Taty P. Suandi und Cliff Edward Kasakeyan: Zwei Stimmen gegen das Schweigen
Als Psychologin und als Pfarrer setzen sich Taty P. Suandi und Cliff Edward Kasakeyan in Indonesien gegen geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt ein. Sie hören zu, klären auf und setzen sich unermüdlich für Betroffene ein.
Taty P. Suandi hat einen bestimmten Blick und eine klare Mission. Als Psychologin am Pasundan Durebang Center in Bandung, Westjava, setzt sie sich für Frauen und Kinder ein, die geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt erlebt haben. Taty P. Suandi berät gewaltbetroffene Menschen im Zentrum oder sucht sie zuhause auf, begleitet sie zu Gerichtsverhandlungen und macht Präventions- und Aufklärungsarbeit.
Ins Leben gerufen hat das Zentrum die evangelisch-reformierte Pasundan-Kirche (GKP), zu der Mission 21 eine langjährige Verbindung pflegt. Westjava ist eine ausgeprägt islamische Region, Christ*innen bilden hier eine kleine Minderheit. Doch statt sich abzugrenzen, setzt die Pasundan-Kirche auf Dialog. Das Zentrum ist ein lebendiger Beweis dafür, dass interreligiöse Zusammenarbeit funktioniert. Taty P. Suandi, selbst Muslimin, ist seit der Gründung des Zentrums im Jahr 2013 mit dabei.
«Vor 20 Jahren dachten wir, es gäbe nicht viele Fälle von Gewalt», erzählt die engagierte Frau. «Wir meinten, es gehe uns gut. Aber es war nur die Spitze des Eisbergs.» Als das Zentrum einen Notruf einrichtete, wurde klar: Gewaltberichte häuften sich in unerwartet kurzer Zeit.
Millionen Frauen in gefährlicher Lage
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehrere Millionen Indonesierinnen, die aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage als Hausangestellte oder Pflegekräfte in Malaysia oder Hongkong arbeiten, wissen nicht, was sie im Zielland erwartet. Sie haben schlechten Zugang zu Informationen und sind dadurch sehr verletzlich. Oft erleben sie Ausbeutung und Gewalt. Wie gefährlich die Situation ist, zeigt die Statistik: Im Schnitt muss jeden Tag eine verstorbene indonesische Migrantin aus Malaysia zurückgebracht werden.
Doch es geht nicht nur um Arbeitsmigration. In Indonesien sind jährlich etwa 1,2 Millionen Indonesierinnen bei ihrer Heirat minderjährig. Auch generell ist geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt ein Problem.
«Jeden Monat erreichen uns neue Fälle», erzählt Cliff Edward Kasakeyan. Er ist Pfarrer an der Pasundan-Kirche und arbeitet ebenfalls am Pasundan Durebang. Speziell wenn Kinder betroffen sind, lässt das Wut in ihm aufkommen.
Taty P. Suandi, Cliff Edward Kasakeyan und das Team des Pasundan Durebang Centers während Beratungsgesprächen und ihrem Engagement gegen Gewalt, 2026. Fotos: Rosa Panggabean für Mission 21.
Wurzeln der Gewalt
Die Gründe für geschlechtsbezogene und sexualisierte Gewalt liegen unter anderem an fehlender Aufklärung über Sexualität und der Tabuisierung sexualisierter Gewalt. Zudem geschieht Gewalt oft im nahen Umfeld. Aus Abhängigkeit zur Tatperson schweigen viele Betroffene – aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird oder sie keinen Schutz erhalten.
Patriarchale Vorstellungen verstärken Geschlechterungleichheit massiv. «Patriarchale Systeme opfern nicht nur Frauen, sondern auch Männer», ergänzt Taty P. Suandi. «Männer müssen stark sein, logisch, dürfen keine Schwäche zeigen. Das schadet auch ihnen.»
Das Pasundan Durebang engagiert sich, dass auch Männer Teil der Lösung werden. Cliff Edward Kasakeyan beispielsweise berät Täter, um den Teufelskreis der Gewalt zu unterbrechen. Zudem macht er Aufklärungs- und Präventionsaktionen in Schulen, Kirchen und im öffentlichen Raum.
Karmila Jusup, Projektkoordinatorin und Themenverantwortliche für das Überwinden von geschlechtsspezifischer Gewalt für Mission 21 vor Ort, hat das Zentrum gegründet. Sie erklärt: «Wir bieten einen ganzheitlichen Ansatz – psychologische, medizinische und rechtliche Unterstützung, bis hin zur Begleitung vor Gericht.» Frauen und Kinder finden im Pasundan Durebang Center nicht nur Schutz in Notfällen und temporäre Unterkunft, sondern auch Programme zur Stärkung der Selbstbestimmung sowie Beratung direkt bei ihnen zuhause.
Was Hoffnung gibt
«Gerechtigkeit muss erkämpft werden», sagt Cliff Edward Kasakeyan entschlossen. «Wir dürfen nicht aufhören, für verletzliche Menschen zu kämpfen. Es mag ermüdend sein, aber das ist in Ordnung.»
Besonders bewegt ihn, wenn Gemeinden aktiv auf das Zentrum zukommen: «Sie sagen mit Begeisterung: Kommt, gebt uns Schulungen, klärt uns auf! Das bedeutet, dass ein Bewusstsein entstanden ist – in der Gesellschaft, in Organisationen, in Kirchen. Solche Momente geben mir Energie.»
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