16 Tage gegen Gewalt an Frauen*

Weltweit erfahren 35 Prozent aller Frauen in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt. Vom heutigen Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, gibt es weltweit Aktionen, um auf diese schwere Menschenrechtsverletzung aufmerksam zu machen.

In Basel, wo Mission 21 ihren Sitz hat, leuchtet heute Abend die Offene Kirche Elisabethen in Orange. Sie setzt damit ein Zeichen gegen die andauernde Gewalt an Frauen und Mädchen, auch hier in der Schweiz. Eine aktuelle Studie der Berner Fachhochschule (BFH) zeigt beispielsweise auf, wie Schweizer Mütter während der Geburt Zwang ausgesetzt sind. So gaben 27% der befragten Mütter an, dass sie bei der Geburt unter Druck gesetzt, einseitig informiert und eingeschüchtert wurden oder die Behandlung ohne ihre Zustimmung erfolgte. Jede Zehnte gibt an, dass sie vom Gesundheitspersonal beleidigt oder abgewertet wurde.

Mutterschaft und Gewalt

In der Schweiz haben sich verschiedene Organisationen der internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen*" angeschlossen. Das Thema der diesjährigen Schweizer Kampagne ist Mutterschaft und Gewalt. Sie zeigt auf, dass Mutterschaft vielfältig ist und wie Mütter in der Schweiz von psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Mission 21 ist Partnerin dieser durch die feministische Friedensorganisation cfd koordinierten Kampagne.

Gewalt an Frauen ist aktueller denn je, denn im Schatten der Corona-Pandemie hat sich eine weitere Pandemie ausgebreitet: Ausgelöst durch vermehrten Stress und Ausgangssperren steigen weltweit die Zahlen von Fällen häuslicher Gewalt dramatisch. Durch Schulschliessungen und Jobverluste wurden zudem mehr Mädchen missbraucht und zwangsverheiratet. Gleichzeitig machen es die Ausgangsperren schwer, sich Hilfe zu holen. Um diese Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen einzudämmen, braucht es eine breit gefächerte Herangehensweise, eine davon ist Advocacy (Fürsprache).

Mit Advocacy gegen Gewalt und Diskriminierung von Frauen und Mädchen

Das Ziel von Advocacy ist, diskriminierten und benachteiligten Menschen eine Stimme zu geben, sodass sie öffentlich ihre Rechte einfordern können. Mit einem jährlichen Advocacy Training für Frauen-Menschenrechte ermächtigt Mission 21 Aktivist*innen ihrer Partnerkirchen und -organisationen, sich gegen Diskriminierung von Frauen und Mädchen in ihrem Land einzusetzen. Da Mission 21 mit den Menschen an der Basis arbeitet, können die dringlichsten Probleme der Gemeinschaft benannt und angegangen werden.

Durch das dieses Jahr im Oktober und November online abgehaltene Advocacy-Training, erhalten die lokal stark engagierten Partner*innen von Mission 21 Zugang zu einem globalen Netzwerk von glaubensbasierten Organisationen, die sich für Gendergerechtigkeit einsetzen. Sie erhalten das nötige Wissen, wie sie auf UN-Ebene und nationaler Ebene auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen können. Zum Beispiel lernen sie, wie sie das wichtigste Menschenrechtsinstrument für die Rechte von Frauen einsetzen können: das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).

Eine starke Allianz gegen Gewalt an Frauen*

Das Training wird von Mission 21 organisiert zusammen mit dem Lutherischen Weltbund, dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der Schwedischen Kirche, der Finnischen Kirchenhilfe und Act Alliance. Es ermöglichte über 70 Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt einen Austausch. Vernetzung ist wichtig, denn nur gemeinsam können Forderungen wie ein besserer Schutz vor häuslicher Gewalt während Ausgangsperren durchgesetzt werden. Auch müssen starke Allianzen gebildet werden, um dem Missbrauch von Religion durch fundamentalistische Strömungen eine starke Gegenstimme zu geben.

Aktivist*innen aus Partnerländern von Mission 21 konnten ihre gesammelten Erfahrungen weitergegeben. So berichtete Obertina Johanis aus Indonesien, wie ihr Netzwerk von Theologinnen die Bibel mit feministischem Blick liest. Und Silvia Regina de Lima Silva, Direktorin des Ökumenischen Forschungs- und Ausbildungszentrum DEI in Costa Rica, gab Einblick in ihre Kampagne «Was wirklich zählt», die eine Alternative zum frauenfeindlichen Fundamentalismus aufzeigt. Mit dem weltweiten Engagment, dem Austausch und der Vernetzung wird Frauen und Mädchen, die von Gewalt und Diskriminierung betroffen sind, eine Stimme gegeben. Gemeinsam können sie besser gegen Gewalt und Unterdrückung ankämpfen.

► Kampagne 16 Tage gegen Gewalt an Frauen* in der Schweiz

► Das Programm von Mission 21 für Gendergerechtigkeit