Ahnenforschung mit Überraschungen

Archivbild hne Datum. Die Nachfahren sind sich einig, dass Fung Khui Syu der junge Mann hinten rechts ist. Foto BMA A-30.08.021

Immer öfter erhalten wir im Archiv Anfragen aus Asien und Afrika von Menschen, deren Vorfahren entweder bei der Basler Mission angestellt oder Gemeindemitglieder waren. Viele davon haben nur flüchtige oder keine Spuren in den Akten hinterlassen, doch manchmal sieht es anders aus. Im letzten Jahr kontaktierte uns ein älterer Chinese. Sein Urgrossvater hatte um 1870 in China als Katechist für die Basler Mission gearbeitet. Mehr wusste er nicht.

Im Archiv fanden sich Puzzlestücke, die sich zu einer erstaunlichen Lebensgeschichte zusammenfügten: Fung Khui Syu – so hiess der Urgrossvater – wurde 1847 als Hong Khuiyuan geboren. Er war ein Sohn von Hong Rengan, einer der Hauptfiguren der Taiping-Rebellion. Hong Xiuquan, ihr Anführer, war durch Missionare mit dem Christentum in Kontakt gekommen und sah sich als Reinkarnation von Jesus Christus. Die Missionare setzten zunächst grosse Hoffnungen in Hongs Bewegung im Sinne eines Durchbruchs des Christentums in China. Doch veränderte sich die Stossrichtung der Rebellion rasch zu rein politischen Motiven: der Absetzung der regierenden Quin-Dynastie.

Von China nach Britisch-Guyana

Die Taiping-Rebellion dauerte 13 Jahre und forderte 30 Millionen Tote. Sie endete 1864 mit dem Tod von Hong Xiuquan und der Flucht und Verfolgung von Tausenden Taiping-Kämpfern, darunter auch Fung Khui Syu. Er flüchtete zur Basler Mission, wo er als gläubiger Christ aufgenommen wurde. Er änderte seinen Namen von Hong in Fung, wurde in Lilong zum Lehrer ausgebildet und arbeitete danach auf einer Inlandstation.

Trotz seiner Jugend hatte er bei den Taiping als General gedient. Den Missionaren fiel er durch seine Demut und seinen von Narben bedeckten Körper auf. Als seine wahre Identität durch eine unkluge Äusserung seinerseits aufgedeckt wurde, versetzte ihn die Basler Mission nach Hongkong, um ihn durch die Anonymität der Grossstadt zu schützen.

1873 heiratete er eine chinesische Christin, die in einem Waisenhaus der Basler Mission gross geworden war. Mit anderen christlichen Hakka-Chinesen wanderte er 1878 mit seiner Familie nach Britisch-Guyana aus. Dort betreute er die ausgewanderten Christ*innen als Lehrer und Seelsorger und sorgte für den Bau einer ersten Kirche. Durch verschiedene Archivalien liess sich das Leben von Fung Khui Syu rekonstruieren. Der wissbegierige Nachfahre hat die Lebensgeschichte inzwischen zu einem forschungsrelevanten Dossier aufgearbeitet, Publikation nicht ausgeschlossen.

Text: Andrea Rhyn, Mission 21

► www.bmarchives.org

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