neben der Unterstützung lokaler Partner braucht es verstärkten internationalen Druck, um Zivilpersonen, medizinisches Personal und lebenswichtige Infrastruktur wirksam zu schützen.
Wir stehen in engem Kontakt mit unserem Koordinationsbüro in Juba sowie unseren Partnern vor Ort. Mission 21 setzt sich auf allen Ebenen für den Schutz der Zivilbevölkerung, des medizinischen Personals und der lebenswichtigen Infrastruktur ein.
]]>Dieser Leitfaden ist unser praxisnahes Arbeitstool. Er zeigt auf, wie dekoloniale und antirassistische Sprache aussehen kann. Denn Gerechtigkeit, Dekolonialisierung und Vielfalt gehören zu den zentralen Prinzipien der Arbeit von Mission 21. Diese Werte zu leben, verlangt auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Sprachgebrauch.
Mit der Publikation dieses Leitfadens möchten wir das Thema in eine breitere Öffentlichkeit tragen. Der Leitfaden versteht sich als Einladung, Sprache bewusst und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Der Leitfaden ist online als PDF verfügbar und kann und soll Anstoss für Diskussionen sein, er soll verändert und weiterentwickelt werden.
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